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190 Jahre Rathaus

Bad Segeberg 190 Jahre Rathaus

190 Jahre ist das nun her: Am 12. Juli 1826 war die Grundsteinlegung für das heutige alte Rathaus. Der symbolische Akt wurde damals ausgelassen gefeiert. Segeberg hatte seinerzeit knapp 2000 Einwohner.

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An das 1828 eingeweihte Rathaus wurde ein moderner Erweiterungsbau für seinerzeit 15,5 Millionen D-Mark angesetzt und am 30. Juni 1997 eingeweiht. Über die Optik des neuen Rathauses hatte es seinerzeit heftige Auseinandersetzungen gegeben.

Quelle: Peter Zastrow

Bad Segeberg. Es muss wohl sehr laut und fröhlich zugegangen sein bei der Grundsteinlegung. „Der Frohsinn aller Anwesenden wurde durch Musik und Kanonendonner und durch manchen wohlgewählten ausgebrachten Toast bis zum Gipfel der Fröhlichkeit gesteigert, ohne sich auch nur im Geringsten in das Gebiet der lärmenden Lustbarkeit zu verlieren“, berichtete das wenige Wochen zuvor gegründete „Königlich privilegirte Wochenblatt für Segeberg und deren Umgegend“, Vorgänger der heutigen Segeberger Zeitung.

 Der alte, zwischen 1545 und 1551 errichtete mittelalterlicher Fachwerkbau war im Laufe der Jahrhunderte trotz einiger Renovierungen und Umbauten so marode, dass er sich 1823 wieder einmal in einem unbewohnbaren und irreparablen Zustand befand. Ein großzügiger Neubau musste es auf jeden Fall sein. Schließlich war Segeberg seit 1820 durch die Zusammenlegung mit dem Flecken Gieschenhagen nicht nur flächenmäßig größer geworden: Auch seine Einwohnerzahl war von 836 durch die 1087 in Gieschenhagen lebenden Bewohner auf 1923 angestiegen.

 Bereits 1813 war der dänischen Regierung in Kopenhagen bekannt, dass „Segeberg beinahe unvermögend sei, als städtische Kommune ferner zu bestehen“. Um nicht von staatlicher Seite helfend eingreifen zu müssen, verfügte der Landesherr, der dänische König Friedrich VI., mit seiner Urkunde vom 7. März 1820, die Fleckengemeinde Gieschenhagen einzugemeinden. Durch die Zusammenlegung kam die Stadt endlich aus der Finanz- und Wirtschaftskrise, denn nun flossen auch die Steuerabgaben der Gieschenhagener Gewerbebetriebe in den städtischen Haushalt.

 Um die rechtliche Eingliederung in die Stadt Segeberg abzuwickeln, setzte der dänische König am 27. November 1820 den studierten Juristen Johann Phillip Ernst Esmarch (1794-1875), den späteren Schwiegervater Theodor Storms, als Bürgermeister in Segeberg ein. Ihm verdankt die Stadt einen stürmischen Aufschwung. So wurden während seiner Amtszeit ein neues Schulhaus, das Lehrerseminar, ein Gefängnis und das neue Rathaus gebaut. Er setzte sich zudem dafür ein, dass der Vorgänger der Sparkasse gegründet wurde.

 Kurz nach seinem Amtsantritt schlug Bürgermeister Esmarch vor, das in die Jahre gekommene marode Rathaus durch einen modernen, repräsentativen Neubau zu ersetzen. Am 20. Oktober 1824 legte der Segeberger Maurermeister Johann Detlev Rosenberg einen Entwurf vor. Die Baukosten hatte er mit 7648 Reichsbanktalern kalkuliert. Da die Segeberger diese Kosten nicht aufbringen konnten, versuchte Esmarch von der „Königlich Schleswig-Holsteinisch-Lauenburgischen Kanzlei“ in Kopenhagen Zuschüsse zu erhalten. So ging nicht nur ein reger Schriftverkehr hin und her, sondern auch die Baupläne waren wiederholt in Kopenhagen und wurden mehrfach überarbeitet.

 Endlich zeichnete sich die Lösung der Neubaufinanzierung ab. Die königliche Rentkammer, so hieß früher das Finanzministerium, erlaubte der Stadt, den Betrag der Einquartierungskasse in Höhe von 8259 Reichsbanktalern für den Neubau zu verwenden. Dieses Darlehen musste die Stadt mit einer jährlichen Rate von 400 Reichsbanktalern zurückzahlen. Nachdem die Finanzierung stand, beauftragten die Stadtväter drei Segeberger Bürger – Zimmermeister Heinrich Norden, Maurermeister Johann Detlev Rosenberg und einen namentlich nicht genannten Gastwirt –, den Abbruch des alten Gebäudes vorzunehmen und an gleicher Stelle den Neubau zu errichten. Um weiteres Geld zu bekommen, wurde am 19. April 1826 im Haus des Segeberger Gastwirts Harm das beim Abbruch angefallene Material versteigert.

 Zwar war der Altbau noch nicht ganz abgerissen; doch am Sonntag, 11. Juli 1826, fand die feierliche Grundsteinlegung schon mal statt. Um 12 Uhr versammelten sich der Magistrat, Beamten und eine beträchtliche Anzahl Bürger zunächst im Haus des Senators Schröder. Die Baugrube war geschmackvoll mit grünen Zweigen und Blumen geschmückt, wodurch die noch nicht abgebrochenen Teile des alten Rathauses verdeckt wurden. Weil der 32-jährige Bürgermeister Esmarch nicht an der Feierlichkeit teilnehmen konnte, da ihm ein „Übelbefinden zugestoßen“ war, verlas Senator Lubeseder das einzumauernde Dokument. Auf diesem waren nicht nur die Namen der Segeberger Beamten und Deputierten verzeichnet, sondern auch die Kornpreise und der Hinweis, dass ein neues Schulhaus bei der Kirche gebaut worden war. Anschließend legte der Amtmann, Kammerherr und Ritter Carl Wilhelm Ludwig von Rosen. dieses Schriftstück in eine Bleikapsel, die er dann in den Grundstein einmauerte. „Nachdem eine kurze Pause durch Music ausgefüllt ward, trat der Herr Probst Nissen mit einer gern gehörten und der Feyer angemessenen Rede auf“, wie die Zeitung berichtet. Danach begab sich die Gesellschaft zum Gastwirt Harm, um dort ein Mittagessen einzunehmen. Dabei wurde mehrfach kräftig auf das neue Rathaus angestoßen und Kanonenböller wurden abgeschossen.

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