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Nelkenweg: Erste Annäherung

Bad Segeberg Nelkenweg: Erste Annäherung

Es wird noch eine Weile dauern, das zerschnittene Tischtuch zwischen Nelkenweg-Anwohnern und der Stadt Bad Segeberg wieder zusammenzunähen – aber die ersten Stiche sind immerhin gemacht. Mit versöhnlichen Worten endete die Zusammenkunft der skeptischen Nachbarn mit Vertretern von CDU und SPD im Rathaus.

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Nelkenweg-Anwohner diskutierten im Rathaus mit den Stadtvertretern Olaf Tödt (hinten, von links), Ursula Michalak, Norbert Reher und Joachim Wilken-Kebeck.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Die Kommunalpolitiker warben dafür, die Entwicklung der umstrittenen Wohnanlage konstruktiv voranzutreiben. „Lassen Sie uns wieder treffen – und nicht sagen, was nicht geht, sondern was gehen könnte“, bat SPD-Fraktionschef Joachim Wilken-Kebeck.

 Rund fünfzig Anwohner waren zum Krisengespräch ins Rathaus gekommen. Die Lage am Nelkenweg ist verfahren. Die Anwohner lehnen eine geplante Anlage mit hundert Wohnungen ab – und waren jüngst wenig amüsiert, im Bauausschuss von einem (zumindest theoretisch möglichen) Flüchtlingsheim auf dem Nachbargelände zu erfahren. Sie fürchten, dass die Stadt beim Nelkenweg total auf dem Holzweg ist, auch wenn es keine Anzeichen für ein Flüchtlingsheim gibt.

 Olaf Tödt, Ursula Michalak und Fraktionsvorsitzender Norbert Reher (alle CDU) sowie Joachim-Wilken-Kebeck (SPD) stellten sich den Fragen der Anwohner. Dabei wurden viele Vorwürfe wiederholt. Vor allem die Sorge vor einem „Verkehrs-Infarkt“ treibt die Häuslebesitzer um, die einst unter dem Slogan „Wohnen im Grünen“ an den Nelkenweg gezogen waren und sich durch die Bebauung nun übers Ohr gehauen fühlen.

 „Ich bitte Sie, nicht so zu tun, als ob da eine Gänsewiese entstehen sollte“, sagte Wilken-Kebeck. Dass die insgesamt 1,5 Hektar große Brachfläche eines Tages bebaut würde, sei doch klar gewesen.

 Investor Manfred Ramthun möchte mit seiner Forma IMR Consulting auf einem 1,2 Hektar großen Teilstück hundert Wohneinheiten bauen. Bei einem Termin in der kommenden Woche im Rathaus wird er einen dritten Entwurf vorstellen, in dem er Forderungen aus der Nachbarschaft und Vorgaben der Stadtvertretung umsetzt. So sollen zwischen den Wohnblock-Elementen auch einige 9,5 Meter hohe Stadthäuser entstehen. Damit will man gestalterisch den Eindruck eines gewaltigen Blocks oder Riegels vermeiden und die Anlage etwas harmonischer in das Umfeld eingliedern. Ramthun: „Wenn die Nachbarn da alle einziehen wollen, dann habe ich es richtig gemacht.“ Zudem soll die Tiefgarage, die über zwei Zufahrten verfügt, komplett im Erdreich verschwinden und in das abschüssige Gelände eingepasst werden. Auch bei der Kapazität der Wohnanlage hat Ramthun Gesprächsbereitschaft signalisiert. Vielleicht werden es doch nicht ganz hundert Wohnungen. Da ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen.

 Genau darauf kommt es den Anwohnern jedoch an. Sie stört in erster Linie nicht die jeweilige Gebäudehöhe, sondern der zu erwartende Straßenverkehr durch ihre bislang ruhige Straßen. Ursprünglich waren bis zu 130 Wohnungen geplant. Das Projekt wurde auf Druck aus dem Rathaus schon abgespeckt. Betroffen sind unter anderem Nelkenweg, Am Apfelgarten und Holunderweg. Laut SPD-Mann Wilken-Kebeck ist die Verkehrsfrage auch noch ein Knackpunkt, der gelöst werden muss. Ramthun wiederum ist hier entspannt: „Mir als Investor ist es völlig egal, wo der Verkehr abgeführt wird.“

 Den Anwohnern aber nicht. „Es gibt den totalen Verkehrsinfarkt“, warnt Heiko Pendzikowski. „Die Politik läuft dem Investor hinterher und breitet ihm den roten Teppich aus.“ Notfalls werde man sich per Unterschriftenaktion und Bürgerentscheid wehren. „Wir können Protest!“ Auch eine Klage gegen die Stadt sei denkbar.

 Ein im Vorwege von der Stadt in Auftrag gegebenes Verkehrsgutachten hat ergeben, dass dem Bauprojekt aus Sicht der Experten vom Grundsatz her nichts im Wege steht. Daran glauben die Nachbarn allerdings nicht. „Das wird viermal soviel Verkehr wie jetzt!“, warnte Pendzikowski. Karsten Wilkening betonte, die Stadt habe zuletzt viel Vertrauen verspielt. Er wünscht sich aber, dass beide Seiten wieder aufeinander zugehen. Das ist in dem jetzt angeschobenen Bauleitverfahren zumindest möglich. Viele Anwohner tragen zumindest grundsätzlich eine Bebauung der Brachfläche mit und sind „nur“ mit der Größenordnung nicht einverstanden. Die Zahl derer, die gar keine Bauarbeiten in ihrem Umfeld wollen, ist gering. Wilken-Kebeck wies darauf hin, dass der Nelkenweg und die anderen Straßen umgebaut werden könnten, um den Verkehrsfluss zu ermöglichen. Nicht jede Verkehrsinsel und jede Pflasterung, die es heute gibt, müssten auch später noch da sein.

 Aufregung herrschte, als ein Anwohner verunglimpfend über Investor Ramthun herzog – nicht ahnend, dass der Mann neben ihm steht. Nach einer deutlichen Ansage seitens des Gescholtenen folgte eine ausführliche Entschuldigung, um einer Strafanzeige zu entgehen.

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