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Das Wahrzeichen hat ausgedient

Oering Das Wahrzeichen hat ausgedient

Das alte Spritzenhaus in der Ortsmitte am Dorfplatz ist ein Wahrzeichen Oerings. Nun will die Gemeinde das Gebäude abstoßen. Der Verkauf an privat soll in der nächsten Sitzung des Finanzausschusses am 1. November besprochen werden. Die Vorgeschichte des Gebäudes reicht bis in 19. Jahrhundert.

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Diese Aufnahme zeigt das alte Spritzenhaus in Oering 1992, in den vergangenen Jahrzehnten wurde an dem Gebäude nur wenig verändert.

Quelle: privat

Oering. Altbürgermeister Gerhard Brors hat in den Archiven geblättert, Zeitzeugen nach der Geschichte des alten Spitzenhauses befragt und die Historie zusammengefasst.

 Neben der damaligen Meierei wurde in den 1890er Jahren ein Mehrzweckgebäude errichtet. Ein Raum dieses Gebäudes diente der Meiereigenossenschaft bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als Käserei. Kurz vor dem Einmarsch der Engländer wurden die letzten Käselaibe im Dorf verteilt. Außerdem gab es im Gebäude Räume der damaligen Spar- und Darlehenskasse Oering.

 Nach der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr wurden in einem kleinen Anbau Spritzenwagen, Steckleitern und Schläuche untergebracht. Ein starker Sturm warf 1946 eine der alten Linden am Dorfplatz um. Der Baum fiel auf den Gebäudeteil der Feuerwehr und zerstörte ihn weitgehend. Dieser Sturmschaden löste zwei Entscheidungen aus: Zum einen wurden alle Linden um den Dorfplatz als gefährdet eingestuft und vorsorglich gefällt, weil damals auf dem Dorfplatz viele Heimatvertriebene in ehemaligen Wehrmachtsbaracken untergebracht waren. Zum anderen beschlossen die damaligen Gemeindevertreter, das durch den Baum beschädigte Gebäude für die Feuerwehr und Wohnzwecke deutlich zu vergrößern, um eine Etage aufzustocken und auch einen Schlauchturm zum Trocknen der Feuerwehrschläuche vorzusehen.

 Angehörige der Feuerwehr fuhren mehrfach nach Hamburg, um Trümmersteine aufzuladen und für den Bau nach Oering zu holen. Als Zugwagen diente – wie Brors herausgefunden hat – das erste Oeringer Feuerwehrauto, ein grün lackiertes ehemaliges Löschfahrzeug aus Wehrmachtsbeständen. Angekoppelt waren die beiden größten Ackerwagen Oerings von den Höfen Hermann Böttger und Hans Möck. Die Feuerwehrleute fanden Brauchbares in den zerbombten Trümmern: Eine alte Luftschutzsirene und mehrere bizarr verbogene Stahlträger wurden versteckt nach Oering gebracht. Die Sirene wurde später auf dem Spritzenhaus installiert. „Die verbogenen Träger wurden in der Schmiede von Wehrführer Willy Studt erhitzt, gerichtet und in der Decke der neuen Fahrzeughalle verbaut“, erzählt Brors.

 Unter Leitung des Oeringer Maurermeisters Christian Mannshardt machten sich vor allem die Oeringer Feuerwehrleute an die Arbeit und konnten den Bau 1948 fertig stellen. Das neue Spritzenhaus mit dem Schlauchturm und dem für damalige Verhältnisse großzügigen Platzverhältnissen galt zu der Zeit als das modernste Feuerwehrhaus im Kreis Segeberg.

 Im Obergeschoss waren drei Wohnungen entstanden. Im Erdgeschoss gab es neben der Feuerwehr noch Büro- und Lagerraum der Spar- und Darlehenskasse. In der Fassade zur Hauptstraße ist noch ein eingerücktes Schriftfeld zu erkennen. Als 1953 das Lager der Spar- und Darlehenskasse im Sauer Moor abbrannte, wurde 1954 in der Hauptstraße ein neues kombiniertes Lager- und Bürogebäude errichtet. Die Räume im Spritzenhaus wurden aufgegeben und danach bis 1970 als Büro der Gemeindeverwaltung genutzt.

 Weil die Ansprüche an die Feuerwehren und ihre Ausrüstung immer größer wurden, diskutierte die Gemeindevertretung über einen Umbau des Spritzenhauses. Man entschied sich aber für einen Neubau. Als in den 1970er Jahren in der Raiffeisenstraße ein Baugebiet entstand, wurde vom Spritzenhaus aus die Wasserversorgung organisiert. Ebenso konnten die Landwirte dort gegen Entgelt Wasser für das Vieh und andere Zwecke zapfen. Im ehemaligen Gemeindebüro wurde ein öffentlicher Jugendraum eingerichtet.

 Ende der 1970er-Jahre wurden die Wohnungen im Obergeschoss modernisiert und der Schlauchturm neu verklinkert. Die Decke vom Ober- zum Dachgeschoss erhielt 2012 eine Wärmedämmung.

 „Über die Aktivregion Alsterland sollte mit EU-Mitteln das alte Feuerwehrhaus zu einem Mehrgenerationenhaus umgebaut werden“, berichtet Brors. Weil allerdings im Laufe des Verfahrens immer höhere Auflagen für den energetischen Standard des Gebäudes gemacht wurden, gab die Gemeindevertretung 2010 die Pläne für dieses Gebäude auf. Dem jetzt vorgesehenen Verkauf steht Brors positiv gegenüber.

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