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Wenig übrig vom Kurort

Bad Bramstedt Wenig übrig vom Kurort

Die Stadt bezeichnet sich manchmal selbst als Kurort und ältere Einwohner sprechen noch immer vom Kurhaus, wenn sie das Klinikum Bad Bramstedt meinen. Doch der Realität entspricht das schon lange nicht mehr, wie der Bericht von Klinik-Geschäftsführer Jens Ritter vor dem städtischen Hauptausschuss zeigte.

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Einst kletterten hier Ziegen. Für solche Kurgast-Attraktionen hat das Klinikum schon längst kein Geld mehr.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Werner Weiß, Fraktionsvorsitzender der CDU, brachte es mit einer Frage an Ritter auf den Punkt: „Hat sich Bad Bramstedt vom Kurort zum Krankenhausstandort entwickelt?“

 Offenbar ist es so: Die Parkanlagen machen einen wenig gepflegten Eindruck. Der Klinik fehlt das Geld, das insgesamt 76 Hektar große Gelände zu unterhalten. „Ich stehe vor der Entscheidung, einen Baum zu pflanzen oder in medizinisches Gerät zu investieren“, sagte Ritter. „Ich entscheide mich dann natürlich für die Medizin.“ Die in Schleswig-Holstein ohnehin schon niedrigen Fallpauschalen, die für die Krankenhausbehandlung gewährt werden, lassen dem Klinikum keinen Spielraum. Auf 3,5 bis 4 Millionen Euro schätzt er die Kosten für eine gründliche Neugestaltung der Parkanlagen. „Daran ist gar nicht zu denken.“

 Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach erinnerte daran, dass früher die Klinik für das Kurortflair gesorgt habe, die Stadt sich um nichts kümmern musste. Davon zeugen heute nur noch Reste. Ein heruntergekommener Stall, in dem früher Ziegen für Kurzweil bei den Patienten sorgten, ein leerstehendes Gehege, in dem einst Damwild lebte, und ein Teich, auf den die Klinikgäste durch die großen Fenster vom „Haus am Park“, das längst abgerissen ist, die Wasservögel beobachten konnten. Und das Kurhaustheater wird heute mit Unterstützung der Stadt von einem Verein betrieben, nicht mehr von der Klinik.

 Das Ende dieser Kurortidylle leitete in den 1990er Jahren der damalige Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) ein, der mit seiner Gesundheitsreform das klassische Kurwesen praktisch abschaffte. „Wir reden heute nur noch von Rehabilitation“, sagte Ritter. Die Klinik musste, nachdem sie kurz vor der Pleite stand, unter dem früheren Geschäftsführer Kai Hankeln eine Rosskur über sich ergehen lassen, mit Erfolg. „Wir schreiben schwarze Zahlen“, betonte Ritter. Das Klinikum ist heute modern aufgestellt. Das Universitätsklinikum Eppendorf war 2014 als Gesellschafter in Bad Bramstedt eingestiegen. Sein Gesellschaftsanteil: 16,98 Prozent - die anderen Gesellschafter sind die Deutschen Rentenversicherung Nord mit 70,57 und die Stadt Bad Bramstedt mit 12,45 Prozent. Seitdem expandiert das Bad Bramstedter Klinikum auch in Hamburg. Dort hat es zurzeit 98 Reha-Plätze für ambulante Behandlungen und 90 für stationäre.

 Zusätzliche 1200 Quadratmeter hatte das Klinikum auf dem Eppendorfer Gelände erst vor Kurzem zusätzlich angemietet. Darüber hinaus betreibt das Klinikum auch noch ein „Reha-Centrum“ am Berliner Tor in Hamburg mit zurzeit 100 Plätzen für ambulante Behandlungen.

 „Erwächst dadurch nicht eine Konkurrenz für den Klinikstandort Bad Bramstedt?“, wollten die Kommunalpolitiker wissen. Ritter verneinte: „Im Gegenteil, es hilft der Klinik.“ Durch die Verbindung zu Hamburg kämen gerade viele stationäre Patienten aus der Hansestadt nach Bad Bramstedt. „Unser Reha-Bereich ist voll ausgelastet.“ 400 Reha-Betten gibt es im Klinikum Bad Bramstedt. Hinzu kommen 209 Krankenhausbetten. Das Klinikum hat Abteilungen für Orthopädie, Rheumatologie, Wirbelsäulenchirurgie, Intensivmedizin und Geriatrie.

 Sichtbares Zeichen des stetigen Wandels, in dem sich das Klinikum befindet, ist zurzeit der Abriss von Haus C an der Oskar-Alexander-Straße. Das Gebäude, in dem die Neurologie beheimatet war, entsprach nicht mehr modernen Standards, eine Sanierung hätte sich nicht gelohnt, so Ritter. Dort soll nun eine Grünanlage entstehen. Die Neurologie ist ins Haus B, ein noch recht neues Gebäude, umgezogen.

 Einen „Spa-Bereich“ wird es nicht wieder geben. Ritters Vorgänger Hankeln wollte dem Klinikum mit einer aufwendigen Saunaanlage für zahlende Gäste zusätzliche Einnahmen verschaffen. Doch das gelang nicht. Die schon seit anderthalb Jahren geschlossene Sauna wird nun zurückgebaut, die „FitnissClinic“, ein Fitnessstudio für private Nutzer, soll dorthin umziehen.

 Neu gestaltet wird voraussichtlich noch in diesem Jahr die Eingangshalle. Die kleinen Geschäfte aus der Ladenpassage sollen hier her verlegt werden. Die Ladenpassage selbst wird dann abgerissen.

 Die Neugestaltung der Parkanlagen steht bei Ritter trotz Geldmangels auf der Agenda. Er erhofft sich Unterstützung durch die Stadt Bad Bramstedt. Bürgermeister Kütbach sicherte ihm zu, sich in der Aktivregion Holsteiner Auenland für eine Förderung einzusetzen. Dieser Zusammenschluss von Gemeinden in der Region wird mit EU-Geldern gefüttert. „Vom Land gibt es leider keine Zuschüsse“, sagte Kütbach.

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