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Einhundert Flüchtlinge sind da

Bad Bramstedt Einhundert Flüchtlinge sind da

Sie sind da. Seit Montagabend 19 Uhr wohnen 100 Flüchtlinge in der Turnhalle der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt. Mit mehreren Bussen kamen sie aus Neumünster, wo sie zuvor in der Nacht zu Montag aus München angekommen waren.

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Montagabend kamen die Flüchtlinge mit mehreren Bussen in Bad Bramstedt an. Arne Kiera vom DRK (links) empfing sie.

Quelle: Uwe Straehler-Pohl

Bad Bramstedt. „Sie waren sehr erschöpft und kaputt“, beschreibt Ina Böttger, stellvertretende Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Bad Bramstedt, die beim Aufbau geholfen hatte und dabei war, als die Asylsuchenden Montagabend ankamen. „Es waren kleine Kinder dabei und Säuglinge. Alle waren froh, dass sie endlich eine Unterkunft haben, essen und schlafen konnten“, sagt Böttger: „Für die Säuglinge wurden noch schnell Babybetten besorgt. Die Familien schlafen in abgetrennten Bereichen.“

 Doch zunächst seien sie vor allem dankbar für Strom gewesen – um ihre Handys aufzuladen. „Sie wollten ihre Familien kontaktieren, von denen auch viele nach Deutschland geflohen und woanders untergebracht sind.“

 Nach der Ankunft gab es erst einmal für alle ein Abendessen: Einen Reis-Kartoffel-Allerlei-Eintopf. „Es ist ja nicht so einfach, für die Flüchtlinge zu kochen, weil die Muslime einiges nicht essen dürfen“, so Böttger.

 Gekocht wird von einer Betreuungsgruppe des DRK in der Feldküche.

 „Alles lief ganz ruhig, gesittet und reibungslos ab. Die Menschen waren einfach nur dankbar“, sagt Ina Böttger. Sie und ihre Kollegen vom DRK – etwa 20 Helfer – hatten zuvor in Windeseile die Turnhalle in eine Aufnahmeeinrichtung verwandelt.

 Vorerst kümmert sich der DRK-Kreisverband Segeberg um die Versorgung der 100 Flüchtlinge, obwohl dies Sache des Landes ist. „Der Landesverband schickt gerade Mails an die unteren Verbände und sucht nach weiteren Helfern, die sich um die Aufnahmestellen im Land kümmern“, erklärt Ina Böttger.

 Sie gibt zu bedenken: „Wir alle arbeiten ja freiwillig und haben auch noch Jobs. Wir sind froh, dass wir in den meisten Fällen tolle Arbeitgeber haben, die uns freistellen.“ Die Zusammenarbeit vor Ort sei sehr gut.

 Jürgen Börner von der Koordinierungsstelle des Landespolizeiamtes Schleswig-Holstein konnte zu der Dauer der Unterbringung noch nichts Genaues sagen. „Wir haben zehn Tage gesetzt, aber es kann auch länger dauern.“

 Um die täglich neu ankommenden Flüchtlinge in Schleswig-Holstein gut unterzubringen, müsse ziemlich jongliert werden. „Wir suchen immer noch nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten“, so Börner. Wo genau die 100 Flüchtlinge, die in Bad Bramstedt gelandet sind, herkommen, oder welchen Fluchtweg sie hinter sich haben, kann Börner ebenfalls nicht nachvollziehen. Dafür sind es mittlerweile einfach zu viele Menschen. Ob noch mehr Flüchtlinge nach Bad Bramstedt kommen werden, sei weiterhin ungewiss.

 In der Bad Bramstedter Turnhalle läuft es derweil sehr ruhig ab. Die Kinder spielen draußen Ball, die Erwachsenen sitzen auf dem Rasen und telefonieren mit ihren Handys. Auch die Polizei ist vor Ort. Ein Bereitschaftswagen der Landespolizei wird dort für die Dauer der Zeit bleiben. Aber auch die Bramstedter Polizeibeamten sind eingebunden: „Wir sind hier, weil das unser Gebiet ist, nicht weil hier Gefahr besteht“, betont Bad Bramstedts Polizeichef Jens Rossow. „Wir wollen helfen, wo Hilfe nötig ist.“ Gestern wurde er vom DRK darüber informiert, dass die Turnhalle keine Heizung hat und es nachts dort sehr kalt ist. „Jetzt werde ich mich um dieses Problem kümmern“, sagt Rossow.

 Alle packen mit an, damit es für die erschöpften Flüchtlinge so menschenwürdig wie möglich ist. Auch der DRK-Ortsverein ist dabei. Gut eine Handvoll der aktiven Mitglieder ist in den Schichtplan der Versorger vor Ort aufgenommen. Außerdem werden die Flüchtlinge von der örtlichen Kleiderkammer eingekleidet. „Wir brauchen auf jeden Fall noch Kleidungsspenden“, sagt Ina Böttger. Denn nicht alles kann an die Neuankömmlinge verteilt werden. „Wir haben ja auch noch unsere ständigen Flüchtlinge hier, die wir mit Kleidung versorgen.“ Vor allem Männersachen in kleinen Größen werden benötigt, da die Männer unter den Flüchtlingen eher klein und zierlich sind.

 Die Turnhalle, die von vielen Vereinen regelmäßig genutzt wird, steht für Sport vorerst nicht mehr zur Verfügung. Die Bramstedter Turnerschaft (BT) zum Beispiel nutzt die Turnhalle für Handball, Volleyball und Gymnastik. „Wir wurden Montagmorgen darüber informiert, das ist okay für uns“, sagt Vereinschef Bernd Käselau. Die Handballer, die mitten im Punktspielbetrieb sind, helfen sich in der Abteilung untereinander und spielen künftig in anderen Hallen und zu anderen Uhrzeiten. Die Volleyball- und Gymnastikgruppen werden sich ebenfalls nach anderen Hallenzeiten umschauen. „Die Hallensituation ist in Bad Bramstedt ja nicht schlecht“, so Käselau: „Wir haben alle volles Verständnis für die Situation.“

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