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Peinliche Rechts-Demo

Bad Segeberg Peinliche Rechts-Demo

Mit 170 Beamten sicherte die Polizei die angekündigte Neo-Nazi-Kundgebung vor dem Städtischen Gymnasium ab. Viel zum Absichern gab es allerdings nicht. Der rechtsgesinnte Demo-Organisator Enrico P. blieb allein – und konnte noch nicht einmal die Deutschland-Flagge richtig herum halten.

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Die Polizei sicherte die Juso-Kundgebung im Bad Segeberger Landratspark mit viel Personal ab.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Es hatte nach richtig Ärger gerochen: Enrico P. hatte eine Kundgebung zum Thema „Asylmissbrauch stoppen – Nein zur Politik Merkel“ angekündigt. Als Veranstaltungsort hatte er die Fläche vor dem Städtischen Gymnasium ausgewählt.

 Die Reaktion aus der politisch linken Szene ließ nicht lange auf sich warten. Der Juso-Kreisverband legte frühzeitig mit der Gegen-Demonstration „Für Freiheit und Toleranz, gegen Rechtsradikalismus und Rassismus“ los. Deren Treffpunkt war der Que-Dance-Club an der Rosenstraße. Ihr Ziel: der Landratspark. Dort wollten sie den in Hörweite tagenden Rechten mit linken Liedern und Toleranz-Parolen mal so richtig den Tag versauen. Das wäre, wie sich zeigen sollte, aber gar nicht nötig gewesen.

 Da die Polizei ein gewaltsames Aufeinandertreffen der beiden gegnerischen Lager befürchtete, rückte sie mit großem Aufgebot an: 170 Beamte wurden von Revierleiter Jes Peter Beck aus ganz Norddeutschland zusammengezogen; auch scheel blickende Diensthunde, die nicht gerade für Humor und Nachsicht bekannt sind, waren mit von der Partie.

 Allein vor dem Städtischen Gymnasium parkten sieben Mannschaftswagen der Polizei; vor der Einfahrt zur Firma Baer standen weitere Einsatzfahrzeuge; Polizeibeamte mit martialischem Kopfschutz (den großen Helmen samt Visier) saßen am Rande des Landratsparks mehr oder minder gemütlich auf einer Bank. Wer den Park betreten oder durchqueren wollte, wurde in Augenschein genommen.

 Während sich die Jungsozialisten am Que-Dance-Club mit ihren Unterstützern trafen, erschien Enrico P. auf der Bildfläche. Mit Cola, Deutschland-Flagge und Plastiktüte hockte er sich an den Gehweg, der das Gymnasium mit dem Landratspark verbindet. Ein einziger Gleichgesinnter fand sich bei ihm ein – im Nacken das geballte Polizeiaufgebot.

 Die Jusos, die auch Unterstützer vom Bündis gegen Rechts aus Bad Oldesloe, aus der Bad Segeberger SPD-Fraktion und Ex-Landrätin Jutta Hartwieg dabei hatten, zogen durch mehrere Straßen bis zum Landratspark, wo sie kurz nach 12.30 Uhr eintrafen. Es folgte eine kurze Kundgebung, bei der die Organisatoren Alexander Wagner und Leonie Pätzold eine kurze Ansprache hielten. „Das sind keine besorgten Bürger oder Asylkritiker – das sind Nazis und Menschenfeinde“, erklärte Leonie Pätzold über Megafon. „Wir müssen dem rechten Gedankengut in einer gesellschaftlichen Mitte entgegenstehen.“

 Auch mit einer Einschätzung zu Enrico P. traf sie den Nagel auf den Kopf: „Der heutige Veranstalter ist dafür bekannt, ein geringes Mobilisierungspotenzial zu haben.“ Stimmte auffallend, denn mittlerweile saß der Neo-Nazi-Demonstrant allein vor dem Gymnasium. Sein Kumpel hatte sich verkrümelt – und ein weiteres rechtes Grüppchen, das sich auf dem Sky-Parkplatz tummelte, traute sich offenbar nicht durch den Park zum Gymnasium hinüber.

 So schwenkte Enrico P. allein seine Deutschland-Flagge: dummerweise verkehrt herum. Ein Polizeibeamter machte ihn – ganz Freund und Helfer – darauf aufmerksam, dass der schwarze Streifen nach oben gehört. Daraufhin zog P. die Flagge neu über den Stock.

 Doch auch das änderte nichts daran, dass er zum offiziellen Beginn seiner Kundgebung von der Polizei darauf hingewiesen wurde, dass man für eine Veranstaltung mindestens drei Personen braucht. Somit wurde aus der Auftaktkundgebung vor der Mehrzweckhalle, dem Marsch durch Hamburger Straße, An der Trave, Riihimäkistraße, Ziegelstraße, Lindenstraße, Kurhausstraße und zurück zum Gymnasium samt Abschlusskundgebung nichts.

 Weil sich die Polizei Sorgen machte, Enrico P. könnte von übermütigen Toleranz-Verfechtern böse verdroschen werden, fuhren ihn die Beamten lieber höchstpersönlich aus dem Gefahrenbereich. Danach konnten dann auch die meisten der 170 Polizisten endlich die Sonne genießen.

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