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Tourismusbüro in der Kritik

Bad Bramstedt Tourismusbüro in der Kritik

Das Tourismusbüro in Bad Bramstedt steht schwer in der Kritik. Die Übernachtungszahlen sind entgegen dem Landestrend weiter rückläufig. Der Tourismusausschuss der Stadt wirft dem Büro, das auch Stadtmarketing betreiben soll, „Konzeptlosigkeit“ vor.

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Das Tourismusbüro ist im Rathaus untergebracht. Es ist eine Abteilung der Stadtverwaltung von Bad Bramstedt.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach versucht, den Rückgang bei den Übernachtungen mit dem geschlossenen Hotel Gutsmann zu erklären, was ihm aber im Tourismusausschuss niemand abnahm. Denn das Hotel ist schon seit drei Jahren geschlossen.

 Einmal im Jahr berichtet die Leiterin des städtischen Tourismusbüros, Bettina Belkner, über ihre Tätigkeit und zog sich dabei schon in den letzten Jahren den Unmut im städtischen Tourismusausschuss zu. Sie konnte keine plausiblen Zahlen vorlegen, geschweige denn, ein Konzept zur Gewinnung neuer Feriengäste. „Ich habe hier mit der geballten Faust in der Tasche gesessen“, bekannte SPD-Stadtverordneter Klaus-Dieter Hinck. Diesmal fehlte die Tourismusbüroleiterin ganz. Sie hat Urlaub, „schon langfristig angemeldet“, wie Kütbach als ihr Chef versicherte. Doch was er stellvertretend für Belkner dem Ausschuss präsentierte, war ebenfalls ungeeignet, die Kommunalpolitiker gewogen zu stimmen. Die Übernachtungszahlen sind im Zeitraum von Januar bis Mai dieses Jahres um 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Zu den Sommermonaten, in denen naturgemäß deutlich mehr Besucher in die Stadt kommen, gab es keine Zahlen.

 „Wir leiden unter der Schließung des Hotels Gutsmann“, begründete Kütbach den Rückgang. Die gleiche Erklärung hatte im letzten Jahr auch schon Bettina Belkner. Nur: Das Hotel ist nach einem Brand bereits seit 2013 geschlossen.

 Rückläufig, wenn auch nur wenig, sind auch die Besucherzahlen im Tourismusbüro selbst. In den ersten sieben Monaten dieses Jahren kamen 3613 Kunden, im Vorjahreszeitraum waren es 3666. Im Spitzenmonat Juli waren es 598 Gäste an 21 Öffnungstagen. Das sind pro Tag 28 Besucher, davon manche sicherlich auch in Gruppen. Vier Teilzeitkräfte sind im Büro beschäftigt. Drei davon haben sich allerdings gerade innerhalb des Rathauses versetzen lassen. „Sie haben sich dadurch finanziell verbessert“, betonte Kütbach.

 Thema Stadtmarketing: Der Bürgermeister listete einige Veranstaltungen auf, zu denen der Beitrag des Tourismusbüros aber eher gering ist. Beispielsweise das Kino auf der Schlosswiese im September. Nicht das Tourismusbüro, sondern ein 18-Jähriger hatte es auf eigenes Risiko veranstaltet. Das Kindersommerfest zugunsten eines an Muskelschwund leidenden Kindes auf der Schlosswiese im August war eine Idee des Buchladens „Findefuxx“. Die Earth Hour erschöpfte sich darin, das Licht an öffentlichen Gebäuden auszuschalten. Die Fledermausführungen in den Sommermonaten werden von einer Landschaftsführerin angeboten.

 „Bonbons auf Messen zu verteilen und ein neues Gastgeberverzeichnis zu erstellen, das kann es doch wohl nicht alles sein“, schimpfte Hinck. Und Stefan Brumm (CDU) konstatierte: „Ich hätte einen besseren Bericht erwartet.“

 Helmer Krane (FDP) stellte sogar die Sinnhaftigkeit des Tourismusbüros in Frage. „Was erreichen wir mit den eingesetzten Mitteln?“, fragte er in die Runde. Auch ein Stellenabbau dürfe nicht einem „Denkverbot“ unterliegen.

 Grund für Kranes Überlegungen ist der steigende Zuschussbedarf für das Tourismusbüro aus dem Stadthaushalt. Eigentlich sollte es zu 70 Prozent aus der Fremdenverkehrsabgabe bezahlt werden, hatte Kütbach erklärt. „Das erreichen wir aber bei Weitem nicht“, so der Bürgermeister. Weniger Übernachtungen bedeuteten auch weniger Kurtaxe; eigene Einnahmen kann das Tourismusbüro nur über die Verkaufsprovision von Eintrittskarten fürs Kurhaustheater erzielen. Da kommt bei im Monat durchschnittlich 340 verkauften Karten nicht viel zusammen. Für 2017 wird ein Defizit von 95000 Euro erwartet.

 Bernhard-Michael Domberg, Vertreter des Seniorenbeirates im Ausschuss, warnte allerdings vor einem Ausdünnen des Tourismusbüros. „Ich habe schon oft Gruppen beobachtet, die an der Tür gerüttelt haben. Die Öffnungszeiten sind schon jetzt grausig.“

 Kütbach selbst war es dann, der an das vor Jahren bei einem Fachbüro in Auftrag gegebene Tourismusgutachten erinnerte. Er schlug vor, die 30000 Euro teure Expertise wieder aus der Schublade zu holen und daraus ein Konzept für das Tourismusbüro zu entwickeln. Nach Kütbachs Meinung sollte dafür eine Arbeitsgruppe eingerichtet werden. Krane und auch andere Ausschussmitglieder meinten allerdings, darüber sollte schon öffentlich gesprochen werden und nicht in Hinterzimmern. Beschlüsse dazu gab es nicht.

 Eine Konsequenz haben die Mindereinnahmen aus der Fremdenverkehrsabgabe aber doch. Das monatlich herausgegebene Veranstaltungsheft, das kostenlos ausliegt, wird ab 2016 nur noch vierteljährlich erscheinen.

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