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Buchhandel Bad Segeberg Literatur zum Anfassen

Vielerorts verdrängen Amazon, Thalia und Hugendubel andere Buchhandlungen vom Markt. Aber nicht überall. In Bad Segeberg halten sich kleine Buchhändler und trotzen den Giganten mit besonderen Angeboten.

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Die Segebergerin Liza Ohm verzauberte als weiblicher Part des Duos „Liza und Kay“, diesmal begleitet von Magnus Landsberg (rechts), das Publikum in der Buchhandlung Druckwerk.

Quelle: Detlef Dreessen

Bad Segeberg. „Bei den Großen wie Thalia findet man doch nur die Bestseller“, sagt Bianca Bolduan, Inhaberin der „Wortwerke“ in der Hamburger Straße 39. „Die vielen anderen Bücher verschwinden so in den Regalen, dass man sie kaum findet.“ In Bolduans kleiner Buchhandlung ist das anders: Gerade mal 200 Bücher sind im Angebot; allesamt von Autoren, die in kleinen Verlagen publizieren oder gar ihre Bücher selbst verlegen.

 Andrea Fischer setzt in im „Buch am Markt“ einen Schwerpunkt bei Kinderbüchern. Das lockt viele Eltern und Großeltern an, die ein Geschenk suchen und dabei noch etwas zum Stillen des eigenen Lesebedarfs mitnehmen. Da Andrea Fischer und ihre Mitarbeiterinnen die Bücher kennen, die sie verkaufen, haben sie auch den ein oder anderen Tipp parat.

 Auch Lars Arndt, Inhaber des Druckwerks, ist nicht nur Buchhändler, sondern auch selbst ein Büchernarr. Bücher, die er besonders wertvoll oder interessant findet, bekommen bei ihm ein „Herzchen“ des Monats. Damit hat der Kunde eine Auszeichnung eines Kenners – und nicht nur wie bei Bestsellerlisten eine Information, was die Masse kauft.

 Keine Chance hat Amazon, wenn es ums Erleben von Literatur geht. Die Segeberger Buchhandlungen bieten direkten Kontakt mit den Autoren. Meistens 30 bis 50 Zuhörer sitzen dann in der Runde, genießen das Vorlesen und in der Pause ein Getränk oder gar Schnittchen. Am Markt organisiert Krimi-Autor Hardy Pundt ein Literaturforum HörMalHin mit Autoren aus Norddeutschland, im Druckwerk kommen neben Segeberger und ehemaligen Segeberger Literaten auch Singer-Songwriter mit vertonter Literatur zum Zuge. Bianca Bolduan, die selbst eine Vielzahl von Büchern geschrieben hat, lädt die Autoren ein, deren Bücher sich in ihren Regalen tummeln, aber hin und wieder auch Freunde. Und sie bietet Workshops für Nachwuchsliteraten an.

 Gespannt sind viele Segeberger auf eine vierte, wiederum besondere Buchhandlung: ein Antiquariat im ehemaligen Lokal Berghalle am Karl-May-Platz. Dort werden mehr oder weniger antike Bücher angeboten, die nur noch gebraucht zu haben sind. Ein Schwerpunkt ist Literatur zu den Karl-May-Spielen, die einen Steinwurf entfernt im Sommer Hunderttausende anlocken. Auch Christian Bartsch und Marion Stolze, die Geschäftsführer des Antiquariats, wollen Veranstaltungen Raum bieten und dabei mit einem Pfund in dem Gebäude wuchern: dem großen Saal. Ausstellungen, Lesungen und Konzerte mit größerem Publikum sind dort möglich.

 Die heimische Kulturszene fördern die Buchhandlungen auch. So verkauft das Druckwerk CDs und Konzertkarten von hiesigen Veranstaltern, die Buchhandlung am Markt präsentiert im Mai eine Sonderausstellung mit Büchern von lokalen Schriftstellern. Damit das Interesse an Literatur bleibt, wird in der Kalkbergstadt Energie in die Nachwuchsarbeit gesteckt. Die Stadtbücherei lädt zu Veranstaltungen für Kinder, das Jugendzentrum bietet Kurzgeschichtenautoren bei Poetry-Slams ein Publikum. Im Sommer wird regelmäßig die „Segeberger Feder“ ausgelobt – einer der letzten dotierten Kinderbuchpreise der Republik.

 Ganz neu ist die Literaturversessenheit der Segeberger nicht. Schon die Bibliothek des Segeberger Klosters war bedeutend. „Tausende von Büchern standen dort“, weiß Historiker Nils Hinrichsen.

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