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Seit 45 Jahren Hilfe für Peru

Bad Bramstedt Seit 45 Jahren Hilfe für Peru

Am Donnerstag fliegt der Bad Bramstedter Werner Weiß erneut nach Peru. Seit 45 Jahren füllt er die Peruhilfe des DRK-Kreisverbandes Segeberg mit Leben. Weiß wird seine kleinen Schützlinge aufsuchen, denen er mit der Organisation von Kiefer- und Gaumenoperationen geholfen hat.

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Peruhelfer Werner Weiß mit dem Patenkind der Lebenshilfe Bad Bramstedt, Edwin. Der 25-Jährige mit Down-Syndrom hatte als Kind einen Terroranschlag überlebt.

Quelle: DRK-Peruhilfe

Bad Bramstedt. Einer davon ist der inzwischen sieben Jahre alte Noe. Er kam im peruanischen Urwald mit einer schweren Gaumenspalte und offenem Rachen zur Welt. Der kleine Junge wurde schon mehrfach operiert. „Wenn er isst, kommt das Essen durch die Nase wieder raus“, sagt Werner Weiß. Deshalb soll er erneut operiert werden. Wo der Junge wohnt, ist das nicht möglich. „Kein Arzt kommt in die Gegend“, weiß der Bad Bramstedter. Nun soll der Junge wieder in den OP. „Es ist jedes Mal eine Herausforderung, ihn überhaupt im Urwald zu finden“, erzählt Werner Weiß. Operiert werden kann Noe nur in der Hauptstadt Lima. Das Kind wohnt 360 Kilometer entfernt, ein Pass von 4800 Metern Höhe muss überwunden werden. Weiß hofft, dass es ihm gelingt, Noe mit seiner Mutter ins Krankenhaus zu bringen. Für die Kosten kommt die DRK-Peruhilfe auf.

 Das erste Mal war der Bad Bramstedter als junger Mann 1970 in Peru. Ein Erdbeben hatte im Zentrum des Andenstaates rund um die Stadt Huaraz gewütet, 70000 Tote gab es zu beklagen. Das Deutsche Rote Kreuz leistete Katastrophenhilfe und Werner Weiß war dabei. 45 Jahre ist das her - und von den Verbindungen, die er damals knüpfte, sind bis heute viele nicht abgerissen. Die DRK-Peruhilfe im Kreisverband Segeberg blieb ebenfalls bestehen, wenngleich sie eigentlich viele Jahre nur noch aus Werner Weiß bestand. Etliche Hilfslieferungen verschickte er seitdem nach Südamerika. Die Lebenshilfe Bad Bramstedt, der Weiß ebenfalls vorsitzt, hat durch seine Vermittlung sogar ein Patenkind in Peru. Der heute 25-jährige Edwin hat das Down-Syndrom. Er war als kleines Kind der einzige Überlebende eines Anschlags der linksgerichteten Terrororganisation Leuchtender Pfad. Mittlerweile lebt der junge Mann in einem Wohnheim für Behinderte im Norden des Landes.

 Seit 1995 bilden Operationen an Gaumen- und Kieferspalten einen Schwerpunkt der Peruhilfe. Weiß konnte dafür deutsche Ärzte gewinnen, die in ihrem Urlaub kostenlos in dem südamerikanischen Land operieren. Im Mai nächsten Jahr steht wieder eine solche Reise an, die Weiß bei seinem Aufenthalt in Peru vorbereiten will.

 Etliche Zahnärzteteams, darunter viele junge Ärzte, die nach dem Studium ihr vorgeschriebenes Praktikum in Peru ableisteten, hat Weiß schon nach Südamerika vermittelt. In den entlegensten Gebieten behandelten sie Menschen. Werner Weiß’ Job ist es, die Logistik sicherzustellen und für den Transport der Patienten zu den Krankenhäusern zu sorgen. Eine große Hilfe ist ihm dabei seit einigen Jahren Hartmut Götze (61) aus Weddelbrook, der ihn nun auch wieder begleiten wird. Dennoch hat Weiß die Zahnärztereisen eingestellt. „Das hat einfach zu viel Arbeitszeit gebunden. Mit den Vorbereitungen einer Reise war ich fünf Wochenenden beschäftigt.“ Mit 66 Jahren wolle er das nicht mehr. Mit dem Alter wachse das Risiko, krankheitsbedingt auszufallen. Die Verantwortung, die mit diesen Reisen auf ihm laste, sei einfach zu groß.

 Die Hilfe für manche Patienten geht in einigen Fällen über Jahre. Yorlan ist ein Junge, den Weiß schon 2006 unter seine Fittiche genommen hat. Er wurde ohne Arme und Beine geboren, lebte in ärmsten Verhältnissen auf dem Land. An einen Schulbesuch war nicht zu denken. Weiß sorgte mit seiner spendenfinanzierten Peruhilfe dafür, dass die Familie ein Wohnhaus in Caraz in der Nähe einer Schule bekam. Und einen Laptop als Schreibgerät hat er ihm auch gekauft. „Den bedient er mit den Armstümpfen genauso schnell wie andere mit den Händen.“ Yorlan sei ein aufgeweckter und fleißiger Schüler, sagt Weiß über den 15-Jährigen. Auch diesmal wird er ihn wieder besuchen. „Der Junge soll Prothesen bekommen und wir wollen mit ihm über seine Zukunft sprechen.“ Und ein kleines Taschengeld bringt er auch mit. Das haben Yorlans Paten ihm gegeben, ein Bad Bramstedter Ehepaar.

 45 Jahre ehrenamtliche Peruhilfe sind ein Anlass, viele Helfer aus vergangenen Tagen wieder zu treffen. In Lima wird Weiß das Peruanische Rote Kreuz besuchen und in der deutschen Botschaft wartet „ein Arbeitstreffen“ auf ihn, wie er sagt. Und dann will er eine Gruppe von Frauen wiedersehen, die auch alle schon im fortgeschrittenen Alter sind. Mit ihnen hatte Weiß 1970 als 21-Jähriger 520 weiße Iglus aus Styropor in dem Erdbebengebiet aufgestellt, als Behelfsunterkünfte für Obdachlose. Zu einigen von ihnen hat er bis heute Kontakt.

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