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Es geht an die Reserven

Flüchtlinge im Kreis Es geht an die Reserven

Weil immer mehr Asylbewerber kommen, geht es im Kreis Segeberg an die Reserven. Erwogen wird, stillgelegte Betten in einer Klinik zu nutzen, Wohncontainer auf Kreisflächen zu errichten oder Gasthöfe mit Hotelbetrieb zu übernehmen. Selbst Feldbetten wurden schon aus den Lagern geholt.

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Knapp 200 Feldbetten aus Beständen der Wehren im Kreis Segeberg lieferte am Wochenende der ABC-Zug des Kreisfeuerwehrverbandes in eine Turnhalle in Eutin, ein Übergangsquartier für Asylbewerber.

Quelle: ABC-Zug

Kreis Segeberg. Elke Andrasch, oberste Flüchtlingsbetreuerin in der Kreisverwaltung, hält sich zu konkreten Plänen sehr bedeckt, verweist aber auf den Druck: Bislang kämen fast 50 Asylbewerber pro Woche. „Demnächst werden es 100 sein.“ Claus-Peter Dieck, Fraktionschef der CDU und 1. stellvertretender Landrat: „Es überrollt uns.“

 Nach den letzten Hochrechnungen, die aber schon einige Wochen zurückliegen, muss der Kreis zusammen mit seinen Gemeinden und Städten 2015 rund 1900 neue Asylbewerber unterbringen. Denn die Landeseinrichtungen, darunter die ehemalige Kaserne in Boostedt, laufen voll. Dort sind schon 645 Plätze belegt. Die Kapazität wurde mittlerweile auf 1030 verdoppelt.

 Doch die Weiterleitung in Segebergs Kommunen wird immer schwieriger. Trotz Reserven: Die Stadt Bad Bramstedt etwa könnte nach Einschätzung von Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach im nächsten Monat an ihre Grenzen geraten.

 Der Kreis selbst ist blank. Seine einzige Zentralunterkunft in Schackendorf, die weniger als hundert Plätze hat, wird derzeit saniert. Der Kreis hat nun den Kommunen signalisiert, selbst eigene Unterkünfte zu besorgen. Damit komme der Kreis seiner Ausgleichsfunktion nach, sagt Elke Andrasch.

 In akuten Einzelfällen mietet der Kreis zwar, wie früher schon, Hotelbetten an. Er sucht allerdings nach dauerhaften Lösungen. Im sogenannten Ältestenrat des Kreistages holte sich Landrat Jan Peter Schröder grünes Licht für die Suche. Entschieden ist dem Vernehmen nach aber noch über keinen Standort.

 Tabus gibt es aber keine mehr. Nach Informationen der Segeberger Zeitung wird offenbar überlegt, ganze Hoteltrakte zu übernehmen. Im Klinikum Bad Bramstedt sind rund 50 bis 60 ehemalige Klinikbetten ins Visier geraten, die in ungenutzten Trakten stehen. Selbst von leerstehenden Höfen oder Häusern auf Dörfern ist bereits die Rede, die vielleicht in Frage kommen könnten. Auch seine eigenen Immobilien will der Kreis möglicherweise nutzen.

 Dazu zählen die Außenanlagen der Jugendakademie in Bad Segeberg und der Jugendzeltplatz Wittenborn. Beide werden vom kreisnahen Verein für Jugend- und Kulturarbeit im Kreis Segeberg betrieben. Ihm steht Kütbach vor. Denkbar wäre, Wohncontainer aufzustellen, sagt er. Den Zeltplatz hält Kütbach aber für zu entlegen. Außerdem sei in beiden Fällen unklar, ob der Boden und die Infrastruktur vor Ort geeignet sind.

 Theoretisch könnten auch einige der 86 Jugendakademiebetten benutzt werden. Doch sie sind meist langfristig gebucht. „Bislang planen wir nicht, deswegen Seminare abzusagen“, sagt Kütbach.

 Ein weiteres Problem: Neuerdings werden dem Kreis Segeberg auch allein reisende asylsuchende Kinder geschickt. Bislang hat das Land sie betreut. Das Kreisjugendamt kümmert sich um sie, sagt Elke Andrasch. Sie würden nicht in Asylbewerberunterkünfte weitergeleitet, sondern wie andere schutzbedürftige Minderjährige in stationären Einrichtungen oder Pflegefamilien untergebracht.

 Andrasch dankt allen kommunalen Stellen für die gute Kooperation, den eigenen Mitarbeitern und den ehrenamtlichen Helfern. „Ohne sie wäre das nicht zu schaffen.“ Sachspenden wie Kleidung könne der Kreis leider nicht entgegen nehmen. „Wir haben kein Lager.“ Besser seien sie aufgehoben in Sozialkaufhäusern. Dort erhielten sie auch andere Bedürftige.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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