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Segeberger Feder verliehen

Jugendbuchpreis Segeberger Feder verliehen

Zum 12. Mal wurde am Donnerstag der Jugendbuchpreis „Segeberger Feder“ verliehen. Er ging an den gebürtigen Bielefelder Lukas Erler (62) für seinen Öko-Thriller „Brennendes Wasser“.

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Mit Autor Lukas Erler (Mitte) freuten sich Umweltminister Robert Habeck (links) und Kai Gräper von der Sparkasse Südholstein über die Auszeichnung „Segeberger Feder“.

Quelle: Andrea Hartmann

Bad Segeberg. Die Handlung: Als Romanheld Gary (17) mit dem Revolver auf die Sekretärin eines Firmen-Managers zielt, ist er ruhiger, als er befürchtet hatte. Der junge Mann erzwingt sich auf diese Weise den Zutritt zum Büro des Chefs, dem er im Wortsinn die Pistole auf die Brust setzt: Er und weitere führende Mitglieder der Chefetage sollen auf Aufforderung des jungen Mannes verseuchtes Wasser trinken, das durch Fracking nahe seines Elternhauses in den USA verdorben wurde. So will sich Gary dafür rächen, dass die Firma seinen Vater auf dem Gewissen hat. Zur selben Zeit explodiert in Deutschland das Haus eines alten Mannes; dort kommen drei Jugendliche einem Skandal auf die Spur, der ebenfalls mit Fracking zu tun hat.

 „Der Preis ist für mich eine große Ehre - und es ist für mich das Allerbeste, wenn Jugendliche mich bewerten“, freute sich Erler vor rund 80 Gästen in der Bibliothek, deren Mitarbeiter nicht nur zur kurzen Buchvorstellung, sondern auch zu einer Podiumsdiskussion mit einer Delegation von Dahlmannschülern und - wegen des aktuellen Themas Fracking - einem besonderen Gast eingeladen hatten: Schleswig-Holsteins Umwelt- und Energiewendeminister Dr. Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen). Er lobte Erlers Buch als ein Werk, „das es schafft, politische Themen mit menschlichen zu verbinden: Man verliert nie den Faden, die Figuren sind plastisch“, sagte Habeck, der vor seiner Zeit als Politiker selbst mehrere Bücher verfasst hatte.

 Auf die Idee, Fracking zum Thema eines Kriminalromans für Jugendliche zu machen, war Erler gekommen, nachdem sein Sohn das Verfahren zur Erdöl- und Erdgasgewinnung vor einigen Jahren im Erdkunde-Unterricht durchgenommen hatte. „Das hat ihn so beeindruckt, dass er mir darüber ausführlich berichtete“, erinnert sich Erler. Vater und Sohn recherchierten daraufhin im Internet und stießen auf erschreckende Videos und Bilder: „Da konnten manche Menschen ihr Trinkwasser anzünden, das aus dem Boden kam.“

 Und daher ist die Szene mit Gary, der Rache will, eine Schlüsselszene im Buch, aus dem Erler gestern vor mucksmäuschenstillem Publikum las. Denn das Wasser, das Gary dem Firmenchef aufzwingt, ist braun und mit Chemikalien versetzt - durch das Bohren in der Erde. Das englische Wort „Fracking“ kommt von „fracture“ („aufreißen“, „aufbrechen“) und ist eine Methode zur Erzeugung oder Weitung von Rissen unter der Erde mit dem Ziel, die Durchlässigkeit des Gesteins zu erhöhen und dadurch Gas oder Öl freizusetzen. Durch das mit Chemikalien verseuchte Wasser kam Garys Vater ums Leben, und darum will der Sohn Rache. Gleichzeitig explodiert in der fiktiven niedersächsischen Stadt Kantheim ein Haus - offenbar auch wegen Frackings: Drei Jugendliche, die zufällig in der Nähe sind, hatten beobachtet, wie aus seinem Wasserhahn eine Stichflamme schoss.

 Die Auszeichnung „Segeberger Feder“ wird seit 2001 vergeben, in diesem Jahr zum zwölften Mal. Rund 50 zumeist jugendliche Leser der Bücherei hatten Erlers Buch im vergangenen halben Jahr aus zwölf Büchern als das beste ausgewählt, berichtete Friederike Sablowski, Leiterin der Stadtbücherei. Da die Bibliothek seit langem gern mit Schulen zusammenarbeitet, hatte Sablowski in der Dahlmannschule angefragt, ob Schüler an einer Podiumsdiskussion zu Lukas Erlers Buch teilnehmen würden. Und so hatten die Oberstufenschüler Niklas Hübner (Moderation), Tim-Lucas Rabbel, Kilian Peters und Lukas Weidinger fundierte Fragen mitgebracht, die sie Autor Erler und Umweltminister Habeck stellten. Sie drehten sich vor allem um das Fracking, zu dem Habeck auf sympathisch-lockere Art viele Details nannte und auch auf die Gefahren hinwies.

 Bürgermeister Dieter Schönfeld freute sich auf der Veranstaltung über die Auszeichnung Erlers und darüber, dass sich so viele junge Leute auch im Zeitalter der Digitalisierung für das geschriebene Wort interessierten. Kai Gräper von der Sparkasse Südholstein versprach, dass das Geldinstitut die Segeberger Feder weiterhin finanziell unterstützen werde, denn es sei sehr wichtig, Jugendliche zum Lesen zu bewegen.

Lukas Erler, „Brennendes Wasser“, Arena-Verlag 2014, gebunden 272 Seiten, ISBN 978-3401069357, 14,99 Euro.

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