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Atom-Schutt: Misstrauen ist da

Damsdorf Atom-Schutt: Misstrauen ist da

Sollen auf der Abfalldeponie Damsdorf/Tensfeld Überreste abzureißender Atomkraftwerke zwischengelagert werden? Kritisch, aber insgesamt ruhig blieb die Stimmung bei einer Informationsveranstaltung der Gemeinden Damsdorf, Tensfeld und Tarbek.

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„Wer garantiert, dass da nicht geschummelt wird – Stichwort Abgasskandal?", fragte Steffi Hazler (links), Anwohnerin aus Tensfeld.

Quelle: Detlef Dreessen

Damsdorf. Knapp 200 Interessierte waren gekommen, darunter auch Bürgermeister aus den Nachbargemeinden, um zu hören, inwieweit die Damsdorfer Deponie des Wege-Zweckverbandes Müll aus Kraftwerken aufnehmen soll. Die Anwesenheit zweier Polizeibeamter im Damsdorfer Dörphus am Donnerstag war wohl eher dem Interesse der Beamten geschuldet als einer drohenden Eskalation. „Die Stimmung in Tarbek ist negativ“, sagte Tarbeks Bürgermeister Jörn Saggau. Auch Damsdorfs Bürgermeister Jürgen Kaack berichtete von verbreiteter Skepsis.

 Es gehe nicht um den Atommüll im engeren Sinne, sondern um Tore, Wege, Mauern und andere Teile der Anlagen, die in Brokdorf, Brunsbüttel, Krümmel und Geesthacht stillgelegt werden, stellte Oliver Karschick, Mitarbeiter der Atomaufsicht in Kiel, klar. Von den insgesamt 800000 Tonnen solle die Deponie Damsdorf in den kommenden 22 Jahren jährlich 240 aufnehmen. Das sei relativ wenig, befand Kretschmer. „Wir werden von der Menge nichts merken.“ Auch der Verkehr werde nicht deutlich mehr. Es gehe um etwa zehn Lkw-Ladungen pro Jahr. Auch die Strahlungsbelastung sei gering, betonte Kretschmer.

 Die direkt mit der Verladung betrauten Arbeiter seien das Maß aller Dinge, was die höchstzulässige Strahlendosis betrifft, sagte Dr. Jürgen Müller, Referatsleiter der Abteilung Reaktorsicherheit und Strahlenschutz. Gesetzlich vorgeschrieben sei, dass Menschen maximal eine Strahlung von 10 Mikrosievert im Jahr abbekommen dürfen. Das sei ein Zwanzigstel dessen, was aufgrund von natürlicher Strahlung überall in Holstein vorhanden ist.

 Misstrauen schlug den Fachleuten trotz dieser Zahlen entgegen. Steffi Hazler aus Tensfeld etwa fragte, ob nicht doch stärker belastetes Material komme. „Ich sage nur: VW-Abgasskandal.“ Karschick sagte ein umfangreiches Kontrollverfahren zu. „Wenn wir den Behörden in einem Rechtsstaat nicht mehr glauben, wem sollen wir dann noch glauben?“, sprang Kretschmer ihm zur Seite.

 Tim Bendler äußerte die Befürchtung, dass die Immobilienpreise sinken könnten. Das hätten die Besitzer selbst im Griff, entgegnete Müller. „Wer Transparente mit unzutreffenden Worten wie ‚Atommüll‘ aufhängt, sorgt selbst dafür, dass die Immobilienpreise sinken.“ Letztlich, stellte Uwe Meyer vom Abfallreferat im Umweltministerium klar, gebe es gesetzliche Vorschriften, aufgrund derer die Kraftwerksbetreiber das Recht hätten, die Gebäude jetzt abzubauen und den Schutt zu deponieren. Dem müsse die Landesregierung nachkommen, wohl oder übel.

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Foto: Strahlenschutz-Leiter Ronny Fix-Faroldi zeigt im Kernkraftwerk Brunsbüttel die Messung von Radioaktivität in Stein. Die Betreiber und das Ministerium für Energiewende demonstrierten hier die Messverfahren für Materialien, die beim Abbau von Akws anfallen und auf Deponien gelagert werden sollen.

Wie gefährlich ist der Schutt, der beim Abriss eines Atomkraftwerkes anfällt? Zum allergrößten Teil überhaupt nicht, sagt das Energieministerium in Kiel. Bei der Stilllegung und Entsorgung kerntechnischer Anlagen in Schleswig-Holstein sind laut Atomaufsicht lediglich rund zwei Prozent der Abfälle radioaktiv belastet.

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