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Von der Kita vor die Tür gesetzt

Bad Bramstedt Von der Kita vor die Tür gesetzt

Kim Mohr ist verzweifelt. Seit dem 1. November hat sie für ihre dreijährige Tochter Leyla keinen Kita-Platz in Bad Bramstedt mehr - weil sie ins Nachbardorf umgezogen ist. Jetzt verklagt sie die Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Träger der Kindertagesstätte Rappelkiste auf Schadenersatz.

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Kim Mohr (24) darf ihre Tochter Leyla (3) nicht mehr in die Kita Rappelkiste (im Hintergrund) bringen.

Quelle: Sylvana Lublow

Bad Bramstedt. Kim Mohr wollte nur in Ruhe mit ihrer Tochter umziehen, nach Großenaspe in eine schönere Wohnung und in die Nähe ihrer Mutter. Die kleine Leyla besuchte seit August 2014 die Kita Rappelkiste in der Glückstädter Straße. Als ihre Mutter in diesem Jahr beschloss, nach Großenaspe umzuziehen, erzählte sie davon der Erzieherin ihrer Tochter. Diese habe ihr empfohlen, so schnell wie möglich einen Kostenübernahmeantrag beim Amt Bad Bramstedt-Land zu stellen, weil sie mit geringem Einkommen in die Sozialstaffel fällt. Das tat Kim Mohr auch Anfang September. Mehrmals sei sie auch aufgefordert worden, sich bei der Kita-Leiterin Ute Jokisch im Büro zu melden, erzählt Kim Mohr. „Das habe ich immer wieder versucht, aber Frau Jokisch war nie da.“ Am 15. Oktober zogen Mutter und Kind dann nach Großenaspe. Kurz darauf erhielt sie auch vom Amt Bad Bramstedt-Land die so dringend benötigte Genehmigung der Kostenübernahme für den Kita-Platz in Bad Bramstedt.

 Doch da war es schon zu spät. Noch immer nichts Böses ahnend, erfährt die alleinerziehende Mutter dann am 18. Oktober, als sie gerade ihre Tochter abholen wollte, von der Kita-Leiterin, dass Leylas Platz ab dem 1. November an ein anderes Kind vergeben wurde. „Sie hatte gerüchteweise von unserem Umzug gehört, und weil sie unsere neue Adresse noch nicht hatte, hat sie uns den Platz gekündigt“, sagt Kim Mohr, die davon ausging, dass ihre Tochter so lange in die Bramstedter Kita gehen kann, bis in der Kita Löwenzahn in Großenaspe, ebenfalls in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt, ein Platz für sie frei wird. „Dort stehe ich seit Anfang September auf der Warteliste. Aber man hat mir dort auch gesagt, dass es schwierig wird, einen Platz im laufenden Kita-Jahr zu bekommen“, berichtet die Mutter. „Über die Kündigung war ich entsetzt.“ Kim Mohr holte sich gleich danach Rat bei einem Anwalt, der sich der Sache annahm.

 Weil sie es immer noch nicht ganz glauben konnte und weil ihr Anwalt mittlerweile einen Brief an die Kita geschrieben hatte, brachte Kim Mohr ihre Tochter wie jeden Morgen auch am 1. November in die Tagesstätte. „Dort wurde ich gleich ins Büro der Leiterin zitiert, die mir dann sagte, dass wir hier nichts mehr zu suchen haben. Wir wurden sehr unfreundlich aus der Kita geworfen.“ Ihre Tochter habe geweint, weil sie sich nicht von ihrer Gruppe verabschieden konnte.

 Auch der Anwalt der jungen Mutter hatte darauf vertraut, dass die Kita zum Wohle des Kindes handeln und die Kündigung vorerst zurücknehmen würde. In einem Schreiben des Rechtsanwalts an die Betreuungseinrichtung, das der SZ vorliegt, heißt es, dass in diesem Fall „der begründete Eindruck besteht, dass hier viel mehr ein zwischenmenschliches Problem zwischen der Einrichtungsleitung und der Mutter des betreuten Kindes vorliegt, das auf dem Rücken des Kindes ausgetragen wird.“ Die AWO hingegen begründet die Kündigung damit, dass die Genehmigung der Kostenübernahme der Nachbargemeinde nicht vorlag. „Die liegt uns bis heute nicht vor. Diese Kostenübernahmegenehmigung ist wichtig für uns. Wir können Kinder nur betreuen, wenn die Kosten von der anderen Gemeinde, in der das zu betreuende Kind lebt, übernommen werden“, erklärt Gesa Kitschke, AWO-Bereichsleiterin für Kindertagesstätten Schleswig-Holstein. Es habe laut Kitschke dahingehend mehrfach Gespräche zwischen Frau Mohr und Frau Jokisch gegeben. Das sei, laut Kitschke, auch der Grund für die fristlose Kündigung.

 Doch die Kommunikationsprobleme zwischen der Mutter und der AWO gingen noch weiter. Von ihrem Anwalt erfuhr Kim Mohr, dass in der AWO-Kita in Großenaspe mittlerweile ein Platz frei sei. Als die 24-Jährig in der Kita anrief, war die Leiterin krank und sie bekam keine weitere Auskunft. Auf Nachfrage bei der Bereichsleiterin für Segeberg, Dörte Federmann, erhielt sie die Anweisung, sich bei der Tagesstätten-Leiterin oder deren Stellvertreterin zu melden. „Die stellvertretende Leiterin konnte mir aber auch keine Auskunft geben. Ich bin sogar zur Kita gefahren, um persönlich nachzufragen aber dort hat man mich wieder weggeschickt.“ Die SZ machte die gleichen Erfahrungen: Weder die Leiterin noch die Stellvertreterin waren zu sprechen. Gesa Kitschke bestätigte der SZ gegenüber, dass es tatsächlich einen freien Kita-Platz in Großenaspe gibt. Dass Kim Mohr dafür keine Bestätigung erhielt, könne sie nicht nachvollziehen. „Das muss ich prüfen.“

 Kim Mohr wird diesen Streit jetzt vor Gericht austragen und um Schadenersatz kämpfen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie ohne Kita-Platz keine Chance hat, einen neuen Job anzutreten. „Ich hätte schon Anfang November Probearbeiten können im Designer-Outlet-Center in Neumünster. Ab dem 15. November hätte ich dann in Teilzeit dort arbeiten können“, berichtet die 24-Jährige, die bis September noch beim Bäcker in Wiemersdorf als Vertretung gearbeitet hatte. Jetzt sei sie wieder vom Job-Center abhängig und finanziell auf Hartz IV angewiesen. „Und meiner Tochter fehlt die Kita“, sagt sie: „manchmal wünsche ich mir, dass ich nie umgezogen wäre.“

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