18 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Bürger buddeln selbst fürs Internet

Voßhöhlen Bürger buddeln selbst fürs Internet

Über hundert Bürger aus Bark, Todesfelde und Hartenholm buddeln in Eigenleistung einen Graben. Sie wollen Glasfaserleitungen und damit schnelle Internetanschlüsse in ihren Wohnort Voßhöhlen bringen, der auf dem Gebiet dreier Gemeinden liegt.

Voriger Artikel
Schulen wechseln die Gebäude
Nächster Artikel
Jugendliche gaben zwölf Stunden Handy ab

Der ehrenamtliche Bautrupp der Bürger aus Voßhöhlen buddelt in Eigenleistung den Graben, um in 80 Zentimeter Tiefe die Kabelstränge für das Glasfasernetz verlegen zu können.

Todesfelde. 80 Zentimeter tief ist er und vier Kilometer lang. Er führt von der Biogasanlage in Voßhöhlen parallel zur Landesstraße 167 bis zum Ortseingang von Todesfelde. Dort wird das Kabel an das neue Glasfasernetz angeschlossen, das derzeit die Oeringer Firma „Unser Ortsnetz“ verlegt.

 „Ich bin überwältigt von dieser solidarischen Eigeninitiative“, sagt Ralf Pütz, Geschäftsführer der Firma, die zur Unternehmensgruppe Deutsche Glasfaser gehört. „Die Erschließung des Ortsteils Voßhöhlen durch die Deutsche Glasfaser war wegen der immens hohen Kosten für die Tiefbauarbeiten über eine solche lange Distanz wirtschaftlich nicht vertretbar.“ Die Investition für den Anschluss der 55 Haushalte in Voßhöhlen hätte mindestens 100000 Euro betragen. „Deswegen mussten wir schweren Herzens den Ortsteil aus unseren Erschließungsplänen ausklammern.“

 Doch damit wollten sich die 160 Voßhöhler nicht abfinden. Schließlich hatten fast 90 Prozent der Haushalte Vorverträge für Glasfaseranschlüsse mit „Unser Ortsnetz“ abgeschlossen. Dass es so viele waren, half Todesfelde, die von „Unser Ortsnetz“ geforderte Mindestanschlussquote für die gesamte Gemeinde von 40 Prozent zu erfüllen. Eine Garantie für den Bau bis nach Voßhöhlen war damit aber nicht verbunden gewesen.

 Den nahmen die Bürger jetzt selbst in die Hand. Nach anfänglicher Wut und Trauer der Voßhöhler über die Ausgrenzung von den Erschließungsplänen beschlich sie schon bald das Gefühl: Jetzt erst recht! Unter Federführung einer Handvoll engagierter Landwirte und Unternehmer gründete sich eine Initiative. Ihr gehört mittlerweile fast jeder der 160 Voßhöhler an. In Eigenregie beschafften sie sich die für Tiefbauarbeiten an der L167 erforderlichen Genehmigungen der Behörden. Kurz vor Ostern gab es endlich grünes Licht.

 Wenige Tage später standen schon die ersten ehrenamtlichen Bautrupps bereit. „Sie haben sogar ihre eigenen Schaufeln mitgebracht, und auch die Minibagger stammen aus Privatbesitz“, erklärte Thomas Nehrmann, Geschäftsführer des Todesfelder Bauunternehmens Nehrmann. Er ist selbst Voßhöhler und ebenfalls Mitglied der Initiative.

 Schulter an Schulter baggern und schaufeln seitdem Banker neben Landwirten, Hausfrauen neben Rentnern, Arbeiter neben Akademikern. „Über einen Kilometer haben wir bereits geschafft“, freut sich Helfer Carsten Wittern. Auch das Kabel, das die Deutsche Glasfaser stellt, verlegen die Voßhöhler selbst.

 Im Todesfelder Ortskern wird mit demselben Ziel zurzeit ebenfalls kräftig geschaufelt. Allerdings nicht ehrenamtlich. Baukolonnen haben im Auftrag von „Unser Ortsnetz“ große Teile des Ortes erschlossen. In den Ausbau des Glasfasernetzes investiert das Mutterunternehmen Deutsche Glasfaser rund 600000 Euro. Wenn alles nach Plan läuft, sind die Verlegearbeiten spätestens im Sommer beendet. Unmittelbar danach wird das Netz aktiviert. Dann sollen Datenverkehr im Internet mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde, Telefonie und Fernsehempfang möglich sein – auch in Voßhöhlen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Anzeige