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Hotelgründerin starb mit 85

Bad Bramstedt Hotelgründerin starb mit 85

Marlene Gutsmann, Mitbegründerin und langjährige Eigentümerin des gleichnamigen Traditionshotels, starb im Alter von 85 Jahren. Bis ins hohe Alter nahm die gelernte Hotelfachfrau am gesellschaftlichen Leben teil. Unter der Stilllegung des einstigen Vier-Sterne-Hotels litt sie bis zuletzt.

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Marlene Gutsmann hatte das Kurhotel Gutsmann 1958 zusammen mit ihrem Schwiegervater Arthur und ihrem Mann Jürgen gegründet.

Quelle: Archiv

Bad Bramstedt. Das Kurhotel Gutsmann hatte Marlene Gutsmann 1958 zusammen mit ihrem Schwiegervater Arthur und ihrem Mann Jürgen gegründet. Die Idee, in Bad Bramstedt ein Hotel zu bauen, hatte Arthur Gutsmann Mitte der 1950er Jahre, als er zur offenen Kur in der damaligen Rheumaheilstätte in Bad Bramstedt war. Er konnte zunächst kein Zimmer finden. Zurück in Kiel eröffnete er seiner Familie, dass das Heilbad Bad Bramstedt dringend ein Kurhotel benötige. Arthur Gutsmann kam aus der Branche. Er hatte mit seiner Frau Ellen bereits vor dem Krieg in Oppeln (Oberschlesien) und später in Nordhausen (Thüringen) ein Hotel besessen. In Kiel führten sie nach der Übersiedlung aus der DDR ein Speiselokal.

 Arthur Gutsmann konnte den Banken ein überzeugendes Konzept vorlegen, und nach dem ersten Spatenstich am 23. Juli 1957 folgte bereits am 30. Mai 1958 die Eröffnung des mit 90 Betten damals größten Hotels in der Gegend. Doch bereits zwei Jahre nach dem erfolgversprechenden Start starb Arthur Gutsmann. Sein Sohn Jürgen und Schwiegertochter Marlene, beide ebenfalls gelernte Hoteliers, übernahmen die sehr erfolgreich laufende Herberge. Ein schwerer Schicksalsschlag ereilte Marlene allerdings 1972, als ihr Mann Jürgen bei einem Unfall mit 43 Jahren ums Leben kam. Die Hotelbesitzerin stand mit vier Kindern im Alter von 5 bis 16 Jahren alleine da. Zunächst half ihr Vater bei den Geschäften. 1974 stellte sie dann Klaus Hillert als Geschäftsführer ein, der das Haus auf seinem Erfolgskurs hielt. Daran hatte auch der damalige ärztliche Direktor der Rheumaklinik, Dr. Gerhard Josenhans, seinen Anteil, der mit modernen Behandlungsmethoden Patienten aus ganz Europa anzog. Das Hotel musste mehrfach vergrößert werden.

 Erst als in den 1990er Jahren die offenen Kuren abgeschafft wurden, geriet das Haus in schweres Fahrwasser. Marlene Gutsmann verkaufte es schließlich. Sie saß aber keineswegs als Rentnerin strickend im Sessel, sondern betätigte sich als schleswig-holsteinische Regionalsprecherin der Vereinigung der Hotelfachschüler zu Heidelberg, eine Verbindung aktiver und ehemaliger Studenten des Hotelfachgewerbes. Sie schrieb Artikel für die Verbandszeitschrift, organisierte Seminare, Veranstaltungen und Fahrten. Außerdem war sie bis zuletzt im Bad Bramstedter Sportverein für Gesundheit und Rehabilitation aktiv.

 Das Hotel Gutsmann wechselte noch mehrfach die Eigentümer. Im November 2013 zündeten nachts Unbekannte Papiercontainer auf dem Hotelhof an. Der Qualm zog durch die Klimaanlage durchs gesamte Hotel. Es musste geräumt werden und ist seitdem geschlossen. Mittlerweile gehört es zur Grand City Hotel Group, die schon im letzten Jahr eine Sanierung und Wiedereröffnung angekündigt hatte. Taten folgten aber bisher nicht.

 Erst kürzlich hatte die Seniorin der SZ gesagt: „Ich hoffe, dass ich die Wiedereröffnung noch erleben werde.“ Dieser Wunsch blieb ihr unerfüllt.

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Ein Artikel von
Bernhard M. Domberg

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