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Bauplatz wird zur Ponyweide

Groß Niendorf Bauplatz wird zur Ponyweide

Was macht eine Familie, die ein Baugrundstück gekauft hat, dort aber nicht bauen durfte? Sie nimmt notgedrungen einen noch höheren Kredit auf und kauft sich ein altes Haus in einem anderen Ort. Die Geschichte von Neele und Beau Hirsch aus Groß Niendorf ist ein Lehrstück dafür, dass man sich als Laie nicht immer auf die Sorgfalt von Fachleuten verlassen kann.

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Neele und Beau Hirsch wohnen zwar jetzt in Groß Niendorf und fühlen sich dort sehr wohl. Aber etliche Ordner belegen mit viel Schriftverkehr und Gutachten, dass sie lange um den Hausbau in Bebensee gekämpft haben. Den Verlust von über 100000 Euro zahlt das Paar heute noch ab.

Quelle: Patricia König

Groß Niendorf.  „Auf das Grundstück in Bebensee werden wir wohl jetzt meine Ponys stellen“, erklärt Neele Hirsch nicht ganz frei von Zynismus. Dort, wo vielleicht bald ihre Tiere grasen werden, wollten sie und ihr Mann Beau eigentlich vor drei Jahren ein Haus bauen und sich mit dem Töchterchen ein Heim schaffen. Doch falsche Informationen – und Schweine – machten diesen Traum damals zunichte.

 Im Kern geht es um die Sorgfaltspflicht. Alles begann im Jahr 2012, als die damaligen Hamburger ein Grundstück auf dem Land suchten und mithilfe eines Immobilienmaklers fanden. Im Musterhauspark eines Bauunternehmens entdeckten sie und ihr amerikanischer Mann auch die passenden vier Wände dazu. Im Mai 2012 unterschrieben sie den Kaufvertrag über das „Baugrundstück“ an der Hauptstraße 17 in Bebensee und gaben der Baufirma den Auftrag für die Errichtung des ausgesuchten Hauses. Im Januar 2013 kam die Hiobsbotschaft des Kreisbauamtes: Aus Immissionsschutzgründen gibt es keine Baugenehmigung. Die Geruchsbelastung durch die angrenzenden landwirtschaftlichen Betriebe, insbesondere durch einen Schweinemastbetrieb, sei zu hoch.

 Trotz aller Bemühungen der Hirschs blieb das Kreisamt bei seiner Haltung. Die Familie hatte sich beim Kauf darauf verlassen, dass der Satz im Exposé „Bebauung nach §34 BauGB“ stimmt und dass die Bauvoranfrage von 2001 auf dem aktuellen Stand ist. Auch in diversen Gesprächen hatte der zuständige Sachbearbeiter vom Amt Leezen nie Hinweise darauf gegeben, dass es Probleme mit der Baugenehmigung geben könnte.

  Der Geschäftsführer der Lizenzgesellschaft Wendt & Hillbrunner, die für die Immobilienfirma Engel & Völkers das sogenannte „Baugrundstück“ an die Hirschs verkauft hatte, hatte Hilfe zugesichert. Für eine eventuelle Rückabwicklung des Kaufvertrages werde er auf jeden Fall zur Verfügung stehen. Doch dazu kam es nicht. Die von den Hirschs eingeschaltete Fachanwältin aus Hamburg bemühte sich zunächst ohne Erfolg um die Durchsetzung der Baugenehmigung. Zeitgleich versuchte sie, eine einvernehmliche, außergerichtliche Lösung mit allen Beteiligten zu erwirken. Familie Hirsch musste derweil hohe Bereitstellungszinsen zahlen. Zu dem Grundstückspreis von 75000 Euro kamen weitere 40000 Euro für Gutachten und anderes.

 Dass der Vertrag nicht rückgängig gemacht wurde, befremdet auch den Geschäftsführer der Immobilienfirma Engel & Völkers für das Gebiet Ostseeküste, Jens Hillbrunner. „Ich wundere mich, dass die Rückabwicklung letztendlich nicht vollzogen wurde.“ Er habe nach dem einmaligen Gespräch und dem leider „völlig untragbaren“ Lösungsvorschlag seitens der Anwältin allerdings nie wieder etwas von den Hirschs gehört, sagte er auf Anfrage.

 Wer hat nun welchen Fehler gemacht? Das können die Hirschs nicht genau beurteilen. Doch Fakt ist, dass weitere Vorschläge abgewiesen wurden, viele Gespräche ins Leere liefen und Fristen verstrichen.

 „Es gab einen Zeitpunkt, da hätten alle ihr Gesicht wahren können, und wir wären alle mehr oder weniger ohne großen Schaden aus der leidigen Sache herausgekommen“, da sind sich Neele und Beau Hirsch sicher. Stattdessen musste sich die kleine Familie nach einem neuen Heim umschauen, den Kreditrahmen deutlich erhöhen und zahlt heute noch für ein „Baugrundstück“ ab, auf dem sie nie wird bauen können.

 „Wir fühlen uns in Groß Niendorf sehr wohl“, sagt Neele Hirsch. Dort wohnt die Familie seit 2013. Sie gestaltet und renoviert nach und nach das „neue“ alte Haus, hat nette Nachbarn und könnte eigentlich glücklich sein. „Ich darf nur die vielen Ordner nicht sehen und nicht zu oft daran denken, dass von unseren Raten rund ein Drittel für das Grundstück in Bebensee abgeht“, erklärt Beau Hirsch. Nur durch einen Großauftrag, den der Übersetzer damals erhielt, und die tolle Kooperation ihrer Bank hätten sie diese Umschuldung überhaupt stemmen können, sagen die Eheleute.

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