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Zentrum des Baufachhandels

Bad Bramstedt Zentrum des Baufachhandels

Die oft veralteten Methoden, mit denen Handwerker und Bauherren ihre Materialien bestellen, waren der Grund, warum Kaufmann Stefan Freis nicht nur ein EDV-gestütztes Angebotsmanagement entwickelt, sondern mit Bauxpert in Bad Bramstedt ein Zentrale für den Baufachhandel aufzieht.

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Im September wurde die Bauxpert-Zentrale am Hunenkamp eingeweiht. Mehr als 30 Arbeitsplätze sollen hier entstehen.

Quelle: Andreas.Birresborn@me.com

Bad Bramstedt. Verkauf im Baufachhandel, das funktioniert oft folgendermaßen: Der Handwerker schreibt abends auf einen Zettel, was er auf seiner nächsten Baustelle braucht: so viele Paletten hiervon, so viele Gebinde davon. Den Zettel faxt er an einen oder mehrere Baufachhändler, dort schreibt der Verkäufer die Preise hinter die Posten und faxt den Zettel als Angebot zurück. Dann ruft der Handwerker an und bestellt – oder eben nicht.

 Für einen studierten Kaufmann wie Stefan Freis ein vorsintflutlicher Zustand: Niemand fasst nach, es wird noch nicht einmal registriert, ob aus dem Angebot ein Auftrag wurde. Freis’ Lösung heißt Angebotsmanagement: Anfrage des Handwerkers und Angebot des Händlers werden per EDV erfasst und zentral hinterlegt, nach einigen Tagen ruft ein Verkäufer aus der Zentrale im Namen des Baufachhändlers beim Handwerker an und fragt nach. Den Erfolg belegt Freis mit Zahlen: Anfangs erzielte das Nachfragen in 5 Prozent der Fälle Erfolg, inzwischen ist diese Quote auf 36 Prozent gestiegen – das heißt, der Handel kam zustande.

 Dieses Angebotsmanagement passiert von Bad Bramstedt aus für Baufachhändler in ganz Norddeutschland. „Bauxpert“ heißt die Zentrale für die mittelständisch organisierte Branche, die im Gewerbegebiet Nord in der Straße Hunenkamp im September einen Neubau eröffnete. Im Unterschied zu Baumärkten leben Baufachhändler vor allem von Handwerkern und Bauherren. Sie bieten alles an, was für ein Einfamilienhauses nötig ist und liefern die Materialien direkt auf die Baustelle.

 2007 beschlossen norddeutsche Baufachhändler, sich für die Zukunft im rauer werdenden Markt zu rüsten. Sie engagierten Stefan Freis, der seitdem die gemeinsame Marke Bauxpert aufbaut und deren Dienstleistungen entwickelt. Heute sind in der Bramstedter Zentrale 15 Mitarbeiter beschäftigt. Drei Stellen sind aktuell ausgeschrieben, weitere 15 bis 20 in den kommenden Monaten eingeplant. Bauxpert ist heute die Zentrale für 24 Gesellschafter, die selbstständig Baufachmärkte an 35 Standorten in Norddeutschland führen und dabei zusammen rund 320 Millionen Euro umsetzen.

 Gemeinsamer Einkauf, einheitliches Marketing unter der Dachmarke Bauxpert und Personalentwicklung lauten die ursprünglichen Aufgaben der Zentrale. Gerade haben 35 neue Auszubildende aus den angeschlossenen Märkten in der hauseigenen Akademie ihren ersten Kursus absolviert. „Die sollen gerne mal alle zusammen vom Barhocker fallen“, findet Stefan Freis, damit werde der Zusammenhalt zwischen den einzelnen Märkten gestärkt.

 Freis beschreibt seine Zentrale als interne Unternehmensberatung. Vertriebs- und Personalführungsschulungen gehören ebenso ins Angebot wie Konfliktmanagement und Mediation.

 Außerdem haben die 35 Märkte ihre gesamte EDV in Bad Bramstedt zentralisiert. Im dortigen Rechenzentrum werden alle Daten der Unternehmen gespeichert und bearbeitet. Dafür hat Bauxpert eine eigene Glasfaserleitung über 4,5 Kilometer ins Gewerbegebiet legen lassen.

 Neue Dienstleistungen sind bereits in Vorbereitung: Demnächst wird die Zentrale den Märkten anbieten, die Buchhaltung zu übernehmen. Eine zentrale Lagerbewirtschaftung ist ebenfalls in Vorbereitung.

 Das große Thema für Stefan Freis heißt Service. Der fängt damit an, dass die Zentrale sicherstellt, dass ständig jemand telefonisch erreichbar ist und ein vereinbarter Rückruf auch pünktlich stattfindet – was sich im Ladengeschäft mit Kunden vor dem Tresen schwierig bewerkstelligen lässt. Fast alle 116 Bauxpert-Lastwagen sind mit GPS ausgerüstet: Wenn der Wagen im Stau steckt, kann die Zentrale den Kunden informieren, dass die Lieferung sich um eine halbe Stunde verspätet.

 Bauxpert hat die Genehmigung, den zweistöckigen Neubau in Bad Bramstedt um ein Staffelgeschoss mit zusätzlichen 400 Quadratmetern zu erweitern. Die Marke soll expandieren, eine Bauxpert Holding GmbH ist dafür bereits gegründet. In Planung sind Niederlassungen – Baufachmärkte, die nicht vom Inhaber geführt werden, sondern aus der Zentrale – und Franchise, dabei übernehmen selbstständige Kaufleute Marke und Konzept gegen eine Gebühr. Parallel dazu bietet Freis Dienstleistungen seines hochspezialisierten Rechenzentrums an für Kunden außerhalb der Bauxpert-Gruppe.

 Freis will die Baufachhändler und seine Zentrale darauf vorbereiten, dass der Markt auf mittlere Sicht schrumpfen wird. „Wenn die Zinsen steigen“, werde das gewohnte Geschäft mit Standardwaren abnehmen. „Renovierung und Sanierung werden wichtiger werden“, sagt der Manager. Der Schwerpunkt werde sich vom technischen Aspekt zum ästhetischen entwickeln: Mode, Geschmack und Design gewinnen an Bedeutung für das Verkaufen von Dachziegeln, Verblendsteinen, Fenstern und Türen. Die Ausstellungskonzepte werden schon unter diesem Gesichtspunkt überarbeitet.

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