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Überraschung unterm Bleeck

Bad Bramstedt Überraschung unterm Bleeck

Müssen die Bauarbeiten auf dem Bleeck gestoppt werden? Beim Aufbuddeln des Marktplatzes kam altes Granitpflaster zum Vorschein, ein Fall für die Denkmalschützer.

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Auf dieser Postkarte von Roland und Schloss ist das Granitpflaster noch gut zu erkennen. Das Foto wurde 1965 aufgenommen, vor der Asphaltierung. Mittlerweile ist das Pflaster an dieser Stelle verschwunden.

Quelle: Archiv Jan-Uwe Schadendorf

Bad Bramstedt. Doch die Landesbehörde wurde erst am Montag eingeschaltet, große Teile der möglicherweise über 180 Jahre alten Pflasters sind schon verschwunden - und die Bauarbeiten liefen trotzdem weiter.

 Wann das alte Pflaster verlegt wurde, ist unklar. Historisch gesichert ist aber, dass die Chaussee Altona - Kiel über den Marktplatz verlief. Die heutige Altonaer Straße in Bad Bramstedt ist mit ihrem 1926 verlegten Blaubasaltpflaster und Alleebäumen bereits vor drei Jahren unter Denkmalschutz gestellt worden. Das nun freigelegte Pflaster könnte aber noch älter sein. Das vermutet Heimathistoriker Jan-Uwe Schadendorf, der sich schon in mehreren Büchern mit der Geschichte der Stadt befasst hat. „Es kann durchaus sein, dass das Pflaster noch das Originale vom Chausseebau 1832 ist“, sagte Schadendorf der SZ. Die Chaussee hatte damals immense Bedeutung für das noch unter dänischer Herrschaft stehende Holstein. Es war die erste „Kunststraße“, also eine gepflasterte Straße, die damals in der Provinz gebaut wurde und Altona mit Kiel verband. Sie erleichterte das Reisen und den Warentransport erheblich.

 Deutlich pragmatischer sieht der Leiter des städtischen Bauamtes die Angelegenheit. „Wir haben das Denkmalamt verständigt“, sagte er. Die Bauarbeiten wurden deshalb aber nicht gestoppt und ein Großteil des Pflasters ist bereits verschwunden. Rechtlich handele es sich um „Sondermüll“, sagte Reinbacher. Das Pflaster war etwa 1966 überasphaltiert worden. „Damals wurde ein Asphalt verwendet, der wegen seiner Schadstoffe heute nicht mehr zulässig ist. Der klebt aber auf den alten Granitsteinen, die deshalb fachgerecht von der Baufirma entsorgt werden müssen“, erklärte der Behördenchef.

 Die Angelegenheit war gestern bereits bis ins Landesamt für Denkmalschutz in Kiel vorgedrungen. Die Zeit drängt, weil die Bagger das Pflaster bald entfernt haben werden. Gebietsreferent Dr. Berthold Köster sagte, einen Baustopp könne seine Behörde nur verhängen, wenn das Pflaster bereits als historisch bedeutend bewertet ist. Das sei aber bisher nicht der Fall. Und gestern wurde es auch nicht mehr bewertet, weil Kösters Kollegin, die für archäologische Funde zuständig ist, nicht im Dienst war. Köster, der historische Hochbauten bewertet, konnte aber doch erreichen, dass heute ein Experte seiner Behörde nach Bad Bramstedt fährt. „Es ist durchaus möglich, dass es sich um das Originalpflaster von 1832 handelt“, meint der Denkmalschützer.

 Sollte das Pflaster tatsächlich als denkmalwürdig eingeschätzt werden, würde das nicht nur einen Baustopp bedeuten, dann müsste auch die Umgestaltung des Bleecks überplant werden. Die Betonpflasterstraße dürfte dann nicht mehr wie vorgesehen angelegt, das Fontänenfeld nicht auf den vorgesehenen Platz gestellt werden. Der Zeitplan würde kräftig ins Wanken kommen.

 Welch große Bedeutung die alte Straße einst für Holstein hatte, haben gerade erst zwei Buchautoren dokumentiert. Am Mittwoch stellen Burkhard von Hennigs und Heinrich Kautzky ihr Werk „Die Chaussee Altona – Kiel, Die erste Kunststraße in Schleswig-Holstein“ (Verlag Ludwig, Kiel) im Rathaus von Neumünster vor. Denkmalschützer Köster sagte: „Es wäre schon etwas merkwürdig, wenn zeitgleich mit der Buchpräsentation in Bad Bramstedt das alte Pflaster der Straße weggegraben wird.“

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