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Hilfe händeringend gesucht

Bad Bramstedt Hilfe händeringend gesucht

Mit knapp 200 Flüchtlingen rechnen die Verantwortlichen in Bad Bramstedt für dieses Jahr, 2016 sollen es ungefähr genauso viele werden. während einer Gesprächsrunde mit 15 Parteimitgliedern und Flüchtlingshelfern gab es Lob - aber auch einen Ruf nach Hilfe.

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Astrid Weidner aus Mönkloh betreut Flüchtlinge.

Quelle: Jann Roolfs

Bad Bramstedt. „Es gibt eine Menge Initiativen und viele Menschen, die sich kümmern“, lobte Fritz Bredfeldt, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Stadtverordnetenversammlung bei dem Gespräch. Doch es gibt auch Fallen, die im Alltag lauern: „Sie holen viel Bettwäsche. Können sie das überhaupt waschen, oder schmeißen sie das weg?“, rätselte Christina Riedel von der Kleiderkammer des DRK über Bewohner der Unterkünfte an der Kieler Straße. „Da hängt Wäsche“, erinnerte sich Fritz Bredfeldt, selbst Betreuer einer dreiköpfigen Familie aus Syrien. Astrid Weidner aus Mönkloh kennt diese Wohnungen ebenfalls aus ihrer Betreuertätigkeit: zwei Betten auf 16 Quadratmetern, „da ist kein Platz für Waschmaschinen“, befand sie. Die Frage blieb also offen.

 Am 1. Januar sollen im Rathaus und im Amt Bad Bramstedt-Land hauptamtliche Koordinatoren ihre Arbeit aufnehmen. Die werden offenbar dringend gebraucht. Das zeigte sich schon beim Thema Kleiderausgabe: Bekleidung gibt es beim DRK alle zwei Wochen mittwochs – „mit Schlangen bis zur Straße“, berichtete Christina Riedel. Außerdem verteilt Karina Park in Bad Bramstedt Kleider zur Erstversorgung. Der private Helferkreis um Marie Kluthe im katholischen Gemeindezentrum gibt ebenfalls Kleider aus. Und alle suchen vor allem Männersachen in den Größen S und M.

 Der Grüne Peter Strübing arbeitet im Jugendamt in Kaltenkirchen und berichtete von regelmäßigen Treffen der Helfer in Kaltenkirchen und Hartenholm, dort gebe es bereits angestellte Kümmerer. „Ich stelle mir hier einen regelmäßigen Helferkreis vor“, wünschte er sich für Bad Bramstedt. Koordination tut Not, meint Fritz Bredfeldt, aber: „Nicht noch ein Termin, davon habe ich genug.“

 Bredfeldt berichtete von seinen Erfahrungen in der Stadtverwaltung: „Es werden händeringend Betreuer gesucht.“ Interessenten könnten sich im Sozialamt melden. Die Nachfrage aus der Runde, ob das für Berufstätige neben der Arbeit zu schaffen sei, verneinte Bredfeldt. „Viele Termine sind tagsüber“, erläuterte auch Margarete Ohlmann, die sich um zwei kosovarische Familien kümmert. Aber Bredfeldt stellte auch fest: „Wenn man Zeit hat, ist es eine gute Sache.“ Ohlmann ergänzte: „Eine große Bereicherung.“

 Bredfeldt zollte den Neuankömmlingen Respekt dafür, dass sie sich mit einer schwierigen Sprache und einer anderen Schrift auseinandersetzen: „Die haben Sie sich was vorgenommen.“ Aber bei aller Mühe soll das Vergnügen nicht zu kurz kommen, betonte Astrid Weidner: Sie nehme „ihre“ Syrer mit zu ihren Pferden, zeige ihnen Hamburg und paddle mit ihnen. Elisabeth Ohlmann erzählte von einem Nähkurs und einem Garten, der gemeinsam bewirtschaftet werde - was allen Beteiligten Spaß mache.

 In Bad Bramstedt saßen Insider zusammen, die sich engagieren, aber Bredfeldt erinnerte trotzdem an verbreitete Vorbehalte wegen der vielen Neuankömmlinge: „Dass es Ängste auslöst, ist nicht zu leugnen.“ Das Gegenmittel kannten alle in der Runde: „Die Ängste sind weg, sobald man den ersten Kontakt hat“, sagte die Grüne Sabine Metzlaff. Flüchtlingsbetreuerin Astrid Weidner aus Mönkloh berichtete von einem Bekannten, der sich am Pfandautomaten im Supermarkt neben einem Südländer unwohl fühlte, sich dabei ertappte, dass er heimlich kontrollierte, ob sein Portemonnaie sicher in der Tasche saß. Später im Supermarkt fühlte er sich sogar von dem Südländer verfolgt; der brachte ihm allerdings nur den Pfandbon, den er vergessen hatte. Das Ende der Geschichte: Aus lauter Ärger über sich selbst habe der Mann am folgenden Morgen beschlossen, einen Flüchtling in seinem Unternehmen einzustellen.

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