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Tütenweise Ohrstöpsel

DRK Kaltenkirchen Tütenweise Ohrstöpsel

Vom 30. Juli bis 1. August herrscht in dem sonst so beschaulichen Dorf Wacken in der Nähe von Itzehoe wieder Ausnahmezustand. Mittendrin beim Open-Air-Spektakel für Zehntausende Heavy-Metal-Fans sind mehr als 500 ehrenamtliche Helfer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), darunter 35 aus Kaltenkirchen.

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Ehrenamtler vom Deutschen Roten Kreuz aus Kaltenkirchen sind materiell für ihren Einsatz beim „Wacken Open Air“ gerüstet. Das erste Mal in Wacken wird das neue DRK-Quad eingesetzt, um auf dem Festivalgelände mobiler zu sein.

Quelle: Gudrun Ehlers

Kaltenkirchen. „Wir brauchten mehrere Monate Vorlaufzeit. Das Material musste beschafft werden, Einsatzfahrzeuge wurden vorbereitet und die Mannschaft wurde zusammengestellt“, erzählt Nils Bade, Einsatzleiter der Truppe aus Kaltenkirchen.

 Im DRK-Zentrum an der Alvesloher Straße wurden unter dem Motto „Packen für Wacken“ Hunderte Kartons befüllt: Verbandsmaterial, Einwegdecken und –kissen, Einweg-Handschuhe, Pflaster, Salben, Spritzen, Kanülen, Zelte. Und ganz wichtig: tütenweise Ohrstöpsel. Die sind nicht für die Besucher gedacht, sondern für die Einsatzkräfte. „Dieser Schutz muss sein, wenn man den ganzen Tag auf dem Gelände der Beschallung ausgesetzt ist. Besonders im Bühnenbereich kann es sehr unangenehm für die Ohren werden“, weiß Bade aus langjähriger Wacken-Erfahrung.

 Trotzdem ist der Einsatz beliebt bei den Helfern. Fast alle trugen beim Packen schwarze T-Shirts mit einem Aufdruck vom Wacken Open Air (WOA): Erinnerungsstücke aus den Vorjahren. „Wir sind ein Trupp von Enthusiasten und schon aufeinander eingeschworen“, erzählt der 40-jährige Einsatzleiter. „Vor zehn Jahren haben wir noch mit Hilfe von Radio Schleswig-Holstein nach Helfern gesucht, jetzt können sich DRK Helfer über das Internet bewerben und die Liste wird immer länger. Mittlerweile melden sich um die 900 Bewerber deutschlandweit. So viele werden am Ende gar nicht gebraucht, aber es ist toll, dass so viele dort mithelfen wollen“, meint Nils Bade. Einfach ist der Einsatz nicht. Viele Stunden Arbeit unter nicht immer angenehmen Bedingungen - mit Hitze und Staub oder Regen und Matsch.

 Durchschnittlich 4000 Hilfsfälle wurden bislang pro Festival registriert. „Wir sind schon vor dem Festivalstart vor Ort und betreuen dann die Kolonnen, die die Bühnen aufbauen. Auch dabei kann sich jemand verletzen. Auf dem Campingplatz ist auch schon Betrieb“, schildert Bade. Als erstes zieht der DRK-Kochtrupp auf das Gelände und baut alles für die Versorgung der eigenen Mannschaft auf.

 Zentrale Anlaufstelle für Festival-Besucher mit gesundheitlichen Problemen ist das große DRK-Versorgungszelt. „Blasen an Füßen, Verbrennungen, Schnittverletzungen, auch schon mal ein ausgekugelter Arm, Kopfverletzungen. Und bei Hitze kommen viele Kreislaufzusammenbrüche dazu, weil zu wenig, vor allem das Falsche getrunken wird“, erklärt Sanitäter Bade. Es gibt allerdings auch besondere Härtefälle. „Einer hatte sich aus extrem starkem Klebeband eine provisorische Unterhose gebastelt. Vorher hatte er wohl nicht überlegt, dass die auch irgendwann wieder runter muss. Das wurde für ihn sehr schmerzhaft“, erzählte Bade. Bei Knochenbrüchen und chirurgischen Notfällen werden die Patienten in die Krankenhäuser nach Itzehoe oder Heide gefahren. Oder auch in Spezialkliniken: Beispielsweise mit Verletzungen an Augen. „Die meisten Patienten wollen aber gar nicht ins Krankenhaus, um das Konzert nicht verpassen“, meint Nils Bade.

 Ansporn für die Helfer sei weniger die laute Musik kostenlos hören zu dürfen, sondern die einzigartige Stimmung auf dem Gelände, sagt der Einsatzleiter. Und auch die Dankbarkeit, die ihnen von Patienten entgegenkommt. „Das wir das alles ehrenamtlich machen, können viele Besucher gar nicht verstehen und finden es klasse: Das motiviert“, erklärt Bade.

 Für den 40-jährigen DRKler hat Wacken eine ganz besondere Bedeutung: „Ich habe hier meine Frau Bianca kennengelernt. Wir haben uns hier auch verlobt“. Mittlerweile hat das Paar zwei Jungs und fährt auch dieses Mal wieder gemeinsam nach Wacken. Bade: „Dabei ist das gar nicht meine Musikrichtung.“

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