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Landfrauen: Saal ist immer voll

Bad Bramstedt Landfrauen: Saal ist immer voll

Am Donnerstag feiern die Bad Bramstedter Landfrauen das 70-jährige Bestehen ihrer Organisation. Nach dem Krieg war ihr Verein einer der ersten im Kreis Segeberg. 24 Frauen waren 1946 dabei, die Zahl stieg bis auf knapp 300 in den 1990er Jahren, heute sind es 273.

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Die Landfrauenvorsitzende Angelika Scheiwe (von links) mit ihren beiden Vorgängerinnen Marie-Luise Greiner und Erika Abel.

Quelle: privat

Bad Bramstedt. „Meine Vorgängerin war eine ganz besondere Frau“, charakterisiert Marie-Luise Greiner die Gründerin des Landfrauenvereins Bad Bramstedt und Umgebung. Gertrud Stedtfeld musste sich am 1. Oktober 1946 die Gründung des Vereins noch von den englischen Besatzern genehmigen lassen.

 Wichtigster Wandel seither: Die Bäuerinnen sind inzwischen in der Minderheit. Diese Verschiebung spiegelt wider, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in den vergangenen 70 Jahren stark abgenommen hat. „An Berufen haben wir alles quer durch“, sagt Angelika Scheiwe. Sie leitet den Verein seit 2007 und ist in dessen langer Geschichte erst die vierte Vorsitzende. Zwei ihrer Vorgängerinnen haben die Landfrauen zu Ehrenvorsitzenden ernannt: Erika Abel aus Mönkloh (Vorsitzende 1989 bis 2007) und Marie-Luise Greiner (1969 bis 1989) aus Hagen.

 Die 91-jährige Marie-Luise Greiner will heute zum Jubiläum in den Kaisersaal kommen. Zwei Bienen, die Wappentiere der Landfrauen, hat sie für ihr langjähriges Engagement geschenkt bekommen. „Eine mit den Schleswig-Holstein-Farben, die liebe ich sehr“, sagt sie.

 Ehrenvorsitzende Greiner stieß bald nach der Gründung zu den Landfrauen und erinnert sich an handfeste Sitten. Sie saß bei einer Versammlung, als sie für einen Vorstandsposten vorgeschlagen wurde: „Das reichte – schon war im Vorstand. Wahlen mit Handzeichen gab es damals nicht.“ 1957 war das. Die Seniorin erinnert sich noch an Themen der ersten Jahre: „Wir haben Filzpantoffeln genäht.“ Wichtig waren auch die Pakete, die für die Kriegsgefangenen in Russland gepackt wurden: „Speck, Wurst und Butter, wenn es gefroren hat“ kamen da vor allem rein, , erzählt Greiner.

 Eins war ähnlich wie heute: „Der Saal war immer voll.“ Modenschauen, Nähkurse, oder Themen wie Hauswirtschaft, Geflügelzucht, Gartenbau, Backen oder Marmelade kochen zogen die Mitglieder damals noch ins Hotel zur Post, das inzwischen abgerissen wurde. Grundthema war seit Gründung der Landfrauenbewegung 1898 bis heute, Bildung für Frauen im ländlichen Raum. Der Gedanke, dabei mit geschicktem Wirtschaften ein Zusatzeinkommen für den Bauernhof zu erzielen, ist allerdings inzwischen in den Hintergrund getreten.

 Früh begannen die Bramstedter Landfrauen mit einer Unternehmung, die sie ebenfalls bis heute pflegen: 1947 gingen sie auf ihre erste Reise, es ging zur Landwirtschaftsausstellung nach Hamburg. Zehn Jahre später führte die erste Tour mit Übernachtung in den Harz.

 Dass die Landfrauen ihre Jubiläumsfeier mit dem traditionellen Erntedankfest zusammenlegen, ist ebenfalls eine Reminiszenz an die Geschichte. Erntedank und Weihnachtsfeiern sind die wichtigsten Veranstaltungen in ihrem Jahreskalender. Traditionell ist auch die Organisation: Frauen aus einem der zwölf im Verein vertretenen Orte (Bad Bramstedt, Armstedt, Bimöhlen, Föhrden-Barl, Fuhlendorf, Hagen, Heidmoor, Hitzhusen, Lentföhrden, Mönkloh, Weddelbrook, Wiemersdorf) sind jedes Jahr abwechselnd dafür zuständig, den Saal zu schmücken.

 Eine lange Geschichte haben auch die Sammlungen für gemeinnützige Zwecke. DRK, Lebenshilfe, Mukoviszidose-Kranke und viele andere haben schon von Spenden der Landfrauen profitiert. Klassiker beim Geldsammeln ist natürlich der Verkauf selbst gebackener Kuchen bei Veranstaltungen.

 Und noch eins hat sich durch die Geschichte gehalten: Ein Treffen der Landfrauen erscheint ohne Kaffee nicht vorstellbar.

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