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Wetterdienst gegen Windpark

Radarstörung durch Anlagen? Wetterdienst gegen Windpark

42 Windkrafträder produzieren derzeit im Kreis Segeberg Strom. Acht weitere sollten sich ab Ende 2014 in Großenaspe und Wiemersdorf drehen. Doch das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) hat aufgrund des Vetos des Deutschen Wetterdienstes (DWD) die Genehmigung versagt. Nun hat das Verwaltungsgericht in Schleswig zu entscheiden.

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Seit März 2012 besteht das Wetterradar in Boostedt auf dem 92 Meter hohen Berg Schwienshagen.

Quelle: Detlef Dreessen

Großenaspe. Nur bei einem Mindestabstand von 15 Kilometern zum Wetterradar könne dies ungestört Daten sammeln, argumentiert der Deutsche Wetterdienst. Der würde jedoch unterschritten. Sieben neue Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von 134 Metern sollen auf Großenasper Gebiet errichtet werden. Eine Besonderheit dabei ist, dass die Gemeinde selbst eine der Anlagen betreiben möchte. In Wiemersdorf soll eine weitere zu den bereits 16 bestehenden Anlagen des Bürgerwindparks hinzukommen.

 Doch obwohl schon 4 Millionen Euro Eigenkapital von rund 80 Investoren bereitgestellt worden sind, um das 28-Millionen-Euro-Projekt zu finanzieren, geht es derzeit nicht recht voran.

 Der Deutsche Wetterdienst hat eine Beeinträchtigung seines Wetterradars auf der Boostedter Anhöhe Schwienshagen geltend gemacht. Bürgerwindpark-Geschäftsführer Dr. Hans-Günther Lüth und Großenaspes Bürgermeister Torsten Klinger (CDU) hatten sich daraufhin an Umweltminister Dr. Robert Habeck (Bündnis 90/Grüne) gewandt – vergeblich.

 Obwohl sie zwei Gutachten präsentieren konnten, in denen die Befürchtungen des Wetterdienstes für unbegründet erachtet werden, versagte der Umweltminister die Unterstützung. „Habeck hat uns geraten zu klagen. Wir hätten doch gute Chancen“, berichtete Lüth von dem Treffen.

 Kein Verständnis kann Lüth dafür aufbringen, dass den Investoren alleine für den Ablehnungsbescheid knapp 100000 Euro Gebühren in Rechnung gestellt worden sind. Im Dezember des verghangenen Jahres war Lüth vor das Verwaltungsgericht Schleswig gezogen, um den Ablehnungsbescheid außer Kraft setzen zu lassen. Einen Verhandlungstermin gibt es bisher jedoch noch nicht.

 Hoffnung gibt dem Windpark-Betreiber allerdings ein Urteil des Verwaltungsgerichts Trier. Dort hatte der DWD vergeblich geklagt, weil der Kreis Bitburg-Prüm in einem gleichgelagerten Streitfall – Windkraftbetreiber gegen DWD – eine Genehmigung zum Bau der Windkrafträder erteilt hatte.

 Die dortigen Windkraftbetreiber hatten den gleichen Gutachter zu Rate gezogen wie Lüth, der die Verhandlung in Trier selbst verfolgte.

 Einen kleinen Etappensieg hat Lüth am vergangenen Freitag vor dem Verwaltungsgericht Darmstadt errungen. Das Gericht ist wegen des Sitzes des DWD in Offenbach zuständig. Dort konnte Lüth erreichen, dass der Wetterdienst Daten herausgeben muss, aus denen eine angebliche Beeinträchtigung des Wetterradars durch die bereits vorhandenen Windkraftanlagen in Wiemersdorf hervorgeht. Diese sind ebenfalls keine 15 Kilometer vom Wetterradar in Boostedt entfernt.

 „Wir bekommen jetzt sogar noch mehr Daten, als wir eigentlich gefordert hatten“, zeigte sich Lüth erfreut. Damit hofft der Wiemersdorfer, bei der Verhandlung in Schleswig noch mehr Argumente in der Hand zu haben, die gegen die Ablehnung durch das LLUR sprechen. Allerdings müssen die Daten erst noch ausgewertet werden.

 Für die Investoren geht es um viel Geld, das allein schon für die Planung ausgegeben haben. So sind Umweltgutachten zu bezahlen und auch schon Ausgleichsflächen angekauft worden.

 Und für die Zukunft drohen Mindereinnahmen. Denn je später die Windkraftanlagen in Betrieb gehen, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Einspeisevergütung verringert. Sie ist aber ein wesentlicher Faktor bei der Kalkulation des Gewinns. „Wenn sich die Vergütung verringert, wirkt sich das ja auf die ganzen 20 Jahre Laufzeit aus“, sagt Lüth. Dies wäre ein herber finanzieller Verlust für die Investoren, ist seine Befürchtung.

 Es gibt aber noch eine weitere Baustelle, die Lüth auf den Bürgerwindpark Wiemersdorf zukommen sieht, wenn sich der DWD durchsetzen sollte. „Von den derzeit 16 Anlagen in Wiemersdorf wollen wir im kommenden Jahr 20 Jahren nach dem Bau die ersten sechs Anlagen repowern“, also verstärken, erklärt Lüth. Die alten Anlagen haben eine Nabenhöhe von 65 Metern. Die neuen, geplant sind nur noch fünf, sollen in 134 Metern Höhe ihre Nabe haben. Die Stromausbeute könnte sich dadurch verdreifachen. Anstatt für rund 5300 Haushalte reiche der Strom dann für 15000 Haushalte.

 Setzt sich allerdings der Deutsche Wetterdienst durch, wird es wohl nichts mit dem Repowern.

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Ein Artikel von
Uwe Straehler-Pohl

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