19 ° / 7 ° heiter

Navigation:
Altar ist jetzt 500 Jahre alt

Marienkirche in Bad Segeberg Altar ist jetzt 500 Jahre alt

Ein bemerkenswertes Jubiläum, um das - über die evangelische Kirchengemeinde hinaus - aber nicht allzu viel Aufhebens gemacht wurde: Der Altar in der St.-Marien-Kirche ist 500 Jahre alt.

Voriger Artikel
Ziegen gequält: Gehege zu
Nächster Artikel
Viel Lob für Runden Tisch

Goldene Bühne: Der Altar in der Marienkirche ist 500 Jahre alt.

Quelle: Peter Zastrow

Bad Segeberg. Zum ersten Gottesdienst der sogenannten Sommerkirche, in dem diese runde Zahl gefeiert wurde, hatte Pastorin Rebecca Lenz den Fockbeker Gospel- und Moritatenchor eingeladen.

 Zu einem echten Geburtstag gehört auch das Auspacken - in diesem Fall das Herablassen des Vorhangs, von dem der Altar anfangs noch verdeckt war. Dann erstrahlten die 13 Altarbilder mit ihren rund 250 goldenen und farbigen Figuren im gleißenden Licht.

 Der spätgotische, dreiflügelige Hochaltar wurde um 1515 hergestellt und drei Jahre später in der Marienkirche aufgestellt. Er gilt als einer der schönsten mittelalterlichen Altäre in Schleswig-Holstein. Die wissenschaftliche Würdigung, die ihm nach Einschätzung von Fachleuten eigentlich zusteht, hat er allerdings noch nicht erfahren – was vielleicht auch daran liegt, dass weder über die Stifter noch über die Gestaltungsvorschriften, den Künstler, die Werkstatt, die Kosten oder den Weihetermin Urkunden vorliegen.

 Heinrich Rantzau, Amtmann in Segeberg und Statthalter des dänischen Königs, schrieb 1597 – also gut 80 Jahre nach der Aufstellung des Altars – in seiner „Beschreibung der Kimbischen Halbinsel“, der Altar sei von Hans Brüggemann gefertigt worden. Vergleicht man ihn aber mit dem Brüggemann-Altar von 1521, der für die Bordesholmer Klosterkirche angefertigt wurde und heute im Schleswiger Dom steht, sind wenig Übereinstimmungen festzustellen. Wahrscheinlicher stammt der Altar vom Lübeckers Bildschnitzer und Malers Henning van der Heide († 1521), der auf seiner Wanderschaft Süddeutschland und die Niederlande bereiste; Einflüsse aus diesen Regionen sind sichtbar. Van der Heide - oder seine Werkstatt - schuf unter anderem den Fronleichnamsaltar im Lübecker St.-Annen-Museum, der viele Ähnlichkeiten zum Bad Segeberg Altar zeigt.

 Während ältere Altäre oft als Flachrelief dargestellt wurden, schuf der Künstler des Segeberger Altars in 13 Feldern Szenen wie auf einer Bühne – mit Tiefe und mehreren hintereinander gestaffelten Ebenen, Figuren und Reliefblöcken. In 30 Haupt- und Nebenszenen werden Begebenheiten erzählt, die in den Schriften des neuen Testaments und in der mittelalterlichen Legenden-Literatur überliefert sind. Mit über 230 Figuren aus Lindenholz, in der Größe zwischen 10 und 90 Zentimetern, sind die Ereignisse von der Gefangennahme Jesu bis zum Jüngsten Gericht geschildert.

 Im Laufe der Jahre wurde der Altar immer wieder restauriert, verfeinert und umgestaltet. So veranlasste 1668 der ortsansässige königliche Amtsschreiber und Bürgermeister Nicolaus Brüggemann (1637-1687) eine Restaurierung. Dabei ließ er auf den Rückseiten der Altarflügel sowie auf den Außenflügeln 32 barocke Hochovalbilder auftragen. Die zugehörige Wand (280 mal 63 Zentimeter) - mit einem Abendmahlbild - befindet sich heute in der Johanneskapelle. Seinen aktuellen Standort hat der Altar seit 1573. Bis dahin stand er weiter hinten im Mönchschor, einem Anbau an der Kirche von 1470. Nach der Auflösung des Klosters wurde dieser Teil nicht mehr genutzt, verfiel, wurde 1654 abgerissen und durch die noch heute vorhandene Feldsteinmauer ersetzt.

 In der Sommerkirche gab es statt der üblichen Predigt einige Geschichten, die zu ausgewählten Bildern des Altars erzählt wurden – von Küster Thomas Teegen jeweils durch einen Scheinwerfer hervorgehoben. So konzentrierte sich Mathias Lenz etwa auf einen der beiden Farbigen unter dem Kreuz und zog den Bogen von den Heiligen Drei Königen bis zur Kreuzigung. Angelika Traumann verband mit dem Bild der Auferstehung die Hoffnung. Thomas Falck wiederum hatte sich in der Szene „Vor Pilatus“ den Diener herausgesucht, der Roms Statthalter gerade die Schale mit dem Wasser reicht; und zog so eine Verbindung zur Mitschuld. Zum Schluss nahm sich Pastorin Lenz selbst das Motiv der Auferstehung vor - und die damit einhergehende Freude.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3