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Arved Fuchs sticht in See

Bad Bramstedt Arved Fuchs sticht in See

„Früher war es das Abenteuer, was mich primär interessiert hat.“ Arved Fuchs misst auch heute noch dem Abenteuer gestalterische Kraft zu, aber mit 62 Jahren sieht der Bad Bramstedter sich selbst inzwischen „als Zeitzeuge in der Pflicht“: Mit seinem Segelschiff „Dagmar Aaen“ fährt er ans Kap Hoorn und in die Antarktis.

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Arved Fuchs startete gestern im Hamburger Hafen zur Expedition „Ocean Change“ mit der Dagmar Aaen.

Quelle: Jann Roolfs

Bad Bramstedt / Hamburg. Er habe das große Glück, einmalige Naturlandschaften unberührt kennen gelernt zu haben, sagt Fuchs. Aber heute sind selbst die arktischen Regionen von menschlichen Einflüssen beeinträchtigt. Das will Fuchs dokumentieren: „Ich kann nicht die unangenehmen Dinge aussparen“, findet er. Mit diesem Antrieb ist er am Mittwoch in Hamburg zu seiner nächsten Expedition aufgebrochen.

 Fuchs’ Name steht dafür, dass sein Anliegen wahrgenommen wird: Viele Pressevertreter informierten sich beim Aufbruch über das aktuelle Projekt, an Bord werden Dokumentationen für ZDFinfo und National Geographic Deutschland entstehen. Das ist ganz in Fuchs’ Sinn: „Umweltprobleme löst man nur, indem man Menschen sensibilisiert“, sagt er.

 Auf seiner Reise will er verschiedene dieser Probleme bekannt machen. Eins davon ist der Plastikmüll, der in den Ozeanen schwimmt, ein anderes die Versauerung des Meerwasser durch CO2-Einträge. Die Meere seien das größte Naturgebiet der Welt und gleichzeitig die größte Müllkippe. Fuchs will mit einem „Brückenschlag zu den Menschen an Land“ auf diese Themen aufmerksam machen. Außerdem will er sich um die Auswirkungen der industriellen Fischerei auf die Küstenfischerei beschäftigen, die oft aus kleinen Familienbetrieben besteht.

 An der Südspitze Südamerikas angekommen, werden für Fuchs drei weitere Themen im Vordergrund stehen. Für eines ist der Mitreisende Klemens Pütz zuständig: Er forscht seit mehr als 25 Jahren über Felsenpinguine und will das Rätsel lösen, warum die Populationen dieser Tiere stellenweise um bis zu 80 Prozent einbrechen. „Das Problem scheint in den Überwinterungsgebieten zu liegen“, vermutet der Pinguin-Forscher: Jahr für Jahr kämen weniger Tiere aus der Überwinterung. Aber die Wissenschaftler wissen nicht, wo die Tiere überwintern und wie sie dabei leben: Ziehen sie umher oder haben sie feste Quartiere? Das will Pütz mit kleinen Satelliten-Sendern herausfinden, die er an einigen Tieren befestigen will.

 Die Falklands und argentinische Inseln hat Pütz in dieser Mission bereits bereist, aber auf der chilenischen Seite, im Pazifik, ist er bisher gescheitert. Mit Fuchs soll es nun klappen, die schwer zugänglichen Inseln zu erreichen. Der Bad Bramstedter hat sich schon schlau gemacht und „klippengespickte Schärengürtel“ auf den Karten gefunden: „Als ich mich zum ersten Mal damit beschäftigt habe, ist es mir kalt den Rücken runter gelaufen“. Aber Fuchs ist halt doch Abenteurer: „Darauf freuen wir uns.“

 Im Januar 2016, wenn die Dagmar Aaen bei Kap Hoorn unterwegs ist, jährt sich die erste Umrundung dieses Kaps zum 400. Mal. Tausende Seeleute fanden dort seither den Tod. Zum Jubiläum wird an Bord von Fuchs’ Schiff eine Dokumentation für ZDFinfo gedreht. Fuchs hat das Kap Hoorn bereits mehrfach besucht, 1984 umrundete er es sogar im Paddelboot.

 Eine weitere Filmdokumentation wird sich mit einem geistigen Verwandten von Arved Fuchs beschäftigen: Gunther Plüschow fuhr im November 1927 mit dem Feuerschiff „Feuerland“ von Büsum nach Punta Arenas in Chile. Er überflog Kap Hoorn in einem Wasserflugzeug und erkundete die Region. 1931 starb er dort bei einem Absturz, sein Schiff liegt heute heruntergekommen in Harburg. In Deutschland ist Plüschow weitgehend vergessen, während er in Südamerika noch heute bekannt ist, berichtet Fuchs.

 „Bis Ende März 2016 sind wir voll beschäftigt“, erklärt der Bad Bramstedter in Hamburg vor seiner Abfahrt. Was danach kommt, steht noch nicht fest, die Dagmar Aaen wird allerdings in Südamerika bleiben. Je nachdem, welche Projekte sich noch ergeben, werde das Schiff „eher 2017“ zurückkommen, spekuliert Arved Fuchs. Zwei Jahre hat er auf seine 34. Expedition hingearbeitet, das Schiff wurde zur Vorbereitung grundüberholt.

 Die Brücke im Hamburger Hafen war voller Angehöriger und Pressevertreter, der Dieselmotor tuckerte, Fuchs signierte über die Reling noch Bücher, die Crew löste für die Fernsehkameras ein paar Leinen, die Anspannung wuchs. Fuchs stand beim Ablegen selbst am Ruder, er wird zunächst bis Vigo in Spanien mitfahren. In Feuerland und der Antarktis wird er vier Monate lang an Bord sein. 9000 Seemeilen liegen allein bis Kap Hoorn vor dem Schiff und seiner Crew.

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