17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Die Psyche leidet am meisten

Gesundheitsreport Die Psyche leidet am meisten

Die Segeberger sind häufiger krank als andere Schleswig-Holsteiner. Das hat die Krankenkasse DAK ermittelt. Außerdem leiden hier überdurchschnittlich viele Menschen an psychischen Erkrankungen, vor allem Frauen.

Voriger Artikel
Polizei sucht Spielhallen-Räuber
Nächster Artikel
Nun beschlossene Sache

Obwohl Frauen einen höheren Krankenstand haben, schleppen sie sich noch häufiger als Männer krank zur Arbeit. Das geht aus dem Gesundheitsreport für den Kreis Segeberg vor, den Nils Junker vorstellte.

Quelle: DAK

Kreis Segeberg. Den DAK-Gesundheitsreport für den Kreis Segeberg präsentierte Niederlassungsleiter Nils Junker. Selbst der Experte war erstaunt, als er einen Blick auf die Ursachen für Krankschreibungen warf. „Das erste Mal führen psychische Erkrankungen die Liste an“, sagte er. Depressionen, Neurosen oder Angststörungen machen hier 23,3 Prozent der Fehltage aus, weit über dem Landesdurchschnitt. Waren es 2014 noch 315 Fehltage je 100 Versicherten, so stieg die Zahl 2015 auf 356. „Exorbitant“, kommentierte Junker die Zahlen. Insgesamt wurde die Diagnose 13 Prozent häufiger gestellt als im Vorjahr. Das sei untypisch, anderenorts liegen Rückenschmerzen, Bandscheibenschäden oder Knieprobleme vorn, die im Kreis Segeberg mit 19,3 Prozent auf Platz 2 landen. Bei den Erkrankungen im Muskel-Skelett-System gingen die Fehltage hier von 332 auf 295 zurück. Es folgten Atemwegsbeschwerden wie Erkältungen und Bronchitis, vor Verletzungen und Vergiftungen.

 Insgesamt ist laut der DAK-Zahlen der Krankenstand im Kreis Segeberg 2015 leicht auf 4,2 Prozent gestiegen. Damit waren an jeden Tag des Vorjahres 42 von 1000 Arbeitnehmern krankgeschrieben. Der Landesdurchschnitt liegt bei 4 Prozent, der höchste Stand mit 4,5 Prozent in den Kreisen Plön und Ostholstein, der niedrigste mit 3,7 Prozent in Neumünster.

 Frauen sind häufiger krank als Männer, im Kreis ebenso wie im Land. Der auffälligste Unterschied zwischen den Geschlechtern im Kreis Segeberg: Fehltage (je 100 Versicherten) wegen psychischer Erkrankungen. Während es bei den Frauen 511 waren, kamen die Männer „nur“ auf 223. Bei ihnen ist das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung stark erhöht.

 Andererseits schleppen Arbeitnehmerinnen sich öfter in den Betrieb, obwohl sie sich eigentlich im Bett auskurieren sollten. Experten sprechen vom Präsentismus: 79 Prozent der Frauen in Schleswig-Holstein gaben bei der DAK-Befragung an, 2015 mindestens einmal krank bei der Arbeit gewesen zu sein. Von den Männern sagten das 60 Prozent. Als Hauptgründe nannten Frauen, dass sie ihre Kollegen nicht hängen lassen wollten (86 Prozent) oder ihre Arbeit fertigstellen müssten. „Das geht gar nicht“, meinte Junker. Andererseits macht sich die Doppelbelastung bemerkbar. Berufstätige Mütter melden sich wesentlich häufiger als Väter im Betrieb krank, wenn sie ihre kranken Kinder betreuen müssen.

 Junker und seine Kasse nehmen die Zahlen zum Anlass, an die Fürsorgepflicht der Arbeitgeber zu appellieren. Ein betriebliches Gesundheitsmanagement sei nicht nur für große, sondern auch für kleine Unternehmen von Vorteil. Prävention müsse großgeschrieben werden. Um Langzeiterkrankungen wie Rückenleiden oder Depressionen vorzubeugen, böte die DAK den Arbeitgebern konkrete Hilfe an.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3