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Es geht um sozialen Frieden

Bad Segeberg Es geht um sozialen Frieden

Am Donnerstag begann für Bürgermeister Dieter Schönfeld (62) die zweite sechsjährige Amtszeit. Er war im März (als einziger Bewerber) mit großem Zuspruch wiedergewählt worden. Die Segeberger Zeitung sprach mit ihm über das Wachsen der Stadt in den nächsten sechs Jahren, über Finanzprobleme und darüber, warum die Bad Segeberger nur wegen Winnetou mit dem Bus fahren können.

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Bürgermeister Dieter Schönfeld (Mitte) freute sich über Glückwünsche und Präsente, die er von Vorzimmerdame Ulrike Peters-Strunk und Amtsleiter Carsten Schleicher im Namen aller Mitarbeiter bekam.

Bad Segeberg. Ist der Beginn der zweiten Amtszeit für Sie ein Neustart?

 Beamtenrechtlich ja. Es ist der erste Tag der zweiten Wahlperiode. Aber es gibt hier natürlich einen nahtlosen Übergang. Ich muss ja nicht mit mir selber eine konstituierende Sitzung machen.

 

 Sie haben jetzt in erster Linie sechs Jahre Vergangenheitsbewältigung hinter sich. War das frustrierend?

 Es wäre schöner gewesen, wenn ich mit den Bedingungen, wie ich sie jetzt vorfinde, hätte starten können. Die größte Herausforderung war die Schadensbegrenzung beim FehMare und beim Eichenhof. Wir haben aber auch schon viele Baumaßnahmen auf den Weg gebracht oder abgeschlossen; zum Beispiel die neue Promenade und die Dorfstraße. Dann wurde die Verwaltung durch eine Reform schlanker organisiert, ohne dass die Bürger das gespürt haben. Wir haben Geld gespart und zugleich die Jugendarbeit und die Schulsozialarbeit gestärkt.

 

 Was haben Sie sich für die nächsten sechs Jahre vorgenommen?

 Ich möchte den sozialen Frieden in der Stadt erhalten. Vor dem Hintergrund, dass wir vom Land gezwungen sind, Haushaltskonsolidierung zu machen, wird das nicht ganz einfach sein.

 

 Kommen schmerzhafte Einschnitte auf die Bad Segeberger zu?

 Ich hoffe nicht. Es geht unter anderem um den Erhalt des Hallenbades, des Ihlsee-Strandbades – und ich bin dafür, dass wir alle Anstrengungen unternehmen, den Stadtbus zu sichern. Im Grunde ist ja der Kreis für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr zuständig, aber hier hat man ein städtisches Angebot gemacht, und es hat sich sehr bewährt.

 

 Sind denn all diese Einrichtungen akut gefährdet?

 Das sind sie nicht. Aber man muss bedenken, dass die Stadt seit 1999 in jedem Jahr weniger Geld einnimmt als sie ausgibt. Das ist eine dramatische Situation.

 

 Das heißt, Winnetou muss dafür sorgen, dass weiterhin genug Geld in die Kasse kommt...

 Genau! Die Karl-May-Spiele sind wirtschaftlich stark. Vor ein paar Tagen gab es eine Gewinnabführung der Kalkberg GmbH an die Stadt für das Jahr 2014 in Höhe von 808000 Euro. Hinzu kommen jährlich zwischen 300000 und 500000 Euro von unserem örtlichen Energieversorger EWS.

 

 ...der ein bisschen mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen hat...

 Die EWS ist durch das eigene Büro in der Fußgängerzone sehr viel bürgernäher geworden. Man muss den Bürgern sagen: Es lohnt sich, Kunde bei sich selber zu sein. Ohne die Karl-May-Spiele und die EWS könnten wir uns weder den Stadtbus noch das Hallenbad leisten.

 

 

 Was kann die Stadt denn sonst noch tun, um aus den roten Zahlen herauszukommen?

 Sie muss in der Stadtentwicklung alles tun, um eine leistungsstarke Innenstadt zu erhalten und zugleich weitere Gewerbeflächen auszuweisen. Dazu zählt auch der Levo-Park.

 

 Das ist aber ein Zielkonflikt. Viele Unternehmer befürchten, dass zusätzliche Gewerbeflächen im Levo-Park ein Ladensterben in der Fußgängerzone auslösen. Gibt es da einen Königsweg?

 Der ist noch nicht gefunden. Da gibt es in der Tat Bewertungsunterschiede. Es ist aber ein reizvolles Ziel, einen neuen Stadtteil zu schaffen, der die Stadt mit Wohn- und Gewerbeflächen ergänzt, ohne den vormaligen Bestand zu gefährden. Es ist gut, wenn Bad Segeberg wächst.

 

 In welchen Größenordnungen denken Sie da?

 Wir sollten in den kommenden Jahren 300 bis 400 weitere Bauplätze baureif machen – mit dem Ziel, dass wir in den nächsten sechs bis acht Jahren um 2000 bis 3000 Einwohner wachsen. Die Infrastruktur dafür ist ja schon vorhanden, wenn ich da nur an unsere Kindertagesstätten und Schulen denke.

 

 Ihr Verhältnis zu Ihrer eigenen Partei, der SPD, soll in letzter Zeit etwas unterkühlt sein, seit die Genossen durchgesetzt haben, dass vor dem Rathaus die Regenbogenfahne aufgezogen wird. Stimmt das?

 Das ist richtig. Das war schon ein Stresstest, weil ich zur Beflaggung des Rathauses eine abweichende Meinung habe – aber nicht zu dem Thema, das der Regenbogenflagge zugrunde liegt. Das unterstütze ich sehr, aber hier gehört es nicht hin.

 

 Hat es da mit der SPD richtig gekracht?

 Ich hatte ein intensives Gespräch mit dem Ortsvereinsvorsitzenden. Er hat mir zugestimmt, dass es solche Anträge in Zukunft nicht mehr geben wird. Noch einmal: Es ging mir nicht darum, die Rechte des betroffenen Personenkreises zu beschneiden.

 

 Gibt es etwas, das sie im Nachhinein gern anders angepackt hätten?

 Nein, ich glaube nicht. Es ist die besondere Mentalität der Bad Segeberger Politik, viele Themen mehrfach zu beraten. Das kommt nicht gerade meinem Ansinnen entgegen, Doppelstrukturen zu vermeiden. Es kommt vor, dass ein- und dieselbe Fraktion in drei unterschiedlichen Ausschüssen zum selben Thema drei unterschiedliche Empfehlungen gibt und hinterher in der Stadtvertretung noch einmal anders entscheidet. Das ist aber offenbar nicht wegzukriegen.

 

 Sind Sie optimistisch, was die Jahre bis 2021 für Bad Segeberg angeht?

 Es gibt noch viele Ideen, es gibt auch viele Ziele wie die Stadtentwicklung. Trotz des knappen Geldes kann man eine vernünftige Zukunft gestalten. Was die finanzielle Ausstattung angeht, sind wir gegen die HSH Nordbank und die Fifa sowieso nur wirtschaftliche Kleingärtner...

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