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Bauer Hader in Hochform

Kabarett in Schmalensee Bauer Hader in Hochform

„Wir leben in einem Flachland. Also lasst uns dafür sorgen, dass es bergauf geht!“ Bauer Hader alias Kabarettist Nils Loenicker hat wieder den Schmalenseer Gemeindesaal gerockt. Mit einem neuen Programm, bei dem dennoch in alter Manier jeder sein Fett weg bekam.

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Bauer Hader alias Nils Loenicker will’s wissen: Bürgermeister von Hader ist er bereits, nun strebt er einen Sitz im Kreistag von Hanebüchen an. Lachsalven sind garantiert.

Quelle: Christian Detlof

Schmalensee. Da gerät Bundesinnenminister Lothar „die Misere“ ins Visiert oder Zuschauer Rolf aus der ersten Reihe: „Weiße Socken zur offenen Sandale? Du bist ja ein echter Trendsetter!“

 Bauer Hader hat sich entwickelt. In einer Art Erb-Regentschaft ist er Bürgermeister der Gemeinde Hader im Kreis Hanebüchen. Einem Ort, in dem man etwas ist, wenn man um 11 Uhr die erste Buddel Korn verträgt. Doch dann stellt Hader fest, dass er die Dinge in der Welt nicht vom Stammtisch aus verändern kann. „Nu is Sense“, sagt er sich und kandidiert für den Kreistag. Hader geht in die Offensive. „Nicht lang quälen – Hader wählen“ lautet einer seiner Werbeslogans. Auf der Suche nach Verbündeten klopft Hader selbst bei der dänischen Minderheit an, die aber bald abwinkt. Das Angebot, in Hader zu guten Konditionen eine Hot Dog-Bude betreiben zu dürfen, zieht wohl doch nicht. Den Ausgang der Wahl lässt Loenicker in Schmalensee offen. Nur so viel sei verraten: Selbst Haders Frau Herta ist keine sichere Wählerin.

 Viele aktuelle Themen greift Nils Loenicker beziehungsweise Bauer Hader auf. Etwa die angebliche Aufforderung der Bundesregierung zu Hamsterkäufen: „Was soll ich mir denn einen Hamster kaufen, ich bin doch froh, wenn der Marder vom Hof ist!“ Dass der Wolf sich in Mecklenburg-Vorpommern ausbreitet, kann Hader nicht verstehen. „Milliarden haben wir in den Aufbau Ost gepumpt. Und nun hauen da die Leute ab und der Wolf kommt – das hätten wir mit dem Wildpark Eekholt alles billiger hingekriegt.“ Hader hat sich zu zudem zum Ernährungsberater entwickelt – und zum heimlichen Vegetarier. Soll heißen? „Ich esse heimlich kein Fleisch mehr“, bekennt der Bauer, der vom Melken Rücken hat. „Ich sollte also mal ne Kreuzfahrt machen.“ Späße, die vor allem durch die Art ankommen, wie Loenicker seinen Hader rüber bringt. Und er weiß: „Die Leute, die hier nach Schmalensee kommen, wollen puren Spaß haben. Schmalensee, das ist Frontalkomik, hier lacht man über andere und über sich selbst.“

 Einer darf im Gemeindesaal keinesfalls fehlen: Plattsnacker Gerd Spiekermann. Jung-Rentner, gerade zurück vom sechsmonatigen Südamerika-Trip. Klar, das da was abfällt für das nach Plattdeutschem gierenden Publikum, das längst nicht mehr nur aus der näheren Umgebung anreist. Kulinarisches ist Spiekermann schon immer wichtig gewesen in seinen Beiträgen, egal ob Kompott oder neuerdings Steaks. Die haben ihn nachhaltig beeindruckt – und dennoch bleibt er bei seiner Vorliebe für Kartoffelsalat mit Würstchen, dazu „Schluck un Beer“.

 Spiekermann füllt nicht nur die Pausen, die Wahlkämpfer Hader zum Verschnaufen braucht, er ist eine Bereicherung. Kaum jemand im Publikum, der sich bei den Kindheitserinnerungen Spiekermanns nicht irgendwo selbst wiedererkennt, mal abgesehen von einer geschilderten Hausschlachtung. Schwarzweiß-Fernsehen, Erfrischungsstäbchen, eine Mutter, die mit Nachdruck verlangt, den Teller leer zu essen. Das Publikum juchzt vor Vergnügen, der Mix aus Platt und Hader kommt an.

 Auf eines müssen die Hader- und Spiekermann-Fans allerdings vergeblich warten. Die 2005 erstmals präsentierte musikalische Liebeserklärung an Schmalensee. „Schmali, meine Perle“, melodisch eine Leihgabe von Lotto King Karl, kann mangels „Erntehelfer“ Matthias Winkler nicht gebracht werden. „Matthias spielt heute parallel beim 80. Geburtstag von unserem Freund Hans Scheibner“, verrät Loenicker und erntet ein „Ohhh!“. „Aber nächstes Jahr sind wir wieder da – mit einem Best-off“, verspricht Loenicker-Hader.

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Ein Artikel von
Christian Detlof
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