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Vernachlässigte Stadtbücherei

Bad Bramstedt Vernachlässigte Stadtbücherei

„Die Bücherei zeigt sich in unerträglichem Zustand“ – harte Worte, die die Büchereizentrale Schleswig-Holstein für die Bad Bramstedter Bibliothek findet. Ob sich daran sobald etwas ändern wird, bleibt auch nach der jüngsten Sitzung des städtischen Kulturausschusses unklar.

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Der Teppich ist hinter dem Bedientresen schon durchgetreten, für Leuchtstoffröhren gibt es keinen Ersatz mehr. Nach Berechnungen der Büchereizentrale ist die Stadtbücherei außerdem viel zu klein.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Die Stadtverwaltung bekam vom Ausschuss lediglich den Auftrag, Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Dabei ist das Thema nicht neu. Bereits 2009 gab es fertige Pläne, die zu kleine Stadtbücherei auf das gesamte Untergeschoss des Kulturhauses „Alte Schule“ auszuweiten. Der Umbau sollte damals aus dem Konjunkturprogramm der Bundesregierung zur Überwindung der Bankenkrise bezahlt werden. Die Bewilligung der Fördergelder blieb aber aus und somit auch die Erweiterung der Bibliothek.

 Sieben Jahre später fragte Büchereileiterin Anna Stenzel nun im Rathaus wieder an, ob die Pläne nicht reaktiviert werden könnten. Die Stadtverwaltung schrieb darauf hin, wie schon 2009, die Büchereizentrale Schleswig-Holstein an, mit der Bitte, den Raumbedarf zu ermitteln.

 Die Antwort ist vernichtend: „Die Bilder decken sich leider mit dem Bildmaterial, was wir 2009 für unsere erste Entwurfsplanung gemacht haben.“ Die Stadtbücherei habe einen Bestand von rund 26000 Medien. Gemessen an der Einwohnerzahl müsste der Bestand 27000 Bücher, Zeitschriften, CDs und DVDs umfassen. Die Sollgröße ist also fast erreicht, nicht aber der Raumbedarf. „Für einen Bestand dieser Größenordnung wird gemäß den einschlägigen Normen eine Fläche von 816 Quadratmetern empfohlen“, schreibt die Büchereizentrale. Zur Verfügung stehen nur 213 Quadratmeter, also ein gutes Viertel der Sollgröße. Die Folge sei „durchgehend eine deutliche Streichung im Standard-Dienstleistungsangebot“, schreibt die Büchereizentrale.

 Für die Mitglieder des Kulturausschusses stand damit zunächst fest, die Bücherei muss eine neue Bleibe finden. „Ich kann mir vorstellen, dass Gebäude in der Stadt freiwerden, die dann genutzt werden können. Ein Schnellschuss wird das aber nicht.“ Welche Gebäude er damit meint, sagte Werner Weiß (CDU) nicht. Auch Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach hält einen Umzug in absehbarer Zeit für möglich, will sich aber ebenfalls nicht öffentlich zu Örtlichkeiten äußern. „Es müssten dann andere Vereine dort ausziehen. Mit denen müsste erst einmal gesprochen werden“, sagte Kütbach zur SZ.

 Büchereichefin Stenzel wäre mit viel weniger zufrieden und sorgte damit für Erstaunen im Ausschuss. „Der Teppich ist zerschlissen, in der Deckenbeleuchtung lassen sich die Röhren nicht mehr auswechseln, weil es sie nicht mehr gibt“, erzählte sie im Ausschuss. Eine Sanierung wäre also erforderlich. Auch die Regale seien veraltet. Und um dem Raummangel zu begegnen, schlug sie vor, den ehemaligen Jugendringraum gleich nebenan im Parterre der Alten Schule mitzunutzen. „Wir brauchen dazu nur eine Tür in der Glaswand, der Raum ist die meiste Zeit doch ungenutzt.“ Den Jugendring Bad Bramstedt gibt es seit vielen Jahren schon nur noch auf dem Papier. Anna Stenzel möchte den Raum für Vorlesestunden nutzen. Bücherei-Kunden könnten sich hierhin auch zum Lesen zurückziehen. In der voll gestellten Bücherei sei das bisher kaum möglich. Die Bibliothekarin ist das Vertrösten auf später leid. Ein Umzug irgendwann einmal löse ihr jetziges Problem nicht, sagte sie dem Ausschuss.

 Dessen Vorsitzender, Bodo Clausen (SPD), gestand, „konsterniert“ von den Äußerungen der Büchereileiterin zu sein. Peter Strübing (Grüne) schlug vor, zu prüfen, ob der Jugendringraum nicht für die Bücherei nutzbar gemacht werden könne, um möglichst schnell zu einer Lösung zu kommen. Zurzeit gibt es dort an einigen Tagen Sprachkurse für Flüchtlinge. „Die könnten doch auch in den Schulen stattfinden“, meint Strübing.

 Bis zur nächsten Sitzung soll nun die Stadtverwaltung konkrete Vorschläge zu einem Umzug oder zur Modernisierung der bestehenden Bücherei erarbeiten.

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