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Ein starkes Duo

Daldorf Ein starkes Duo

Anja (47) und Susan Bergmeier (49) fühlen sich wohl in Daldorf: Als langjährige Großstädter jetzt in einem Dorf lebend, mit drei Familiengenerationen unter einem Dach, als lesbisches Paar mit Kind – und als Zweier-Fraktion in der Gemeindevertretung.

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Das private und politische Paar Anja und Susan Bergmeier haben sich gut in Daldorf eingelebt. In der Alten Schule, wo die Gemeindevertretung tagt, bilden sie gemeinsam eine namenlose Fraktion.

Quelle: Gerrit Sponholz

Daldorf. 2011 hatten sich Anja Bergmeier, die kaufmännische Angestellte, und Susan Bergmeier, die Beamtin bei der Deutschen Bahn, für den Ortswechsel entschieden. „Wir suchten ein größeres Haus, in ländlicher Gegend und ruhiger als in Hamburg“, sagt Anja Bergmeier. Wir: Das waren ihre Frau Susan, der Schwiegervater und die schon erwachsene Tochter, die Anja in die Partnerschaft eingebracht hat. Susan hatte sie adoptiert.

 Sie hätten schnell Kontakt zu den Daldorfern gesucht und gefunden, sagen die beiden Frauen. Am Anfang seien sie für Schwestern gehalten worden. Doch Anja und Susan Bergmeier klärten rasch auf: „Wir sind offen damit umgegangen, dass wir ein lesbisches Paar sind. So haben wir auch einem möglichen Gerede gleich den Wind aus den Segeln genommen.“ Ressentiments oder blöde Bemerkungen habe es keine gegeben. Nur einmal hätten Jugendliche sich kurz zugeraunt: „Guck mal, da sind zwei Lesben!“ Aber nach einem kurzen lustigen Zuruf hätten sie sich schnell getrollt.

 „Wir sind offen aufgenommen worden, es gab keine Vorbehalte“, freuen sich beide Frauen. Manche Leute hätten nur damit Schwierigkeiten, diese Partnerschaft auch als „richtige Ehe“ zu betrachten. Andererseits hätten die beiden Frauen auch Bedauern von manchem gehört, dass der Staat einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft noch immer nicht die selben Rechte einräume wie einer heterosexuellen Ehe.

 Die beiden Frauen haben sich frühzeitig ins Dorfleben eingebracht, sind Mitglieder im Bürgerverein, schnacken bei Feiern mit, und gehören der Feuerwehr an. Da gehört es dann nach Dienstschluss auch mal dazu, gemeinsam einen Schnaps zu trinken.

 Anja Bergmeier geriet früh in die Dorfpolitik. Eine Mitstreiterin der Wählergemeinschaft Daldorfer Interessen Gemeinschaft (DIG) hatte sie gelockt. „Ich bin einfach mal zu einer Mitgliederversammlung der DIG gegangen.“ Sie habe Gefallen gefunden, möge Sachpolitik und habe einige Ideen vorgetragen, erzählt sie. 2013 wurde sie zur Gemeindevertreterin gewählt. „Das war völliges Neuland für mich, und ich war die einzige Frau dort.“

 Anfangs sei sie über den Ton in der Gemeindevertretung sehr erschrocken gewesen. Zwischen DIG und CDU sei es hart zugegangen, es sei gepöbelt und fast hasserfüllt diskutiert worden. „Ich hatte immer gedacht, in der Politik geht es um die Sache.“ Doch die Wogen glätteten sich, es gab Personalwechsel. Mittlerweile sei der Ton in der Gemeindevertretung sehr nett geworden, die Zusammenarbeit gut. Anja Bergmeier legt Wert darauf, in den Sitzungen auch die Bürger zu Wort kommen zu lassen. Es gehe doch auch immer darum, für die und in der Dorfgemeinschaft zu arbeiten. Susan ist stolz auf das Engagement ihrer Partnerin. „Anja wird von den anderen Politikern geschätzt, auch von der CDU.“

 Die DIG hat sich mittlerweile aufgelöst, manche DIG-Politiker haben sich zurückgezogen. Anja Bergmeier war schon 2014 aus der DIG ausgetreten. Susan Bergmeier rückte im Sommer in die Gemeindevertretung nach. Nun bilden sie gemeinsam eine namenlose Zweier-Fraktion. Sie sind nun nicht nur privat, sondern auch politisch ein starkes Duo.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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