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Krankheit im Schatten von Parkinson

Bad Segeberg Krankheit im Schatten von Parkinson

Die Diagnose: Progressive Supranukleäre Blickparese (PSP). Die Betroffenen und ihre Angehörigen sind mit ihren Sorgen nicht mehr allein. Am Wochenende gründete sich in Bad Segeberg eine Selbsthilfegruppe.

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Sie wollen die Krankheit PSP bekannter machen: Prof. Dr. Björn Hauptmann (von links), Dr. Dorothea Lisa Hollinde, Colette Wolters und Dr. Grit Mallien.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Es beginnt mit kleinen Unsicherheiten beim Gehen. Dann kommen unerklärliche Stürze dazu. Eine zunehmend verwaschene Aussprache. Schluckbeschwerden. Schließlich sogar eine Lähmung der Augenbewegung. Nach durchschnittlich fünf bis sieben Jahren tritt der Tod ein. Bundesweit leiden rund 12000 Menschen unter der Krankheit, die besonders im Anfangsstadium oft mit dem Parkinson-Syndrom verwechselt wird. Doch die Medikamente, die bei der Schüttellähmung eingesetzt werden, wirken bei PSP nicht. So schreitet die Krankheit unaufhörlich fort. Eine Heilung gibt es allerdings ohnehin nicht.

 Über 40 Teilnehmer kamen zum ersten Treffen im Neurologischen Zentrum am Hamdorfer Weg zusammen. In der Einrichtung der Segeberger Kliniken ist schon so mancher unentdeckte PSP-Fall diagnostiziert worden. Chefarzt Prof. Dr. Björn Hauptmann informierte die Patienten und Angehörigen über die Schwierigkeiten, der Krankheit auf die Schliche zu kommen.

 „Viele Patienten kommen zu uns mit der Diagnose Parkinson, aber die Tabletten helfen nicht“, schildert Hauptmann. Das Problem sei, dass es für PSP keine eindeutigen Symptome gibt; schlimmer noch: Sie weisen eher auf Parkinson und Alzheimer hin. Auch spezielle PSP-Tests sind bis heute nicht entwickelt worden. So muss das Gesamtbild entscheiden – und das ist kompliziert. Hauptmann: „Viele klinische Zeichen überlappen sich.“

 Erstmals diagnostiziert wurde PSP im Jahre 1963. Die Ursachen der Krankheit liegen noch im Dunkeln. Vermutlich stecken Gendefekte dahinter, auch ein bislang unbekannter Virus ist denkbar. Laut Statistik erkranken etwa von einer Million Menschen etwa 70 an PSP. Bei Parkinson ist sind es bis zu 2000 Patienten.

 Ein Hinweis auf den Unterschied Parkinson/PSP ist die Richtung, in die die Patienten stürzen. Wer Parkinson hat, fällt meist nach vorn – und bei PSP nach hinten. Außerdem leiden PSP-Patienten selten unter dem bekannten Zittern von Armen und Beinen. Dafür bekommen sie Schwierigkeiten, richtig zu sehen – vor allem nach oben und unten. Hinzu kommen Schluckstörungen, die oft in Lungenentzündungen münden.

 Was es den Medizinern noch schwerer macht, die Progessive Supranukleäre Blickparese zu erkennen, ist die Tatsache, dass es mehrere Formen gibt. Bei einer ist vor allem das Laufen beeinträchtigt, bei einer anderen treten die Symptome sehr stark auf einer Körperseite auf (was oft als Schlaganfall missgedeutet wird). Auch eine Variante mit verzerrten Sprechlauten und dem Verlust grammatischer Strukturen wird beobachtet, wie Dr. Grit Mallien aus Berlin erläutert. „Das Sprechen klingt gepresst auch heiser, sehr leise und verwaschen.“ Manche Patienten leiden aber auch an einer verzerrten „Löwenstimme“.

 Künftig sollen alle drei Monate Treffen der Selbsthilfegruppe im Neurologischen Zentrum am Hamdorfer Weg stattfinden. Die genauen Daten können auf der Internetseite www.psp-gesellschaft.de nachgelesen werden.

 Für den kleinen Sohn von Dr. Grit Mallien klang das Arbeitsgebiet seiner Mutter zunächst übrigens sehr reizvoll und spannend. Doch sie musste dem Steppke erklären, dass PSP in diesem Fall nicht als Abkürzung für die „Playstation Portable“ gemeint war – eine tragbare Videospielkonsole.

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