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„Wir sind Tierschützer“

Circus Krone in Kaltenkirchen „Wir sind Tierschützer“

Amn Mittwoch kommt der riesige Tross vom Circus Krone nach Kaltenkirchen. Auf dem Festplatz am Freizeitpark soll schon morgen Vormittag die Tierschau öffnen und am Nachmittag die erste von acht Vorstellungen beginnen. Die logistische Herausforderung ist enorm - auch wegen der Tiere.

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Kein Stress, dafür Streicheleinheiten für den König der Tiere: Der weiße Löwe lässt sich gern von Dompteur Martin Lacey kraulen.

Quelle: Privat

Kaltenkirchen. Zur Krone-Karawane gehören fast 400 Menschen, mehr als 200 Tiere, 330 Wohn- und Gerätewagen und ein Zelt für nahezu 4000 Zuschauer. Es gibt ein rollendes Restaurant, Circus-Schule, Betriebsfeuerwehr, und diverse Werkstätten wie Tischlerei, Sattlerei und Schneiderei. Die wichtigsten Utensilien sind doppelt vorhanden, damit ein Vorab-Trupp sie schon jeweils im nächsten Gastspielort aufbauen kann: So sind die Hauptmasten fürs größte transportable Zirkuszelt der Welt und Quartiere für die Tiere schon Kaltenkirchen angekommen. Denn jeder Tag ohne Vorstellung bringt nichts in die Kasse. Dagegen fallen Kosten von 40000 Euro pro Tag an.

 „Wir bekommen dafür bezahlt, dass wir herumkommen“, sagte Frank Keller. Er erledigt die Öffentlichkeitsarbeit für das Familienunternehmen und kümmert sich um einen Bereich, der oft im Fokus steht: Keller ist Tierschutzbeauftragter bei Krone. Seine Reaktion auf Protestaktionen gegen eine generelle Haltung von Tieren im Zirkussen: „Man muss Aufklärungsarbeit leisten.“ Besucher der Krone-Tierschau können unter anderem Löwen, Papageien und Lamas aus der Nähe betrachten und auch zuschauen, wenn Elefanten per Dampfstrahler gewaschen werden. Zugucken erwünscht ist ebenso, wenn Tiertrainer Martin Lacey mit seinen weißen Löwen oder seine Frau Jana Lacey-Krone mit Lipizzanern in der Manege proben. Erwünscht sind ebenso Einblicke in den 100 Meter langen Pferdestall oder ins 100000-Liter-Bassin mit den Seelöwen.

 „Die richtigen Tierschützer, das sind wir“, behauptet Keller. Die Pfleger und Trainer seien täglich mit ihren Schützlingen beschäftigt. 39 Löwen reisen mit dem Zirkustross; damit jeder seine zwölf Kilo Fleisch pro Tag frisch bekommt, steht ein Kühlwagen am Rand des Geländes. Die Raubkatzen haben Käfige und Zugang zu Außengehegen. Sie brauchen ihr Fressen nicht zu jagen und werden von niemandem bedroht, also liegen sie am liebsten faul herum. Als Beleg für die gute Pflege zeigt Keller zwei Löwinnen, die mit 23 und 26 Jahren für ihre Art ein hohes Alter erreicht haben.

 Die Kontrolldichte bei einem Zirkus würde vielen Reitstallbesitzern oder Landwirten wohl als Schikane vorkommen: „Einmal pro Woche, an jedem neuen Spielort, begutachtet ein Amtstierarzt die Tiere“, berichtet Frank Keller. Die Beobachtungen des Veterinärs werden in einem Zirkuszentralregister gespeichert, damit der Kollege im nächsten Ort sich vorbereiten kann und nachgucken kann, wie es beispielsweise inzwischen einem Pferd geht, das eine Woche zuvor noch lahmte.

 Wie groß die Käfige und Außengehege sein müssen oder dass für die Raubkatzen erhöhte Liegeplätze und Spielzeug vorhanden sein müssen, ist in amtlichen Leitlinien festgelegt.

 Zu lernen gibt es beim Rundgang viel: Tiger baden gern, einer spielt gerade im Bassin mit seinem „Stöckchen“, einem Baumstamm. Bei den Seelöwen dürfen Besucher sogar ins Becken steigen; Neopren-Anzüge hat der Zirkus parat. Im Huckepack geht es flott herum, die 230 Kilo schweren Tiere schmusen auch mal gern. Für jedes Kunststückchen gibt es vom Trainer Roland Duss ein fischiges Leckerli zur Belohnung.

 Der Phlegmatiker in der Truppe heißt Tsavo, ein dreieinhalb Tonnen schwerer Nashornbulle, der sich von Trainer Martin Lacey zwar aus seinem Zelt locken lässt, aber das Leckerli verschmäht er; einmal die Ohren kraulen, dann verschwindet er wieder zum Nickerchen. Tsavo gehört auch ins Programm, Kunststücke absolviert er aber nicht: Er beeindruckt mit seiner Gestalt, beschreibt Frank Keller die Rolle des Dickhäuters.

 Die Atmosphäre zwischen den Gehegen ist entspannt, viele Zirkus-Mitarbeiter sind beschäftigt, ein großer Teil von ihnen mit den Tieren. Für Frank Keller ist klar: „Ein Zirkus ohne Tiere ist kein Zirkus, das ist ein Varieté.“ Auslauf, Beschäftigung – das ist alles geregelt, aber wie stressig ist das Reisen für die Tiere? Frank Keller verweist auf eine Untersuchung, die Krone vornehmen ließ: In Speichelproben wurden vor, während und nach einer Reise die Werte des Stress-Hormons Cortisol gemessen; Ergebnis laut Keller: Die Tiere empfänden „überhaupt keinen Stress“.

 Der Krone-Zoo wird ab morgen bis Sonntag täglich ab 10 Uhr öffnen. Als Willkommensgruß wird am am Premierentag von 10 bis 13 Uhr kein Eintrittsgeld verlangt, sonst zahlen Erwachsene 4 Euro, Kinder 3 Euro. Vor den vier Nachmittagsvorstellungen startet jeweils eine halbe Stunde vorher ein Vorprogramm für Kinder. Unter dem Motto „Circus zum Mitmachen" können sich alle jungen Besucher als Artisten versuchen. Die Kinder werden von den Krone-Clowns geschminkt und dürfen, durch eine Longe gesichert, auf Pferden reiten. Oder sie können in einem Schnellkursus das Jonglieren erlernen.

 Zirkusdirektorin Christel Sembach-Krone hat der Stadtverwaltung bereits ein Geschenk überreichen lassen: 500 Freikarten für sozial schwache Familien und Flüchtlinge.

 Aufführungen vom 23. bis 26. Juli auf dem Festplatz: Donnerstag, Freitag und Sonnabend jeweils ab 15.30 und 20 Uhr, am Sonntag ab 14 und 18 Uhr. Krone-Kasse: Telefon: 01805 / 247 287.

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