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Flüchtlingshelfer sind notwendig

Großenaspe Flüchtlingshelfer sind notwendig

Wichtigste Anlaufstation für die Flüchtlinge im Amt Bad Bramstedt Land ist Großenaspe. In der Gemeinde mit knapp 2900 Einwohnern leben derzeit 55 Asylbewerber. „Hier ist eine ganz tolle Infrastruktur, die wir sonst nirgends finden“, erklärte Sven Klinger von der Amtsverwaltung auf einer Informationsveranstaltung zur Flüchtlingssituation in Großenaspe.

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Leeza Lorenz ist seit Mai beim Kreis angestellt, um ehrenamtliche Flüchtlingshelfer zu unterstützen.

Quelle: jann Roolfs

Großenaspe. Jeden Dienstag kommen 30 bis 35 Flüchtlinge aus der Erstaufnahmestelle Neumünster in Bad Segeberg an. Das ist das Kontingent, das der Kreis unterzubringen hat. In der Kreisverwaltung bekommen die Asylbewerber einen Willkommens-Beutel mit Lebensmitteln und einem Formular, damit sie dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ihre neue Adresse mitteilen können. Dann werden die Flüchtlinge in Taxis gesetzt, die sie zu den Städten und Ämtern fahren, in denen sie untergebracht werden. Beim Amt Bad Bramstedt Land sind in diesem Jahr bisher 62 Flüchtlinge angekommen.

 Dienstags kümmert sich Sven Klinger, in der Amtsverwaltung für die Betreuung der Asylbewerber zuständig, um einen Dolmetscher und einen ehrenamtlichen Helfer, wenn möglich, holt er auch den Vermieter dazu, in dessen Wohnung oder Haus die Flüchtlinge wohnen werden: „Dann merkt man allen an, dass es relativ entspannt ist.“

 Die Asylbewerber bekommen Bargeld, ein Mitarbeiter begleitet sie dann zum Supermarkt für erste Einkäufe. Anschließend geht es mit dem Amts-Bus in die neue Heimatgemeinde, ein Mitarbeiter begleitet die Neu-Einwohner, um vor Ort erste Probleme zu lösen. Aber Klinger stellt auch klar: „Es ist personell gar nicht machbar, den Asylbewerbern gerecht zu werden.“ Die Verwaltung ist auf ehrenamtliche Helfer angewiesen, die im ersten Anlauf so simple Dinge wie Waschmaschine und Herd erklären: Viele Flüchtlinge sind junge Männer um die 18, die zum ersten Mal weg sind von zu Hause.

 Arzt, Bus und AKN, Schule und Kindergarten bieten vor allem Familien gute Voraussetzungen, so schnell wie möglich am Leben in der neuen Heimat teilzuhaben.

 Arbeiten dürfen sie allerdings so lange nicht, bis über ihren Asylantrag entschieden ist. Bis dahin werden ihnen auch keine offiziellen Deutschkurse angeboten. In Großenaspe organisiert die Kirchengemeinde jetzt ehrenamtlich einen Lehrgang, der am 8. Juli beginnen soll.

 Mehr als 100 Besucher kamen zur Informationsveranstaltung, die viele Auskünfte aus kompetenten Quellen bot. Rolf Meenen, Leiter der Ausländerbehörde des Kreises, gab einen Überblick über die Flüchtlingszahlen: 2014 sei mit 702 Asylbewerbern im Kreis Segeberg eigentlich „das Ende der Fahnenstange“ erreicht gewesen, aber in diesem Jahr sollen mehr als doppelt so viele kommen. „Wir haben Probleme, diese Personen im Kreisgebiet unterzubringen.“

 Leeza Lorenz arbeitet seit Anfang Mai in der Kreisverwaltung als Ansprechpartnerin für diejenigen, die den Flüchtlingen ehrenamtlich helfen. „Überwältigende Teilnahme“ registrierte sie, aber sie sucht nach wie vor „Begleitengel“. Am besten sei es, wenn vor Ort Einwohner die Asylbewerber erwarten und „Herzlich willkommen“ sagen, erklärte Lorenz.

 Gerhard Wach aus Großenaspe ist inzwischen routinierter Flüchtlingshelfer. Er berichtete auf der Bühne von seinen Erfahrungen mit einer irakischen Familie, die 2011 in sein Mehrfamilienhaus zog. Als pensionierter Beamter half er bei Formularen und im Umgang mit Behörden: Selbst für ihn sei nicht immer verständlich gewesen, was die Ämter von den Flüchtlingen wollten. Der Kreis bekam auch gleich sein Fett weg, als Wach über den „riesigen Vordruck“ schimpfte, den potenzielle Begleitengel ausfüllen sollen. Darauf habe er verzichtet, trotzdem hilft er jetzt schon seiner zweiten Familie.

 Khawla und Alias Khalaf, ehemalige Schützlinge von Wach, schilderten ihre Probleme, als sie aus dem Irak in Großenaspe ankamen: Sie verstanden die Sprache nicht und kannten niemanden. „Sprechen die über mich?“, fragte sich Khawla Khalaf immer wieder. Inzwischen beherrschen beide Geschwister Deutsch, Alias lernt nach einem sehr guten Hauptschulabschluss Kfz-Mechatroniker im Ort, Khawla wird in Neumünster chemisch-technische Assistentin. Das sei schwer, „aber wenn man etwas will, dann schafft man das“, betonte Khawla Khalaf.

 Information war das erste Ziel der Veranstaltung, aber Organisator Holger Altenscheidt hoffte auch darauf, dass sich möglichst viele Großenasper als Flüchtlingshelfer bewarben. Altenscheidt (BfB) leitet als Vorsitzender die „Projektgruppe Flüchtlinge in Großenaspe“, ein Gremium innerhalb des Kulturausschusses. Gemeinsam mit Levia Stracke (CDU), Christine Behnke (SPD), Kerstin Osterloh (BfB) und Jens Bösche kümmert er sich um die Betreuung der Flüchtlinge in Großenaspe und sucht dafür ehrenamtliche Helfer. „Es war zäh, das auf den Weg zu bringen“, resümierte er am Rande der Veranstaltung selbstkritisch: Eigentlich hätte die Veranstaltung schon im Januar stattfinden sollen.

 Sven Klinger wünschte, dass die Einheimischen den Neuankömmlingen mit Liebe begegneten. Bürgermeister Torsten Klinger warb für Verständnis: „Sie haben es sich nicht ausgesucht, hier nach Großenaspe zu kommen, sie wären lieber zu Hause geblieben.“

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