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Wer braucht den Volkstrauertag?

Bornhöved Wer braucht den Volkstrauertag?

Lang ist der letzte Krieg her, der auf deutschem Boden stattfand. 71 Jahre. Dass sich am 8. Mai die Kapitulation der deutschen Wehrmacht jährte, wurde in der Öffentlichkeit kaum noch bemerkt. In Bornhöved ist sogar fraglich, ob der Volkstrauertag noch begangen werden soll.

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Gedenktafel in Bornhöved: Wird der Volkstrauertag dort dieses Jahr noch begangen?

Quelle: Detlef Dreessen

Bornhöved. 2015 war die Teilnahme an der Gedenkveranstaltung äußerst dürftig. Außer den Mitwirkenden, namentlich Männergesangverein, Posaunenchor und Pastor, waren nur sechs Zuhörer vor Ort, wie Bürgermeister Dietrich Schwarz damals berichtete. In der Gemeindevertretung stellte er klar: „Entweder gibt es eine andere Form, oder wir lassen das auslaufen.“

 Zurzeit stehen die Zeichen offenbar in Richtung „auslaufen lassen“. Es gebe keine Gruppe, die sich für das Thema interessiere, sagt Schwarz. Von ihm werde der Anstoß auch nicht kommen. „Ich bin kein Freund des Volkstrauertages.“ Der werde zu oft als Heldengedenktag begangen. „Die Helden waren ganz arme Menschen, die einem hinterher gelaufen sind und sterben mussten.“ Den Millionen von Soldaten, die gar nicht oder verletzt an Körper und Seele aus dem Krieg nach Hause kamen, will Schwarz nicht Heldentum unterstellen, sondern allenfalls Mitleid zollen.

 Ganz anderes als zuletzt sah die Zeremonie an der Gedenkstätte noch bis vor wenigen Jahren aus: Feuerwehrleute mit Stahlhelm und Fackeln standen am Gedenkstein mit dem eingemeißelten Spruch: „Der Gott, der Eisen schuf, wollte keine Knechte.“ Als die Feuerwehrleute gebeten wurden, auf die martialischen Accessoires zu verzichten, seien sie fern geblieben, berichtet Schwarz. Zunächst kam man dann überein, die Gedenkfeier in der Kirche zu beginnen, wo in einem Vorraum die Namen von Bornhöveder Gefallenen auf Holztafeln stehen. Anschließend ging es zur Kranzniederlegung am Denkmal neben der Kirche. Noch ist Zeit, eine Entscheidung zu treffen: Der Termin 2016 ist der 13. November.

 „Der Volkstrauertag hat sich überlebt“, sagt Schwarz, in dessen Gemeinde das Thema „Krieg und Frieden“ trotzdem gegenwärtig ist: Flüchtlinge haben in Bornhöved Zuflucht gesucht, diesmal nicht aus Pommern und Schlesien, sondern aus Afghanistan und Syrien. Oft begleitet der Bürgermeister sie auf ihren Schritten in einer friedlichen, aber fremden Welt – und beobachtet zugleich die Auslandseinsätze der Bundeswehr. „Auch da werden wieder so genannte Helden geboren.“

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