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Gedenken zu militärisch?

Volkstrauertag Gedenken zu militärisch?

Im gesamten Kreis wurde am Sonntag der Volkstrauertag begangen. Mit verschiedenen Zeremonien erinnerten die Organisatoren an die Millionen Menschen, die im vergangenen Jahrhundert in Kriegen gestorben sind.

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Zu militaristisch und antiquiert? In Rickling wird diskutiert, ob die derzeitige Form des Gedenkens am Volkstrauertag noch zeitgemäß ist.

Quelle: Detlef Dreessen

Kreis Segeberg. Aber auch an die Opfer von Unrecht und Terror in heutiger Zeit wurde gedacht, namentlich derer, die am Freitag bei den Terror-Anschlägen in Paris ums Leben gekommen waren.

 In Schmalensee stellte die Feuerwehr eine Ehrenwache am Ehrenmal. Begleitet von 18 Feuerwehrkameraden, legte Bürgermeister Sönke Siebke einen Kranz nieder. Einige Fackeln auf dem Weg zum Ehrenmal sorgten für andächtige Stimmung. Anschließend ging es in den Gasthof Voß, wo Pastor Reimer Kolbe, unterstützt vom Posunenchor, einen Gottesdienst für die Feuerwehr und zwölf Besucher hielt.

 In Rickling zogen Vertreter der Gemeinde und der Vereine und Verbände im Anschluss an den Gottesdienst zum Ehrenhain gegenüber dem Gasthof „Zur Doppeleiche“. Jeweils zwei Repräsentanten legten einen Kranz für die Opfer der Weltkriege nieder. Beobachtet wurde die Zeremonie von 30 besonders aufmerksamen Zuschauern. Einige hatten gedacht, dass die Feierlichkeit erstmals in neuer Form stattfinden würde. Doch so weit sei man noch nicht, sagte Diakon Hartmut Kühl, der mit einer Arbeitsgruppe eine neue Art des Gedenkens erarbeitet. „Zu militärisch und antiquiert“ findet er die jetzige Zeremonie.

 Auch Bürgermeister Christian Thomann bedauerte in den Vorjahren, dass sich die Teilnahme auf die offiziellen Delegationen von Vereinen und Verbänden wie Feuerwehr, Sportverein, Bund der Vertriebenen und Plattdütschem Vereen beschränkte. Schließlich steht auf einem Stein das Versprechen: „Wir vergessen euch nicht.“

 Doch die Aufgabe der Erinnerung muss offensichtlich auf neue Schultern gelegt werden. Es gibt immer weniger Menschen, die damals Angehörige verloren haben oder vertrieben wurden, erklärte Kühl. So war die Ortsgruppe des Bundes der Vertriebenen zum letzten Mal dabei.

 Weil Krieg und Frieden aktuelle Themen bleiben, wie der Anschlag in Paris gezeigt hat, wollen sich die Ricklinger ernsthaft damit auseinandersetzen. Kühl und seine Mitstreiter haben einen Jahresplan ausgearbeitet. Schwerpunkte sollen mehrere Gesprächsabende sein, in denen es etwa um die Wirkung der Kriegsgeneration auf die nachfolgenden Menschen gehen soll. Weitere geplante Themen sind „Flucht damals und heute“ und die Rolle des in Rickling einflussreichen Landesvereins für Innere Mission im Dritten Reich.

 Lesungen in Privathäusern sollen die Gemeinschaft fördern. Den gleichen Sinn hat ein Friedensfest als so genannte „weiße Tafel“, an der alle miteinander essen. Geplant ist auch eine Fahrt zur Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin.

 Den Abschluss des Jahres soll ein Friedensgottesdienst am Volkstrauertag 2016 bilden. Darin soll nicht nur der gefallenen Soldaten, sondern aller Opfer gedacht werden. Pastor Martin Rühe, der in der Arbeitsgruppe mitwirkt, gab gestern in seiner Ansprache schon einen Eindruck davon, dass der Blick geweitet werden soll. So erinnerte er an die zahlreichen Gruppen, die Opfer der Nazi-Ideologie wurden wie Behinderte, Menschen mit anderen politischen Überzeugungen und solche, die als minderwertige Rasse bezeichnet wurden. Rühe warnt vor Absolutsheitsansprüchen jeglicher politischer Macht oder Religion.

 Im Kultur- und Sozialausschuss seien die Ideen positiv aufgefasst worden, berichteten Kühl und Thomann übereinstimmend. Dass er auf Traditionalisten Rücksicht nehmen muss, ist dabei eine Herausforderung. „Wir sind ja eher ein bisschen konservativ“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Keno Jantzen auf die Frage, was er von einer Veränderung des Zeremoniells am Ehrenmal halte. „Von uns aus könnte das ruhig so bleiben.“

 Mut machen könnten die Erfahrungen der Gemeinde Klein Gladebrügge. Eine intensive Diskussion führte dort dazu, dass das Gedenken im vergangenen Jahr erstmals im Feuerwehrhaus stattfand. Die neue Form sei gut angenommen worden, sagte Bürgermeister Arne Hansen. Die Zahl der Teilnehmer habe sich von fünf bis sechs auf 50 bis 60 verzehnfacht. Schwerpunkt ist in Klein Gladebrügge eine Stunde der Besinnung mit Musik, Anzünden von Kerzen und Ansprache des Pastors. „Das ist viel besser, als lange draußen am Ehrenmahl zu stehen.“ Gleichwohl fehlte auch in Klein Gladebrügge die Kranzniederlegung nicht. Allerdings wurde sie ohne Zeremonie nach dem Beisammensein im Feuerwehrhaus vollzogen.

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