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Überzeugt vom DaZ-Konzept

Bad Bramstedt Überzeugt vom DaZ-Konzept

Konzentrierte Stille herrscht in der Basisstufe des DaZ-Zentrums der Grundschule Maienbeeck. Die Kinder kommen aus Afghanistan, Rumänien, Irak und Spanien. Sie lernen die Monate, die deutschen Buchstaben oder auch nur den Umgang mit Stift und Schere.

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Die Kinder lernen vor allem über Bilder die deutsche Sprache. Fabjo (rechts) kommt aus Albanien, Mustafa aus dem Irak und Alisghar aus Afghanistan.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Aber die Stille kann leicht darüber hinwegtäuschen, dass die Grundschule an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen ist, wie Schulleiterin Christine Landscheck (56) sagt. Weitere Flüchtlingsströme würden sie vor große Probleme stellen.

 DaZ steht für Deutsch als Zweitsprache. DaZ-Klassen gibt es bereits seit einigen Jahren, aber die Grundschule Maienbeeck ist zu Schuljahresbeginn ein DaZ-Zentrum geworden. „Uns werden auch Kinder von anderen Schulen zugewiesen“, berichtet Schulleiterin Christine Landscheck, beispielsweise aus Großenaspe. 38 Prozent der 312 Schüler haben ausländische Wurzeln, der Anteil ist höher als an jeder anderen Schule in Bad Bramstedt und Umgebung.

 Gestern hatte ein Geschwisterpaar aus Afghanistan seinen ersten Schultag im Maienbeeck. Die beiden haben mit ihren Eltern gerade erst ihre Flucht hinter sich. Sie sprechen kein Wort Deutsch, aber sie beteiligen sich am Unterricht, als wären sie schon Wochen dabei. „Ganz viel läuft über die Kombination aus Bild und Wort“, sagt Lehrerin Astrid Schlenger (55). Die Kinder malen oder müssen Bilder den passenden Wörtern zuordnen. Auch Bewegungsspiele gehören zur Förderung. Das Konzept funktioniert offenbar. Deutsch lernen geht bei den meisten erstaunlich schnell, wie die Pädagogin festgestellt hat: „Sie saugen alles auf wie ein Schwamm.“ Die Neuzugänge werden gemeinsam montags bis freitags in den ersten beiden Stunden unterrichtet, danach gehen sie in ihre Stammklassen.

 Wer schon gut genug Deutsch kann, darf die Basisstufe, der zurzeit zehn Kinder angehören, verlassen. Sie gehören dann zur Aufbaustufe, in der vier weitere Lehrkräfte der Maienbeeck-Schule die Kinder zeitweise in der Stammklasse fördern. Der Abschluss der Förderung findet in der Integrationsstufe statt, in der die ausländischen Kinder bereits in den normalen Unterricht weitgehend eigenständig eingebunden sind. Danach heißt es dann für viele von ihnen, die Schule zu wechseln, wenn sie nicht in Bad Bramstedt wohnen oder innerhalb der Stadt einem anderen Schulbezirk angehören. Wer nach der Grundschulzeit noch nicht genügend Deutsch kann, der wird an der Gemeinschaftsschule Auenland weiter gefördert. Hier ist das DaZ-Zentrum für ältere Schüler angesiedelt.

 Christine Landscheck ist überzeugt vom DaZ-Konzept. Sie selbst, wie auch ihre Kollegin Schlenger, hat Deutsch als Fremdsprache studiert, damals vor allem um türkischen Kindern zu helfen. „Das DaZ-Zentrum ist eine tolle Einrichtung und es macht unglaublich viel Spaß mit den Kindern“, sagt die Schulleiterin, die aber auch die Eltern lobt. „Sie unterstützen ihre Kinder vorbildlich, die kommen morgens pünktlich und haben alles Material dabei. Das ist keine Selbstverständlichkeit.“ Und die Eltern seien sehr dankbar dafür, wie sich hier um die Kinder gekümmert wird. „Aus ihrer Heimat sind sie das nicht gewohnt“, hat die Schulleiterin festgestellt.

 Trotz aller Fröhlichkeit, die die Kinder ausstrahlen, lasten doch schwere Schicksale auf ihren jungen Seelen. Im Musikraum hängen Bilder der Kinder. Sie sollten den Unterschied zwischen ihrer Heimat und Deutschland malen. Fast alle zeigen Panzer, Menschen mit Pistolen, ohne Arme und mit blutenden Wunden. Welche Folgen das haben kann, musste Christine Landscheck erfahren, als vor einem halben Jahr ein kleines Mädchen verschwunden war, das unter Epilepsie leidet. Das Kind war einfach weggelaufen und wurde schließlich an der Beecker Brücke gefunden. Es reagierte panisch, als Polizisten in Uniform es zurückbringen wollten. „Als die Polizisten sich in der Schule verabschieden wollten, fing es wieder an zu schreien“, erzählt Landscheck. Sie wünscht sich seitdem einen Zaun um die Schule, den der Schulverband aber schon zweimal abgelehnt hat. Schulverbandsvorsteher Hans-Jürgen Kütbach dazu: „Der Schulhof mit seinen Spielmöglichkeiten soll auch nachmittags für alle zugänglich bleiben.“

 Zahlenmäßig gerät die Grundschule Maienbeeck langsam an ihre Grenzen. Mit Astrid Schlenger steht nur eine Lehrerin für die zehn Schüler der Basisstufe zur Verfügung. „Die Kinder brauchen individuelle Förderung, weil sie nichts verstehen“, erklärt die Lehrerin. Im letzten Jahr hatte sie Hilfe von einer Erzieherin des Kinderschutzbundes. Das war allerdings eine befristetes Projekt zur Sprachförderung aus Geldern des Jugendamtes und wird nicht fortgesetzt. Wenn der Flüchtlingsstrom im Frühjahr wieder anwächst, reiche die jetzige Besetzung auf keinen Fall mehr, meint Christine Landscheck.

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