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Leihoma (oder -opa) gewünscht

Bad Bramstedt Leihoma (oder -opa) gewünscht

Nathalie Schwolow vom Familienzentrum Mullewapp und Petra Brennecke von der evangelischen Familienbildungsstätte wollen das Projekt „Großeltern vor Ort“ auf den Weg bringen. Im „Forum im Schloss“ stellten sie ihr Projekt vor, das Ältere und Kinder zusammenbringt.

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Petra Brennecke (3. von rechts) und Nathalie Schwolow (2. von rechts) im Gespräch mit interessierten „Wunsch-Großeltern“ im Schlosssaal.

Quelle: Sylvana Lublow

Bad Bramstedt. Nicht alle Enkelkinder haben das Glück, ihre Großeltern in Reichweite zu wissen. Und umgekehrt können auch nicht alle Großeltern regelmäßig ihre Enkelkinder besuchen. Einige Rentner haben auch gar keine Enkel.

 „Wir haben in unserer Kita eine Bedarfsumfrage gestartet. Das Ergebnis war, dass vielen Eltern die Großeltern für ihre Kinder vor Ort fehlen und sie sich eine ,Leihoma’ wünschen würden“, erzählte Nathalie Schwolow. „So entstand die Idee für das Projekt.“ Schwolow holte Petra Brennecke mit ins Boot und beide haben in den letzten Monaten an der Umsetzung ihres Plans gearbeitet: Sie wollen Großeltern mit Familien vor Ort zusammenbringen, die sich gegenseitig unterstützen können.

 „Ich kenne die Situation auch. Die Großeltern meines Sohns leben in Bayern und Nordrhein-Westfalen“, erzählt Schwolow, die seit einigen Jahren als Zugezogene in Wiemersdorf wohnt. Brennecke hingegen hatte, wie sie sagt, Glück: „Ich habe zwei erwachsene Töchter und zwei kleine Enkelkinder. Wir leben alle in einem Dorf und ich kann meine Enkel häufig sehen und die Eltern unterstützen.“

 Das wollen sie nun auch anderen Familien bieten. „Ganz wichtig ist, dass es ein gegenseitiges Geben und Nehmen sein sollte“, so Brennecke, „die Wunsch-Großeltern sollen nicht den Babysitter ersetzen, es soll mehr wie eine Familienpatenschaft sein.“ Beide Seiten sollten im besten Fall davon profitieren. „Die Großeltern bekommen Abwechslung in ihrem Alltag, können ihre Lebenserfahrungen weitergeben und gemeinsam mit der Familie eine schöne Zeit verbringen“, zählte Schwolow die Vorteile auf. Für die Familie wiederum soll diese Patenschaft auch Entlastung bedeuten. „Zeit für die Kinder bleibt bei den Eltern heutzutage oft auf der Strecke“, weiß Schwolow.

 Die Kinder profitieren natürlich auch von den Paten-Großeltern: „Sie sammeln Erfahrung mit einer Person aus einer anderen Generation und bekommen eine weitere Vertrauensperson“, sagte Brennecke. „Sie können von den Omas und Opas auch Handwerk und Handarbeit lernen, wie zum Beispiel Häkeln oder Schnitzen.“

 Nachdem die ganzen Vorteile des Projekts aufgezählt waren, kamen die beiden Frauen zu den Voraussetzungen seitens der Großeltern: Sie brauchen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und müssen haftpflichtversichert sein. Wünschenswert wäre auch ein Erste-Hilfe-Kurs am Kind. Außerdem sollten Wunsch-Großeltern und die Familien nah beieinander wohnen.

 Die Versicherung war gleich ein wichtiges Thema für die Zuhörer, von denen einige wissen wollten, wer denn haftet, wenn dem Kind etwas unter ihrer Aufsicht passiert. Eine andere Besucherin erzählte, dass sie an einem ähnlichen Projekt in Berlin schon teilgenommen hatte: „Dort waren wir Leih-Großeltern alle über den Verein versichert.“ Brennecke und Schwolow wollten aber keinen Verein gründen, sondern nur die Vermittlung zwischen Familien und Großeltern übernehmen. „Jeder sollte darüber mit seinem eigenen Haftpflichtversicherer sprechen“, erklärte Brennecke.

 Doch neben den Bedenken, die einige Zuhörer hatten, gab es auch positive Beiträge: „Ich bin hier hergezogen und kann mir gut vorstellen, bei dem Projekt mitzumachen. Auf so etwas habe ich schon gewartet“, sagte eine Rentnerin.

 Die beiden Projektleiterinnen werden mit Hilfe des Seniorenbeirats Briefe und Fragebögen an interessierte Großeltern verteilen. An die Familie treten sie durch die Kitas und die Familienbildungsstätte heran. „Wir schauen dann, wer zu wem passt und vermitteln. Außerdem können wir uns auch vorstellen, später gemeinsame Treffen mit den Großeltern zu organisieren, wo man sich dann austauschen kann“, sagte Brennecke.

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