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Echte Karl-May-Fans

Bad Segeberg Echte Karl-May-Fans

Mit Gleichgesinnten reden, verehrte Schauspieler treffen, Plakate, Postkarten und Erstausgaben ergattern und den „Schatz im Silbersee“ am Kalkberg erleben – die 150 Gäste des großen Karl-May-Festes tauchten drei Tage lang in die Welt von Winnetou, Old Shatterhand und Nscho-tschi ein.

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Nscho-tschi-Darstellerin Marie Versini (Foto links) signierte ihren neuen Bildband.

Quelle: Patricia König

Bad Segeberg. Die Karl-May-Filme aus den 1960er Jahren und alles, was damit zu tun hat, trieb die eingefleischten Fans aus ganz Deutschland nach Bad Segeberg ins Vitalia Seehotel. Zudem feierte die Fan-Familie das 25-jährige Jubiläum ihres Festes, das von Anfang an Michael Petzel, Frank und Heike Zimmermann, Ekki Sieker und Thomas Winkler organisieren. Doch auch viele Karl-May-Enthusiasten bleiben der Veranstaltung seit langem treu.

 „Ich bin seit 1999 immer regelmäßig dabei“, erzählt Birgit Scholz aus Ramsdorf im Kreis Borken. Die 53-Jährige hat als Kind die ersten Filme mit Pierre Brice, Marie Versini, Lex Barker und Götz George gesehen und war sofort ergriffen – von den Darstellern, der Geschichte und deren Botschaft. „Dort wurde eine heile, wunderschöne Welt dargestellt, die in Gefahr gerät, in der aber das Gute zum Schluss immer siegt.“

 Diesen Traum möchte sich die zweifache Mutter bewahren – und die Erinnerung an Filme und Schauspieler auch. Mittlerweile füllen die Aushangbilder, die ihren Platz in den Kinovitrinen hatten, zusammen mit Plakaten, Büchern, Postkarten, Fotos und Zeitungsartikeln eine ganze Schrankwand in ihrer Wohnung. „Ich habe alles katalogisiert und abfotografiert und weiß so ganz genau, was ich noch nicht habe.“

 Für jedes Karl-May-Fest setzt sich Birgit Scholz allerdings ein finanzielles Limit, denn die Sammlerbörse lockt ebenso mit Raritäten und Besonderheiten wie die große Karl-May-Auktion. „100 Euro habe ich schon bei der Börse gelassen.“ Neben dem neuen Bildband „Geliebte Nscho-tschi“ , den die Schauspielerin Marie Versini persönlich auf dem Jubiläumsfest vorstellte und signierte, fand Birgit Scholz noch lang gesuchte Bilder, einen Bravo-Zeitungsartikel und Postkarten.

 Auch der Besuch der Karl-May-Spiele im Freilichttheater am Kalkberg stand an. Und natürlich trafen die Karl-May-Fans Gleichgesinnte in Bad Segeberg wieder. Dazu gehörten Heidrun Ihle aus Bielefeld (die beim Treffen zusammen mit Tochter Djamina mit dem „Tanz für Winnetou“ samt Hula-Hoop-Reifen erfreute) und Sina Wolf aus Schoppenstedt im Landkreis Wolfenbüttel. Die 37-Jährige war zusammen mit Vater Klaus gekommen.

 Birgit Scholz und Sina Wolf kennen sich seit 17 Jahren und treffen sich stets auf den Festen wieder. Während Sina Wolf 1990 als Kind durch die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg zum Fan wurde, hatte ihr 70-jähriger Vater seine Leidenschaft für Winnetou und Co. einst durch Bücher und Hörspiele entdeckt.

 Veranstalter Thomas Winkler interviewte die Schauspieler Till Demtrøder und Susan Sideropoulos, die in der aktuellen Aufführung „Der Schatz im Silbersee“ als Old Shatterhand und Ingenieurin Ellen Patterson zu sehen sind. Sie wurden von den Fans mit spitzen Ohren und gezückten Kameras umlagert.

 Beide erzählten von ihrem Spaß bei den Aufführungen und den intensiven Proben. „Wir haben fünf Wochen lang jeden Tag von morgens bis abends geprobt“, erzählte Demtrøder, der sich als großer Karl-May-Anhönger bezeichnete.

 Für Susan Sideropoulos ist im Wilden Westen dagegen „alles neu“. Obwohl sie in Hamburg aufgewachsen ist, seien die Karl May-Spiele komplett an ihr vorbeigegangen. Für ihre Rolle habe sie nun sogar das Reiten gelernt, berichtete sie.

 Aber die Karl-May-Fest-Familie hält vor allem große Stücke auf die Filmdarsteller der ersten Stunde. Da Pierre Brice nicht mehr unter den Lebenden weilt, warteten viele Besucher auf das Treffen mit dessen Witwe Hella und auf Nscho-tschi-Darstellerin Marie Versini. „Wer hier ist, der kennt und liebt die alten Filme“, bestätigt auch Veranstalter Michael Petzel. Das sei sehr schön, aber auch zugleich ein Problem, denn es komme kein Fan-Nachwuchs mehr dazu. „Die alten Filme sind der heutigen Jugend zu langsam, es fehlen die schnellen Spezialeffekte.“ Hoffnung macht dem Autor etlicher Filmbücher und Inhaber des Karl-May-Archivs der neue Winnetou-Dreiteiler, der zu Weihnachten auf RTL gesendet werden soll. Wenn er bei der Jugend ankommt, könnte das zu einem Winnetou-Revival führen, hofft Petzel.

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