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Wer einsam ist, braucht „Rinkieker“

Bad Bramstedt Wer einsam ist, braucht „Rinkieker“

3700 Menschen im Alter von über 60 Jahren wohnen in der 13700-Einwohner-Stadt Bad Bramstedt, das ist ein gutes Viertel. Die „Rinkieker“ kümmern sich um die besonders Einsamen unter ihnen. Doch ihr Angebot wird zu wenig genutzt, meinen die Rinkieker.

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„Sie ist meine beste Freundin“, sagt Ursula Kleine-Lasthues (rechts) über die Rinkiekerin Hannelore Tessmer.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Die Besuche von Hannelore Tessmer sind für die Wiemersdorferin Ursula Kleine-Lasthues Höhepunkte in ihrem Alltag. „Sie ist meine beste Freundin“, sagt die 84-Jährige, die allein in ihrem Haus in Wiemersdorf lebt, seit ihr Mann vor einigen Jahren überraschend starb. Hannelore Tessmer ist eine von acht Bad Bramstedter „Rinkiekern“, die mit ihren Besuchen Abwechslung in den Alltag von Senioren bringen.

 Die Rinkieker haben gerade mal acht Senioren, denen sie ihre Besuche abstatten, und von denen wohnen die meisten nicht in Bad Bramstedt, sondern im Umland. Manfred Scholz (67), einer der Koordinatoren, ist sich sicher, dass unter den älteren Menschen viel Einsamkeit herrscht - und trotzdem melden sie sich nicht. „Wahrscheinlich ist die Hemmschwelle zu groß, einen Fremden in die Wohnung zu lassen.“ Dabei seien die Erfahrungen, die die ehrenamtlich arbeitenden Rinkieker machen, ausnahmslos positiv. Scholz besucht zurzeit regelmäßig einen 77 Jahre alten Mann in Hasenkrug. „Er freut sich irrsinnig, wenn ich komme. Wir spielen Halma und Mensch-ärgere-dich-nicht und reden viel.“

 Die Rinkieker wurden vor dreieinhalb Jahren in Bad Bramstedt nach Kaltenkirchener Vorbild gegründet. In der größeren Nachbarstadt gibt es die Einrichtung schon ein paar Jahre länger, doch auch dort ist die Nachfrage eher gering. Der Besuchsdienst ist eine Einrichtung des Pflegestützpunktes im Kreis Segeberg. Aufgabe ist es, alte Menschen aus ihrer Einsamkeit zu holen. Einmal pro Woche fahren die ehrenamtlich tätigen Männer und Frauen zu den Senioren, um mit ihnen ein oder zwei Stunden zu verbringen. Geld gibt es dafür nicht und auch die besuchten Senioren müssen nichts bezahlen. Die Rinkieker sind alle selbst schon über 60. Irene Hagner beispielsweise ist gelernte Schneiderin. Nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben suchte sich die heute 68-Jährige eine neue Aufgabe. Die fand sie bei den Rinkiekern. Einmal wöchentlich besucht sie nun eine 80-jährige Spanierin, die in Wiemersdorf lebt. Ihre Kinder wohnen über ganz Deutschland verteilt, so dass die Frau meistens alleine ist. „Eine Nachbarin hat mich angerufen, ob ich mich um die Dame kümmern kann.“ Seit dem fährt sie immer montags nachmittags nach Wiemersdorf und klönt mit der 80-Jährigen. Es kommt auch mal vor, dass sie die alte Dame zum Arzt fährt oder ihr Besorgungen abnimmt. Der Zeitaufwand halte sich aber in Grenzen, findet Irene Hagner.

 Auch der Hasenkruger, den Manfred Scholz wöchentlich besucht, hat kaum Kontakte. „Die Freunde sind schon gestorben“, sagt er und vielleicht habe er seine Kontakte auch nicht gepflegt. Der Mann hatte früher ein Viehtransportunternehmen. Vorher hatte Scholz einen früheren Steinmetz in Weddelbrook besucht, der mittlerweile gestorben ist. „Der hatte wahnsinnig viel zu erzählen, weil er auch viel erlebt hat.“ Rinkieker sei eine Aufgabe, von der er auch persönlich sehr viel profitiere, findet Scholz. „Man taucht in andere Leben ein.“ Ohne diese Aufgabe hätte er nie solche Kontakte geknüpft, sagt der pensionierte Zeitungsredakteur.

 Die Rinkieker suchen nicht nur Senioren, sondern auch weitere Mitarbeiter. Geld gibt es für den Job nicht, aber über den Pflegestützpunkt sind die Rinkieker unfallversichert. Der in Norderstedt ansässige Pflegestützpunkt ist eine Einrichtung, die sich um ältere Menschen kümmert und von Krankenkassen, Kreis und Land finanziert wird. Wer Interesse an einer Mitarbeit hat oder gerne Besuch von einem Rinkieker haben möchte, kann sich unter Tel. 04192/8168326 an den Pflegestützpunkt wenden. Das Telefon ist nur während der Sprechzeit des Pflegestützpunktes in Bad Bramstedt, donnerstags von 15 bis 17 Uhr, besetzt. Es kann aber auf den automatischen Anrufbeantworter gesprochen werden, dann wird zurückgerufen.

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