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TV-Sender auf Karl Lagerfelds Spuren

Bad Bramstedt / Hagen TV-Sender auf Karl Lagerfelds Spuren

Fast 14 Jahre seines Lebens verbrachte der Modeschöpfer Karl Lagerfeld in Bad Bramstedt. Der fanzösische Fernsehsender France 2 produziert eine Dokumentation über den in Paris lebenden Mann mit Zopf und kam deshalb mit einem Drehteam auch nach Bad Bramstedt.

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Das alte Klassenfoto aus Bad Bramstedt stammt aus dem Mai 1948. Es zeigt den 14-Jährigen Karl Lagerfeld (vordere Reihe, Dritter von links) mit Schlips und Kragen sowie einem Siegelring an der linken Hand.

Quelle: Privat

Bad Bramstedt/Hagen. In Bad Bramstedt sprachen die Fernsehleute unter anderem mit Elfriede von Jouanne, Mitinhaberin des Bad Bramstedter Einrichtungshauses, die Karl Lagerfeld persönlich kennt und den Franzosen zahlreiche Briefe von Lagerfeld zeigen konnte. Sie ist die Großnichte von Lagerfelds einstiger Kinderfrau Martha Bünz.

 Das TV-Team drehte einen Tag lang im Wohnhaus von Elfriede von Jouanne in Hagen und in Bad Bramstedt mehrere Sequenzen für eine 90-Minütige Dokumentation über den Modezar. „Wir werden das Leben von Karl Lagerfeld mit Anständigkeit und Respekt vergegenwärtigen und können das nur mit Zeitzeugen seiner Geschichte machen“, sagte Regisseur Laurent Allen-Carron.

Karl Lagerfelds Spitzname war Muhle

 Zu den anwesenden Zeitzeugen gehörten neben von Jouanne Lagerfelds ehemaliger Mitschüler Hans-Joachim Bronisch sowie seine Spielkameraden Karl Wagner und Sylvia Jahrke. Bronisch, der in der Schule eine Bank hinter Lagerfeld saß, erinnert sich noch an manche Episode mit Karl-Otto, wie er damals genannt werden wollte; sein Spitzname war „Muhle“. „Er konnte nicht singen, aber wir haben ihm manchmal im Musikunterricht geholfen. So hat er immerhin eine Drei bekommen“, erinnert sich Bronisch, der selbst mit einer Fünf abschloss. Weil Schulbücher in der Nachkriegszeit Mangelware waren, mussten sich Lagerfeld und Bronisch die Bücher teilen. So traf man sich jeweils Punkt 16 Uhr auf der Ohlau-Brücke, um die Bücher zu tauschen.

 Sylvia Jahrke, die heute in Hitzhusen wohnt, erinnert sich gerne daran, dass der ein Jahr ältere Karl ihr das Radfahren beibrachte. Sie besaß damals noch kein eigenes Rad und nahm sich den erstbesten Drahtesel. Und Karl, ganz Kavalier, gab dem Mädchen Fahrunterricht. „Wegen des nicht ganz legalen Ausleihens gab’s großen Ärger, doch Karl hielt zu mir“, so die Hitzhusenerin.

 Karl Wagner, Seniorchef des gleichnamigen Schuhgeschäfts in Bad Bramstedt, konnte als Junge mit Lagerfeld nicht viel anfangen. „Er malte viel, kleidete Puppen ein und blätterte in Modezeitschriften“, erinnert sich Wagner. Er selbst sei lieber auf Bäume geklettert.

Karl Lagerfeld wurde gerne mal geärgert

 Der „Schöngeist“ wurde von seinen Klassenkameraden auch gerne mal geärgert. Wagner erinnert sich: „Wir versuchten ihn in einen stinkenden Kuhstall zu locken, obwohl wir wussten, dass er die Landwirtschaft hasst.“

Karl Lagerfeld heute: Schwarzer Anzug, Pferdeschwanz, Sonnenbrille und Fächer sind seine Markenzeichen.

Quelle: Caroline Seidel/dpa

 Lagerfeld, der wegen der Bombenangriffe auf Hamburg mit seinen wohlhabenden Eltern – sie besaßen eine Dosenmilchfabrik (Glücksklee) – auf das Gut Bissenmoor in Bad Bramstedt gezogen war, besuchte die Jürgen-Fuhlendorf-Schule (JFS) zwischen 1944 und 1951 und verließ sie ohne Abschluss. Den holte er später in Paris am Lycée Montaigne nach. Ein Glücksfall für den späteren Modezar war sein Kunstlehrer Heinz-Helmut Schulz, der 1948 an die JFS kam und Lagerfelds Ausnahmetalent erkannte und es nach besten Kräften förderte.

 Als besonders spannend für das Fernsehteam erwies sich Elfriede von Jouanne. Von ihrer Großtante Martha Bünz hatte von Jouanne ein Bild von Lagerfelds Schwester Martha Christiane bekommen, das Karl Lagerfeld in jungen Jahren gemalt hatte und an dem er sehr hing. Von Jouanne brachte das Bild 1980 eigenhändig nach Paris, wo sie den Maestro allerdings nicht antraf, was er anschließend in einem persönlich verfassten Schreiben sehr bedauerte.

Stolz zeigt Elfriede von Jouanne aus Hagen eine der vielen Weihnachtskarten, die ihr Karl Lagerfeld schrieb.

Quelle: Bernhard-M. Domberg

Daraus ergab sich ein reger Schriftwechsel zwischen den beiden, der bis Ende 1993 anhielt. Die Briefe und Karten hatte Lagerfeld allesamt per Hand in gut leserlicher Schrift verfasst. „Ich hege Karls Briefe wie meinen Augapfel“, versichert Elfriede von Jouanne. Dasselbe gilt auch für eine wertvolle Obstschale von Lagerfelds Mutter Elisabeth, die von Joaunne von ihrer Großtante geschenkt bekommen hat. Das gute Stück mit silbernem Fuß hatte die Kinderfrau des kleinen Karl für treue Dienste erhalten.

Das andere Gesicht eines großen Designers

 Kurz nach dem Paris-Besuch bemühten sich Elfriede und ihr Mann Gerd von Jouanne für Karl Lagerfeld ein Haus in Blankenese zu vermitteln. Doch es gab zunächst kein passendes Objekt. Später erwarb Lagerfeld tatsächlich ein Anwesen in Hamburgs noblem Vorort. 1989 schließlich trafen sich Lagerfeld und die von Jouannes am Rande einer Talkshow in Hamburg. „Er zeigte sich sehr aufgeschlossen und liebenswert, ganz anders als er sonst gelegentlich in den Medien herüberkommt“, erzählt von Jouanne.

Kameramann Ludovic Simeon filmte Karl Lagerfelds ehemalige Schule, heute die Grundschule Am Bahnhof. Damals war hier die Jürgen-Fuhlendorf-Schule, eine Oberrealschule, die Lagerfeld allerdings 1951 ohne Abschluss verließ.

Quelle: Bernhard-M. Domberg

 Das bestätigten auch die Fernsehleute aus Paris: „Wir haben ein ganz anderes Gesicht des großen Mannes kennengelernt, als das, das wir bisher kannten“, sagte Regisseur Allen-Carron. Der Film wird in der Dokumentationsreihe „Un Jour un Destin“ auf France 2 Anfang 2017 gesendet.

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Ein Artikel von
Bernhard M. Domberg

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