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Frust im Ehrenamt

Groß Kummerfeld Frust im Ehrenamt

Im Jahr 2011 rief die Europäische Union das Jahr des Ehrenamtes aus. Vier Jahre später droht der Gemeinde Groß Kummerfeld diese Grundsubstanz des Gemeinwesens auszugehen.

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Respektlos findet Groß Kummerfelds Bürgermeister Jörg Wrage die Haltung mancher Mitbürger gegenüber den Ehrenamtlichen.

Quelle: Detlef Dreessen

Groß Kummerfeld. Zu viel Arbeit auf zu wenigen Schultern und zu wenig Anerkennung, stellt Bürgermeister Jörg Wrage fest.

 Offenkundig wurde das im Generationenausschuss. Wrage erinnerte daran, dass am 11. Juli 2016 das 875-jährige Bestehen des Dorfes Groß Kummerfeld gefeiert werden kann. Die Reaktion war zurückhaltend, berichtete er anschließend. Er kann sogar verstehen, dass die Begeisterung sich in Grenzen hielt. „Es sind immer die Gleichen, die da kommen. Und es sind immer dieselben, die so etwas vorbereiten und organisieren.“

 Vor einem Vierteljahrhundert war das 850-jährige Jubiläum noch groß im Dorf gefeiert worden. Ein Erinnerungsstein zur ersten urkundlichen Erwähnung wurde feierlich enthüllt. Ob es diesmal ein Fest gibt, gar mit Umzug oder Spielen, soll in Ruhe in den Fraktionen besprochen werden. Falls es kein Vorbereitungskommitee gibt, dann eben nicht.

 Beim Thema „Willkommenskultur“, mit dem landauf landab der Edelmut der Freiwilligen gefordert wird, herrschte im Ausschuss ebenfalls Einsilbigkeit. Eine Frau kümmere sich um die elf Asylbewerber, die in Groß Kummerfeld untergekommen sind, berichtete Wrage. In einer Gemeinde von der Größe Groß Kummerfelds mit seinen rund 2000 Einwohnern sei die Anzahl derer nun einmal begrenzt, die Sprachunterricht, Begleitung bei Arzt- und Behördengängen sowie Gespräche über die dramatischen Lebensgeschichte der Betroffenen - neben vielen anderen Aufgaben - leisten können. Zumal diejenigen, die bereit sind, sich für die Gemeinschaft einzusetzen, schon bis über die Ohren in Arbeit versinken. Die Arbeit in der Feuerwehr beispielsweise wird immer anspruchsvoller. Diejenigen, die tagsüber zur Verfügung stehen, müssen öfter zum Rettungseinsatz auch in Nachbargemeinden, weil viele Feuerwehrleute auswärts arbeiten.

 Zu einem Elternabend zum Thema Brandschutz hatten sich im Kindergarten bei 70 Kindern nur zehn Eltern angemeldet. Schon das sei wenig, sagt Wrage. Die noch größere Enttäuschung erlebte der Feuerwehrmann, der sich auf den Vortrag intensiv vorbereitet hatte, als von diesen zehn Eltern nur einer erschien. „90 Prozent haben sich nicht einmal abgemeldet“, schimpft Wrage. Dabei hätte der Referent auch anderes zu tun, als den Abend in den Brandschutz seiner Mitmenschen zu investieren. Für diese Haltung findet Wrage nur eine Erklärung: „Das ist einfach respektlos!“

 Ob es eine 875-Jahr-Feier gibt, sieht Wrage skeptisch. Selbst wenn es ein Organisationsteam gibt und die Leute sagen, sie wollten feiern, könne man sich nicht darauf verlassen, dass sie dann am Festtag wirklich erscheinen. Und in einem Festzelt mit einer Hand von Verlässlichen zusammenzusitzen, darauf hat Wrage keine Lust.

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