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Knigge für Flüchtlinge

Boostedt Knigge für Flüchtlinge

Dixi-Toiletten, Verkehrserziehung und Benimm-Flyer für Flüchtlinge - diese Ideen kamen dabei heraus, als sich der „Runde Tisch“, der sich um die Asylsuchenden in der Erstaufnahmeeinrichtung kümmert, im Hof Lübbe zum zweiten Mal öffentlich traf.

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Die ehrenamtlichen Mitglieder des „Runden Tischs“ Boostedt trafen sich zum zweiten Mal unter der Leitung von Bürgermeister Hartmut König (2. von rechst) öffentlich im Hof Lübbe.

Quelle: Patricia König

Boostedt. Mehr als 80 interessierte und kritische Bürger hatten ein Paket an Fragen und Sorgen mitgebracht.

 Das Plenum aus Vertretern der Polizei, des DRK-Betreuungsvereins, der Grund- und Gemeinschaftsschule, der evangelischen Kirche, des Vereins Wibo, des SV Boostedt, des Seniorenbeirats und des Sozialverbands kam zusammen, um unter der Leitung von Boostedts Bürgermeister Hartmut König über die Entwicklung in der Flüchtlingsarbeit auszutauschen. Die Teilnehmer des Runden Tischs haben ihr vielfältiges Angebot an Freizeitbeschäftigung, Deutschkursen, Flüchtlingscafé und Kleiderkammer noch weiter ausgebaut. Das DRK bietet den rund 2000 Flüchtlingen in der Unterkunft neben einem Kleiderhaus bald auch eine Ton- und Holzwerkstatt an; eine Bücherei und ein Musikraum werden gerade eingerichtet.

 Vertreter des SV Boostedt beschwerten sich darüber, dass der Verein die Turnhalle auf dem Kasernengelände nicht mehr nutzen kann, nachdem sie von der BIMA (Bundesanstalt für Immobilien) geschlossen wurde. Begründung: Da die Bundeswehr das gesamte Kasernengelände der Landesanstalt für Ausländerangelegenheiten (LfA) zur Verfügung gestellt hatte, könne die Halle nicht anderweitig genutzt werden. Besonders unverständlich: Einige Vereinsmitglieder trieben dort auch Sport mit Flüchtlingen. Eine Verständigung mit der LfA sei bisher nicht zustande gekommen, erklärte der Bürgermeister. Allerdings sei das Problem mit der Turnhalle Sache der BIMA, sagte Peter Blumenröther, Vorsitzender der SV Boostedt: „Wir bemühen uns aber um Klärung, ebenso wie das Jugendamt, das DRK und die Gemeinde.“

 Auch die geplanten Dixi-Toiletten waren ein Stein des Anstoßes auf der Versammlung. Viele Menschen hatten sich über Flüchtlinge beschwert, die auf dem Weg zum Einkaufen ihre Notdurft in den Büschen verrichten. Deshalb sollen jetzt zwei Dixie-Toiletten an der Panzerstraße hinter einem Wall aufgestellt werden. „Wir holen gerade Angebote über Vermietungskosten für zwei Chemietoiletten ein“, berichtete der Bürgermeister. „Hoffentlich benutzen die Flüchtlinge die dann auch“, kamen Rufe aus dem Publikum.

 Den Männern und Frauen solche Regeln zu vermitteln, ist zum einen die Aufgabe des DRK-Betreuungsvereins und bald auch die eines neuen „Benimm-Flyers“. Diesem Knigge für Flüchtlinge widmet sich eine Arbeitsgruppe des Runden Tischs. „Darin sollen die hiesigen Gepflogenheiten erklärt werden“, erläutererte Sabrina Freuling. Beim Inhalt habe sich die Gruppe auch an Kritik der Boostedter orientiert. Themen in dem Flyer sollen sein: Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann, Müllentsorgung, das richtige Anstehen und Verhalten an der Supermarktkasse (erst zahlen, dann die Ware öffnen), Zigarettenverbot für Kinder, Höflichkeit - und: Lächeln ist kein Flirten.

 Einige Boostedter bemängelten das gefährliche Verhalten von vielen Flüchtlingen am Kreisverkehr und am Fußgängerübergang an. „Die Verkehrswacht arbeitet gerade an einem Konzept“, erklärte Polizeihauptmann Birger Gossen. Die Polizeistation sei mit elf Beamten ganztägig jeden Tag in der Woche vor Ort und freue sich sehr über die vielen Aktionen für die Flüchtlinge. „Das hilft uns dabei, die Ruhe in der Einrichtung zu bewahren“, so Gossen.

 Sehr positiv berichteten die Schüler Karina Panchenko und Cjell Rechert über ihre Projekte mit den Flüchtlingen. Während die 16-jährige Karina mit einer weiteren Schülerin und einer Aufsichtsperson mit Kindern und Jugendlichen regelmäßig bastelt, packt der 14-jährige Cjell Pakete für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“. Das DRK-Betreuungsteam plant eine Adventsfeier in der Erstaufnahmeeinrichtung und auch der Nikolaus soll den Kindern Geschenke bringen. „Diese Bräuche sollen unsere Bewohner auch kennenlernen“, erklärte Andreas Hinrichs vom DRK.

 Auf die Frage eines Boostedters, wie viele Flüchtlinge die Gemeinde noch vertrage, konnte Bürgermeister König nur antworten: „Das kann niemand sagen, darauf haben wir keinen Einfluss. Aber ich merke, dass wir alle wirklich bis zum Anschlag gefordert sind.“

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