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Plattdüütsch is gar nich so schwor

Bad Bramstedt Plattdüütsch is gar nich so schwor

Gleich von Beginn an spricht Helga Koch mit ihren Deerns op Platt. Fünf Mädchen nehmen an der Plattdeutsch-AG in der Grundschule Am Bahnhof in Bad Barmstedt teil. Seit 1994 bringt sie Schülern Plattdeutsch bei. Doch der Beliebtheitsgrad der AG sinkt. Zuhause wird immer weniger Platt gesprochen.

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Helga Koch unterrichtet Platt mit Händen und Füßen. Zurzeit sind ihrer AG in der Grundschule Am Bahnhof Tiziana Dauster (von links), Lena Gröning, Johanna Harney und Mia Anastasia Koch (alle acht Jahre alt).

Quelle: Sylvana Lublow

Bad Bramstedt. „In den ersten Jahren hatte ich bis zu 15 Teilnehmer, es werden immer weniger“, bedauert Koch. Die Gründe dafür sind vielfältig: Es gibt immer mehr zugereiste Familien, die Nachmittagsangebote an den Grundschulen nehmen zu und – wohl der wichtigste Grund – Platt wird in Familien heute kaum noch gesprochen.

 Aber es gibt sie noch. Tiziana zum Beispiel lernt Platt mit ihrem Vater. „Ich finde es gut, dass ich mich mit meinem Vater auch auf Platt verständigen kann“, sagt die Achtjährige. Mia hingegen kannte Plattdeutsch vorher nicht. Ihre Motivation es zu lernen: „Das kann ich dann meinen Eltern beibringen, die aus Russland kommen. Sie bringen mir ja auch Russisch bei.“ Johanna möchte später Lehrerin werden „und dann kann ich anderen Kindern auch Plattdeutsch beibringen.“ Es scheint als würde die alte Sprache doch noch überleben.

 In Bad Bramstedt tut Helga Koch jedenfalls Einiges dafür. Nicht nur den Lütten bringt sie Platt nahe, auch den Grooten. 2009 gründete sie zusammen mit Reimer Fülscher und Angela Kruppa den „Plattdüütschen Krink“. Etwa alle acht Wochen treffen sich Liebhaber des Plattdeutschen und singen gemeinsam Lieder und erzählen Döntjes.

 Auch mit ihrer Grundschul-AG tritt Helga Koch einmal im Jahr auf, häufig vor der Gemeinschaft der „Alten Bramstedter“. Aufgeführt werden meistens kleine Sketche. Mit ihren derzeitigen fiev Deerns hat sie das auch vor. Es werden auch die letzten Grundschüler sein, mit denen die Lehrerin Platt lernt. Im kommenden Jahr geht die 64-Jährige in Rente. Aufhören mit Platt wird sie deshalb aber nicht. Neben dem Krink könnte sie sich vorstellen, auch etwas für Kinder anzubieten. „Vielleicht eine plattdeutsche Theatergruppe.“

 Die Mädchen werden heute auf Wiehnachten eingestimmt. Erst wird das Gedicht „Sünnerklaas“ gelesen und übersetzt. Da kann es durchaus zu einigen Missverständnissen kommen. Ein Mädchen übersetzt die Zeile „de backt den Wiehnachtsmann sien Stuten“ mit „die backen den Weihnachtsmann in seiner Stube“, da kann sich auch die Lehrerin das Lachen nicht verkneifen. „Plattdeutsch zu lesen, ist das Schwierigste für die Kinder, weil es nicht lautgetreu geschrieben wird“, erklärt Helga Koch.

 Da fällt das Singen leichter. Rolf Zuckowskis Wiehnachtsleed „24 lütte Döörn“ finden die Mädchen gut und wollen es auch dem Wiehnachtsmann an Hiligobend vorsingen.

 „Plattdeutsch ist eine menschliche Sprache, man kann damit so viel ausdrücken“, erklärt Helga Koch ihre Vorliebe fürs Niederdeutsche. Die Lehrerin ist in Bad Bramstedt geboren und verbindet mit dem Plattdeutschen die Heimat. „Meine Oma hat früher immer mit mir Platt gesprochen.“ Das legt sie auch allen Senioren ans Herz: „Sprecht so viel wie möglich Platt mit den Kindern!“ Ihre Nachfolge in der Grundschule Am Bahnhof ist zwar noch nicht geregelt, aber Helga Koch hat schon jemanden im Auge.

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