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DRK gibt Pflege zum Teil auf

Rohlstorf-Warder DRK gibt Pflege zum Teil auf

Das Rote Kreuz im Kreis macht Schluss mit der Pflege auf dem platten Land. 42 Verträge mit alten und gebrechlichen Menschen werden kurzfristig gekündigt, angeblich wegen der angespannten Personalsituation. Kunden reagieren entsetzt.

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Ihren Haushalt führt Ilse Holst aus Warder noch selbst, doch morgens beim Anziehen der Kompressionsstrümpfe benötigt die 82-Jährige professionelle Hilfe. Die wurde ihr vom DRK-Kreisverband Segeberg gekündigt.

Quelle: Stöver

Kreis Segeberg. „Als ich Montag die Kündigung las, war ich echt verzweifelt“, sagt Ilse Holst. Die 82-Jährige aus Warder (Gemeinde Rohlstorf) braucht wegen körperlicher Gebrechen jeden Morgen fachliche Unterstützung. Seit etwa fünf Jahren helfen ihr wechselnde Mitarbeiter der „Pflege zu Hause“ im DRK-Kreisverband Segeberg. Mit Schreiben vom 12. Juni teilt der ihr mit, dass der Versorgungsvertrag ab dem 1. Juli nicht mehr erfüllt wird. „Uns fehlt für die adäquate Versorgung unserer ländlich wohnenden Patienten leider das notwendige Personal. Zum heutigen Zeitpunkt ist auch nicht absehbar, ob sich die personelle Situation zeitnah positiv entwickeln wird. Deshalb möchte ich Sie bitten, sich um einen nachversorgenden Pflegedienst zu bemühen“, schreibt, mit freundlichen Grüßen, Vorstand Stefan Gerke.

 Ilse Holst, die von diversen Krankheiten und Gebrechen gezeichnet ist, braucht morgens die externe Hilfe, um die Kompressionsstrümpfe anzuziehen. Ihre Medikamente nimmt sie allein, bei der Körperpflege hilft ihr Sohn. Die alte Frau leidet an Diabetes, hat Herzinfarkte und Bandscheinoperationen hinter sich. In den fünf Jahren Betreuung durch den Pflegedienst hätten sich nette Kontakte aufgebaut, sagt sie. Eine ehemalige DRK-Mitarbeiterin hilft ihr jetzt bei der Suche nach einem neuen Anbieter.

 Die haben jedoch das gleiche Problem wie das DRK: Personal ist kaum zu finden. Jetzt mehren sich die Anfragen, doch nur die Allerwenigsten können als neue Kunden angenommen werden. „Die Konsequenz wird sein, dass die Angehörigen die Pflegebedürftigen in ein Heim geben, weil die Pflege sonst nicht zu leisten ist“, vermutet Kathrin Zander vom Pflegeteam Segeberg der Arbeiterwohlfahrt.

 Der DRK-Kreisverband Segeberg unterhält neun Pflegeteams im Kreis Segeberg, beschäftigt rund 200 Mitarbeiter in der Pflege. Gerke versucht Verständnis für die Entscheidung zu wecken. Die Interessen des Personals müssten in den Vordergrund gestellt werden. Und die Mitarbeiter hätten gesagt: Wir können so nicht mehr. Durch Organisationsgeschick habe sich die Lücke nicht mehr schließen lassen. Es hätten Aufgaben reduziert werden müssen, mit der durchgreifendsten Wirkung im ländlichen Raum. Dort seien lange Anfahrtswege das Problem. Im vorigen Jahr wurde für Bad Segeberg und Umgebung ein Fahranteil von 48,2 Prozent errechnet - die Hälfte ihrer Arbeitszeit sitzt eine Schwester im Auto. In Kaltenkirchen/Henstedt-Ulzburg seien es nur 17 Prozent. „Wir brauchen die Pflegekraft in der Pflege und nicht am Autosteuer“, sagt Gerken. Er wolle niemanden im Regen stehen lassen, „doch wir können das Angebot nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag aufrecht erhalten.“

 „Das ist wirklich nicht das, was man von einem anerkannten Wohlfahrtsverband erwartet“, kommentiert Rudolf Beeth, Vorsitzender des Sozialausschusses im Segeberger Kreistag. Er beklagt ein Handeln zum Schaden der Menschen, die zwingend auf Pflege angewiesen sind. Warders DRK-Ortsvorsitzender Wolfgang von Fintel saß vor wenigen Wochen mit den anderen DRK-Ortsvereinsvorsitzenden zusammen. Der Kreisvorstand habe über die Krise in der Pflege nicht gesprochen. „Information mangelhaft“ wirft er dem Kreisverband vor. Für die Dörfer im Umland sei eine sehr bedauerliche und einschränkende Situation eingetreten, beklagt Amtsvorsteherin Gretel Jürgens (Trave-Land). Damit habe sie nicht gerechnet.

 „Sollte sich die personelle Situation entspannen, melden wir uns sehr gerne bei Ihnen“, beendet Gerken das Kündigungsschreiben. Bei Ilse Holst beißt er damit allerdings auf Granit. Die ist vom DRK so enttäuscht, dass sie dessen Dienste nicht wieder in Anspruch nehmen will.

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