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König mit wackeligen Beinen

Bad Bramstedt König mit wackeligen Beinen

Schon in aller Herrgottsfrühe trafen sich die Gildebrüder, um die Veränderungen im Vorstand auszuhandeln: Neuer Jüngster wurde Dale Habbe, neuer Leutnant der Fahnensektion Dirk Hamann. König der Vogelschützen wurde Christoph Lauff, der seine erste Ansprache auf zitternden Beinen hielt.

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Kleiderappell vor dem Schloss: Dr. Carsten Schiefer muss Gildehauptmann Gerd Kiel den Zylinder vorzeigen.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Disziplin ist in diesen Haufen nur schwer zu kriegen. Gildehauptmann Gerd Kiel kann davon ein Lied singen. Der eine hat falsches Gildegrün schlaff am Anzug herunterhängen, der andere einen krummen Zylinder und beim Dritten spannt der Anzug um den wohlgenährten Leib. Gestern war wieder Vogelschießen in Bad Bramstedt, was nach Jahrhunderte altem Ritual abläuft. Und am Ende stand auch der neue König fest: Christoph Lauff.

 Dann ging’s vors Schloss zum Kleiderappell, wo die erwähnten Nachlässigkeiten geahndet wurden. Vorgeschrieben sind schwarzer Anzug, Gildegrün am Revers, geputzte, schwarze Schuhe und ein Zylinder. Vorbildlich erschienen war Claus Bornhöft. „Da gibt es nichts zu beanstanden“, stellte Kiel fest, als er seinem langjährigen Vorgänger bei der Kleiderabnahme gegenüber stand. Mancher Gildebruder ließ jedoch den nötigen Respekt missen. „Der grinst den Hauptmann feist an“, reklamierte Ältermann Burkhard Reck, der mit Hauptmann Kiel die Reihen abschritt und den Namen des Aufsässigen in ein kleines Heft schrieb. Andere hatten noch nicht einmal einen schwarzen Anzug an. Das waren dann allerdings diejenigen, die erst am Montagabend auf dem Festkommers der Gilde beigetreten waren, auch das nach altem Ritual mit einem Schwur bei geöffneter Gildelade.

 Mit Blasmusik und Polizeisicherung ging es nach dem Kleiderappell vom Schloss zum Schießplatz am Herrenholz, wo dann auf den bunten Holzvogel angelegt wurde. Auch hier hat die Vogelschützengilde von 1695 ihre eigenen Regeln. Die Schützen schießen immer für einen anderen, ohne zu wissen für wen. Wenn ein Stück herunterfällt, bekommt der andere dafür einen silbernen Löffel. Fällt das letzte Stück, kommt der bis dahin unbekannte zu Königswürden. Diesmal fiel der Rumpf ungewöhnlich früh: um 16.45 Uhr holte Heiko Kleeblatt ihn vom Mast.

 Die Spannung war schon reichlich gestiegen, als Ältermann Reck endlich die drei Böllerschüsse freigab und im Festzelt den neuen König ausrief: Christoph Lauff (60), in Bad Bramstedt auch bekannt als Saxophonist der Jolly Jazz Fools und CDU-Kommunalpolitiker. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Gewerbelehrer – Publikum ist Lauff also gewöhnt. Dennoch gestand er, „wackelige Beine“ bei den ersten Worten zu seinem Volk zu haben. „Ihr glaubt ja gar nicht, was das für ein Gefühl ist, euer König zu sein“. Und dann gab’s Freibier für alle.

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