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Wohnhaus für rund 50 Flüchtlinge

Bad Bramstedt Wohnhaus für rund 50 Flüchtlinge

Nach dem sogenannten Kieler Modell werden voraussichtlich noch in diesem Jahr in der Gorch-Fock-Straße neue Flüchtlingswohnungen gebaut. Bauherr des Wohnhauses ist die Wankendorfer Baugenossenschaft.

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Die Wohnblocks gehören bereits der Baugenossenschaft. Auf die freie Fläche soll das neue Haus gesetzt werden.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Die Stadt mietet das Gebäude, das später zu Seniorenwohnungen umgebaut werden kann. Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach und Bauamtsleiter Udo Reinbacher stellten das Projekt am Montagabend dem Bauausschuss vor, der dazu seine Zustimmung gab. 56 Flüchtlinge können in dem Haus aufgenommen werden. Kütbach: „Wir mieten es für fünf Jahre und haben die Option, danach den Vertrag für fünf weitere Jahre zu verlängern.“ Sollte es nicht mehr für Flüchtlinge benötigt werden, kann die Wankendorfer das Haus mit geringem Aufwand zu Seniorenwohnungen umbauen. Die Baugenossenschaft nennt das „Kieler Modell“. Entwickelt wurde das Konzept von der „Arbeitsgemeinschaft zeitgemäßes Bauen“ im Auftrag des schleswig-holsteinischen Innenministeriums. In Bad Segeberg, Preetz und Lütjenburg will die Wankendorfer gleiche Häuser bauen.

 Allgemein begrüßt wurde im Bauausschuss, dass die Stadt nicht selbst als Bauherr auftritt und damit ihren Schuldenberg vergrößert. Die Miete für die Wohnungen ist nur ein durchlaufender Posten, denn die Stadt bekommt sie vom Kreis Segeberg erstattet. Aber was ist, wenn die Schließung der Balkan-Route den Zuzug von Flüchtlingen drastisch reduziert? „Brauchen wir ein solches Gebäude überhaupt noch?“, fragten Kommunalpolitiker. „Wir werden die Wohnungen auf jeden Fall noch eine ganze Zeit benötigen“, antwortete Kütbach. Die Stadt habe zurzeit 80 Wohnungen im Stadtgebiet gemietet, zum Teil zu hohen Kursen. An die 10 Euro je Quadratmeter bezahlt sie in einigen Fällen und treibt damit das Mietniveau in Bad Bramstedt in die Höhe. „Wenn keine neuen Flüchtlinge hinzukommen, könnten wir die teuren Wohnungen kündigen“, erklärte der Bürgermeister. Die Wankendorfer will für ihre Wohnungen nur eine Quadratmetermiete von 5,65 Euro haben.

 2,1 Millionen Euro will die Baugenossenschaft investieren. Der spätere Umbau zu Seniorenwohnungen kostet noch einmal 265000 Euro. Die Gorch-Fock-Straße ist eine kleine Sackgasse zwischen Thomas-Mann-Straße und Schillerstraße, ein Quartier, das nach dem zweiten Weltkrieg von Flüchtlingen besiedelt wurde. Auf einer Freifläche zwischen zwei bestehenden Wohnblocks soll ein zweiteiliges Mehrfamilienhaus entstehen, dessen Flügel durch einen Mittelbau verbunden werden, in dem Küchen, Bäder und Gemeinschaftsräume untergebracht sind. Die Ausstattung wird schlicht: keine Fahrstühle, keine Balkone. Beides kann später aber nachgerüstet werden. Die Flüchtlinge werden in Zimmern untergebracht, die später zu 15 altengerechten Wohnungen zusammengefasst werden.

 Wie der Vorstandsvorsitzende der Wankendorfer Baugenossenschaft Helmut Knüpp mitteilte, sollen die beiden vorhandenen Wohnblocks später abgerissen werden. An ihrer Stelle sollen Mietreihenhäuser entstehen. „Sie erfreuen sich gerade bei jungen Familien großer Beliebtheit“, meint Knüpp.

 Die Stadt Bad Bramstedt hat am Düsternhoop im Norden der Stadt für Flüchtlingswohnungen ein weiteres Grundstück vorgesehen, das bisher der Bundespolizei gehörte. Dort soll, wenn der Bedarf anhält, noch einmal solch ein Gebäude errichtet werden.

 Die Baugenossenschaft wollte jedoch zunächst in die Gorch-Fock-Straße, weil sie dort selbst Grundstückseigentümer ist – aber auch, um ein Flüchtlingsghetto zu vermeiden. In der Gorch-Fock-Straße passe sich das Gebäude in ein Wohngebiet ein, was der Integration förderlich sei, erklärte Knüpp.

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