8 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Breite Front gegen Akw-Schrott

Deponie Damsdorf Breite Front gegen Akw-Schrott

Radioaktiv schwach strahlenden Müll aufnehmen, will offenbar niemand in der Region rund um die Deponie Damsdorf/Tensfeld. Das Ersuchen des Umweltministeriums, einen Teil des Abraums aus stillgelegten Atomkraftwerken (Akw) auf sieben Deponien zu lagern, kommt in keiner der Gemeinden gut an.

Voriger Artikel
Sechs Plätze für Wohnmobile
Nächster Artikel
Ein Dorf feiert die Weltmeisterin

Die Deponie Damsdorf/Tensfeld wird im Auftrag des Kreises Segeberg vom Wege-Zweckverband betrieben.

Quelle: Detlef Dreessen

Damsdorf. Nach der ersten Runde von Informationsveranstaltungen zum Thema steht die Front gegen den Akw-Müll.

 „Wir sind nicht dafür“, stellte Damsdorfs Bürgermeister Jürgen Kaack klar. „In meiner Gemeindevertretung bin ich eindringlich darum gebeten worden mitzuteilen, dass hier kein Abfall aus den Akw erwünscht ist.“ Wenn wirklich nur das angeliefert würde, von dem die Rede ist, wäre der Widerstand vielleicht nicht so groß. Aber: „Es herrscht ein gewaltiges Misstrauen gegenüber den Fakten.“

 So werde der Grenzwert, bis zu dem schwach belastete Abfällen unbedenklich sind, von Experten in Frage gestellt, sagt Kaack. „Aber ich bin kein Experte. Darum wollen wir uns noch von Fachleuten informieren lassen. Uns fehlt das Hintergrundwissen. Es ist traurig, aber es fehlt das Vertrauen in die Politik. Keiner kann hier kontrollieren, ob wirklich das kommt, was angekündigt wurde.“ Das „gewaltige Misstrauen“ betreffe auch die Aussagen zur Menge des angelieferten Mülls, der etwa aus Wegen, Mauern und Toren stammen soll. „Die Tonnage sind Schätzwerte. Wie viel Masse wirklich verstrahlt ist, merkt man erst, wenn man mit dem Abbruch angefangen hat.“ Auch Gesetze und Richtlinien könnten im Laufe der Jahre verändert werden, so dass man sich nicht völlig auf sie verlassen könne.

 Tensfelds Bürgermeisterin Dr. Beatrix Klüver ist sich auch nicht mehr sicher, dass man bedenkenlos den Müll annehmen kann. Sagte sie anfangs noch, er müsse ja irgendwo hin, heißt es jetzt: In Tensfeld gebe es große Sorgen, „den kleinen Finger zu reichen, und nachher wollen die die ganze Hand“.

 Anders als in Großenaspe, wo ebenfalls Akw-Schrott gelagert werden soll, gibt es in den Dörfern rund um Damsdorf keine Unterschriftensammlungen, berichten die Bürgermeister. „Wir warten jetzt entspannt ab“, sagt Tarbeks Bürgermeister Jörn Saggau. „Was sollen wir Aktionen starten, wenn es nachher heißt, sie haben es sich anders überlegt.“ Einige Tarbeker seien in Kiel bei einer Informationsveranstaltung mit Umweltminister Robert Habeck gewesen und hätten berichtet, dass „nichts Klares dabei herausgekommen“ sei. „Die große Eile scheint nicht mehr zu herrschen.“ Vielleicht werde der Müll ja direkt vor Ort gelagert. „Der Standort muss ja sicher sein, wenn da ein Akw stehen durfte.“

 Auch Saggau hat Zweifel gegenüber den Zusagen des Ministeriums: „Ob die Grenzwerte in 40 Jahren noch aktuell sind, weiß heute keiner.“

 Der Amtsausschuss Bornhöved hat sich einstimmig bei zwei Enthaltungen gegen die Lagerung auf der Deponie ausgesprochen. Eine für den 1. September angekündigte Informationsveranstaltung mit dem Umweltminister auf der Deponie wurde inzwischen abgesagt. An diesem Tag könne Robert Habeck nicht kommen, erklärt Kaack.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3