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Ein Opel Kadett made in Moskau

Bad Bramstedt Ein Opel Kadett made in Moskau

Ein 911er Porsche aus den 1970er-Jahren wechselt schon mal für 70000 Euro den Besitzer, ein Mercedes SL Cabrio ebenso. Aber ein noch 40 Jahre älterer Moskwitsch 400 in Topzustand kostet vielleicht ein Siebtel davon. Dennoch hat Siegfried Müller einen solchen restauriert, ein sehr seltenes Exemplar.

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Siegfried Müller hatte den Moskwitsch 400 komplett zerlegt und restauriert. Nun sieht er wieder aus wie neu.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Den Moskwitsch fand Siegfried Müller vor sieben Jahren im Internet, das Auto stand in Krummendeich auf der Südseite der Elbe. „Ich wollte ihn unbedingt haben“, erinnert sich der Autonarr. Der Grund: Der Moskwitsch 400 ist eigentlich ein Opel Kadett aus der Vorkriegszeit und Müller hatte Anfang der 1960er Jahre Tankwart auf der Esso-Tankstelle von Opel Harm am Bleeck gelernt. „Damals fuhren noch einige der alten Kadetts, ich hatte häufig mit ihnen zu tun“, quasi eine Jugendliebe. Die Sowjets hatten nach dem Krieg als Reparationsleistung Produktionsanlagen vom Rüsselsheimer Opelwerk nach Moskau geschafft und auf denen den Kadett nachgebaut. Dort bekam er den Namen Moskwitsch (Moskauer) 400, wurde aber nur wenige Jahre von 1947 bis Mitte der 1950er Jahre produziert. Überlebt haben davon nicht viele Exemplare, vor allem in Deutschland sind sie rar. „Mehr als eine Handvoll werden es nicht sein“, so Müller. Die Technik aus den 30er Jahren ist archaisch. Geschaltet wird mit Zwischengas, weil das Getriebe nicht synchronisiert ist. Die 1,1-Liter-Maschine hat 23 PS.

Müller hat das herunter gekommene Auto komplett neu aufbauen müssen. Jeden Schritt hat er mit Fotos dokumentiert. Der Rost hatte die gesamte Karosse zerfressen. „Vieles musste nachgefertigt werden. Ich musste erst mal Schweißen lernen“, erzählt Müller. Durch ganz Deutschland und einige osteuropäische Länder ist er gefahren, um Teile aufzutreiben. Und der Motor lief auch erst nach mehrmaligem Auseinandernehmen. Der Zylinderkopf hatte einen Riss, niemand konnte das alte Gusseisen schweißen. „Ich habe schließlich in Lettland einen noch original in Ölpapier verpackten neuen Kopf gefunden“, erinnert sich Müller. 200 Euro hat er dafür bezahlt.

Der Moskwitsch soll nun aber verkauft werden. 10000 Euro will Müller für den Moskwitsch haben und „das wird schon schwierig.“ 1600 Euro hatte er dafür bezahlt, aber 20000 Euro in die Restaurierung gesteckt, viel „Lehrgeld“, sagt er. „Es war eben schon früher ein Brot- und Butterauto, Geld lässt sich damit nicht verdienen.“

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