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Majestät zu Tränen gerührt

Bad Bramstedt Majestät zu Tränen gerührt

Die Vogelschützengilde von 1695 hat einen neuen König: Harm Warnemünde. Der 64-Jährige Autohändler war so überrascht, dass ihm die Tränen kamen. Bereits am Montagabend hatte die Gilde mit rund 200 Gästen im Tryp Hotel Köhlerhof den traditionellen Kommers gefeiert.

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Harm Warnemünde ist der neue König der Vogelschützengilde, seine Frau Susanne und Sohn Tom (8) freuen sich mit ihm.

Quelle: Sylvana Lublow

Bad Bramstedt. Beim Kommers erstmals dabei: Eine dreiköpfige Abordnung des Mendener Schützenvereins von 1604 aus dem Sauerland. Der Kontakt war im vergangenen Jahr zustande gekommen, als die Vogelschützen in New York an der Steubenparade teilnahmen. Mit einem strammen Programm von knapp drei Stunden unterhielten die Redner ihre Zuhörer. Ältermann Clemens Moritz machte sich Gedanken darüber, ob sich die Vorstandsmitglieder, dem Zeitgeist folgend, lieber per Videokonferenz zu den Veranstaltungen dazu schalten sollten. Vorteil: Man sieht nicht, dass die „swate Kledage“ im Laufe der Jahre immer knapper geworden ist. Der scheidende König Christoph Lauff hatte seiner Gilde ein ganz besonderes Geschenk gemacht. Der begeisterte Jazzmusiker hatte den Dixieland-Klassiker „Icecream“ passend zur Vogelschützengilde neu getextet. Gesungen von gut 200 Menschen war das als Abschied durchaus einmalig für einen König.

Plattdeutsch ist Pflicht bei den Reden, aber nicht allen gelingt es, das Niederdeutsche wirklich witzig ’rüberzubringen. Achtmann Dag Meholm bildete eine Ausnahme. Der Norweger nahm sich und seine Nation auf Plattdeutsch auf die Schippe – und pries sich damit als gutes Beispiel gelungener Integration. Krönender Abschluss war – auch das hat Tradition bei der Vogelschützengilde – wieder der Wettkampf zwischen der Fahnensektion und den Jüngsten. Die einen müssen zeigen, was sie beim Exerzieren gelernt haben, wobei Kommandos und Ausführung auch nicht ansatzweise militärische Disziplin erkennen lassen. Die Jüngsten auf der anderen Seite müssen in besonderen Verkleidungen originelle Tänze aufführen. Da Dale Habbe aufgrund einer Verletzung nicht tanzen konnte, stand er als Rolanddenkmal ausstaffiert im Saal. Reimer Fülscher tanzte dann mit Petra Reck um ihn herum, so wie die Fleckensgilde in der vergangenen Woche. Bei der Abstimmung per Applaus entschied der Vorstand dann sehr weise, dass die Fahnensektion und die Jüngsten gleiche Leistungen erbracht haben.

Nach traditionellem Ritual wurde gestern am späten Nachmittag der neue König ermittelt. Die die Schützen treten immer für einen anderen an, dessen Namen sie selbst nicht wissen. So schoss Jürgen Schultenkämper aus Nützen Harm Warnemünde zum neuen Gildekönig. Zwei Böllerschüsse donnerten, der obligatorische dritte zündete nicht. Ältermann Clemens Moritz witzelte: „Hoffentlich wird der König kein Rohrkrepierer“. Der, und auch Ehefrau Susanne Warnemünde, konnte sich der Tränen nicht erwehren. „Ich bin fix und fertig“, gestand Warnemünde und gab erstmal eine Runde Bier fürs ganze Festzelt aus.

Von Uwe Einar und Straehler-Pohl Behn

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