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Günstiger Wohnraum wird knapp

Bad Bramstedt Günstiger Wohnraum wird knapp

Auch in Bad Bramstedt wirkt sich mittlerweile der Rückgang der Flüchtlingszahlen aus. „Zu uns kommen zurzeit kaum noch Neuzugänge“, erklärte Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach. Ein Problem gibt es dennoch in der Stadt: Die Mieten steigen, was vor allem einkommensschwache Familien trifft.

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Weitgehend belegt sind die Flüchtlingswohungen auf dem Gelände der alten Straßenmeisterei, die der Bad Bramstedter Bauaunternehmer Andreas Glesmann errichtet und an die Stadt vermietet hat.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Anders als der Landrat des Kreises Rendsburg-Eckernförde, Rolf-Oliver Schwemer, übt Kütbach keine Kritik an der Landesregierung. Das Abklingen des Flüchtlingsstromes sei vielmehr eine willkommene Verschnaufpause, sagt er.

 Landrat Schwemer hatte sich öffentlich darüber beklagt, dass die Kommunen angesichts der erwarteten Flüchtlinge Wohnraum gemietet oder geschaffen haben, der nun gar nicht genutzt wird. Die Kosten blieben beim Kreis und den Gemeinden hängen. In Bad Bramstedt gibt es dieses Problem nicht. Die von der Stadt gemieteten Flüchtlingswohnungen des Bauunternehmers Andreas Glesmann in der Kieler Straße sind laut Kütbach weitgehend belegt. Auch bei den auf dem freien Markt gemieteten Wohnungen habe die Stadt nur wenig Leerstand. Der ließe sich nicht ganz vermeiden. Die Kritik des Rendsburger Landrates ist für ihn auch nicht nachvollziehbar. Schließlich sei es für alle schwierig, die Flüchtlingszahlen zu kalkulieren.

 Hilfreich sei für die Gemeinden aber eine längere Verweildauer der Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen, beispielsweise in Boostedt, sagte Kütbach: „Wir können uns dadurch besser auf ankommende Flüchtlinge einstellen.“

 Neben der Wohnanlage in der Kieler Straße konnte die Stadt bisher immer ausreichend Wohnungen auf dem freien Markt mieten. „Wir sind offenbar ein beliebter Mieter“, hat der Bürgermeister festgestellt. Grund ist zum einen, dass die Stadt grundsätzlich bei Beendigung des Mietverhältnisses alles wieder tadellos instand setzt, zum anderen, dass sie mitunter höhere Mieten zahlt. „Wir belegen die Wohnungen stärker als sonst üblich“, erklärte Kütbach. In ein Einfamilienhaus würden dann schon mal acht Leute einquartiert. „Bei den Vermietern hat sich herumgesprochen, dass wir eine Pro-Kopf-Entschädigung vom Kreis bekommen. Davon wollen die natürlich auch profitieren.“ Folge: Je mehr Flüchtlinge in einer Wohnung untergebracht werden, desto höher sind die Mietforderungen.

 Wohnraum wird dadurch in Bad Bramstedt immer teurer. Die Stadt bezahlt für einfache Wohnungen häufig über 10 Euro pro Quadratmeter. Das ist schon fast Hamburger Niveau. Dort beträgt die Durchschnittsmiete zurzeit für eine 60-Quadratmeter-Wohnung 11,67 Euro pro Quadratmeter.

 Menschen mit kleinem Einkommen haben es dadurch in Bad Bramstedt immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. „Wie sind uns dessen bewusst“, sagte Kütbach. Die Stadt hatte seit den 1990-er Jahren keinen sozial geförderten Wohnraum mehr geschaffen, was sich nun rächt. Mittlerweile gibt es aber Pläne, im Neubaugebiet südlich der Bimöhler Straße mit einer Baugenossenschaft geförderte Wohnungen zu errichten, die dann günstig vermietet werden.

 Außerdem sollen noch in diesem Jahr, wahrscheinlich auch durch eine Baugenossenschaft, Wohnhäuser für Flüchtlinge auf dem ehemaligen Gelände der Bundespolizei am Düsternhoop errichtet werden. Das Gelände hat die Stadt erworben, in zwei Wochen wird der Bauausschuss über den Baustart entscheiden.

 Zurzeit beziehen in Bad Bramstedt 230 Flüchtlinge Unterhalt nach dem Aylbewerberleistungsgesetz. Hinzu kommen noch rund 60 anerkannte Asylanten. Kütbach sagt, die meisten Flüchtlinge verließen die Stadt, wenn sie anerkannt sind. „Sie ziehen dann in Großstädte, weil sie dort bessere Arbeitsmöglichkeiten haben.“ Das ist auch ein Grund für die Bundesregierung, die sogenannte Residenzpflicht wieder einzuführen, die besagt, dass Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge an einem zugewiesenen Ort wohnen müssen.

 Die Folge für Bad Bramstedt ist, dass dann deutlich mehr von ihnen in der Stadt bleiben. Kütbach: „Wären die anerkannten Flüchtlinge nicht weggezogen, hätten wir jetzt schon über 500 in der Stadt.“ Dennoch erklärte sich Kütbach solidarisch mit den großen Städten. Der Städteverband Schleswig-Holstein, dem Bad Bramstedt angehört, hatte sich für die Residenzpflicht ausgesprochen. „Das trage ich mit“, sagte der Bürgermeister. Insgesamt mahnte er, das Flüchtlingsproblem in Bad Bramstedt nicht überzubewerten. „230 Asylbewerber bei 14000 Einwohnern, das sind objektiv nicht viel“ – nämlich 1,6 Prozent Anteil an der Bevölkerung.

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