22 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Gastfamilien dringend gesucht

Kreis Segeberg Gastfamilien dringend gesucht

Das Jugendamt ächzt unter dem anhaltenden Zustrom von Flüchtlingen - und bittet die Segeberger um Hilfe. Weil Unterkünfte fehlen, sucht der Kreis nun Gastfamilien, die minderjährige unbegleitete Ausländer bei sich aufnehmen und einige Zeit auf dem Weg im neuen Land und ins Erwachsenwerden begleiten.

Voriger Artikel
Zeichen gegen Gewalt an Frauen
Nächster Artikel
Auf Seelsorge im Mittelmeer

Filimon (15) und Filimon (14, vorne von links) wurden von Familie Fitzner - mit Lea, Heike, Norman, Malin und Janes - in Blunk herzlich willkommen geheißen. Der Kreis Segeberg hofft, dass sich auch andere Familien aus dem Kreisgebiet bereit finden, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufzunehmen und zu begleiten.

Quelle: Petra Stöver

Kreis Segeberg. „Der stark ansteigende Flüchtlingsstrom von unbegleiteten Kindern und Jugendlichen stellt für den Kreis eine große Herausforderung dar. Seit dem Sommer dieses Jahres sind 380 ausländische Kinder und Jugendliche ohne ihre Eltern in den Kreis Segeberg gekommen“, berichtet Jugendamtsleiter Manfred Stankat. Seine Behörde findet für sie keine Plätze mehr in Heimen oder betreuten Wohngruppen. Aus der Not heraus wurde die Idee geboren, Privatleute um Zimmer und Aufnahme ins Familienleben zu bitten. „Das ist nicht die alleinige Lösung, aber ein weiterer Baustein, um Integration zu betreiben“, sagt Landrat Jan Peter Schröder.

 Schon bevor der Hilferuf aus dem Kreishaus schallte, wandte sich Familie Fitzner aus Blunk selbst an das Amt, aufgeschreckt durch Berichte über das Schicksal von jungen Ausländern, die auf der Flucht ihre Angehörigen verloren haben Die Eltern Norman (47, Auslieferungsmitarbeiter bei Möbel Kraft) und Heike (45, MTA in den Segeberger Kliniken) mit ihren Kindern Janes (11, geht zur Richard-Hallmann-Schule in Trapenkamp), Malin (16, besucht das BBZ in Bad Segeberg) und Lea (18, macht eine Ausbildung zur Altenpflegerin) laden gern Fremde zu sich ein, hatten schon Austauschschüler aus USA, Finnland und Indonesien zu Besuch.

 Vor sechs Wochen vermittelte das Jugendamt des Kreises zwei Jungs aus Eritrea nach Blunk, wo sie herzlich aufgenommen wurden. Mit Filimon (15) und Filimon (14) ist die Verständigung zwar schwierig, weil sie kaum Deutsch und nur wenige Vokabeln Englisch beherrschen. Mit Mimik, Gestik und Haftnotizen behelfen sie sich. Am Stuhl klebt ein Zettel, auf dem Stuhl steht, auch die Bank und andere Möbel wurden beschriftet. Das wird bald nicht mehr notwendig sein, denn die beiden Filimons „lernen den halben Nachmittag Deutsch“, staunt Norman Fitzner.

 Was genau die Afrikaner zur Flucht bewogen hat, haben die Fitzners auch im Gespräch mit dem Dolmetscher noch nicht herausgefunden. Sie wissen nur, dass ihre Gäste rund ein Jahr unterwegs waren, bis sie sich in der Erstaufnahmeeinrichtung in Boostedt trafen und Freunde wurden. „Wir sind selber ganz gespannt auf die Geschichte“, sagt die Gastmutter. Aus dem afrikanischen Krisenstaat fliehen derzeit jeden Monat Tausende nach Europa. Vor allem junge Männer wollen der Unterdrückung und dem Militärdienst entkommen.

 „Man merkt schon, dass sie ihr Päckchen zu tragen haben, aber so traumatisiert, dass sie zur Therapie müssten, sind sie nicht“, hat Heike Fitzner beobachtet. „Sie versuchen sich einzufinden und machen sich ganz toll in der Familie.“ Beide gehen in Bad Segeberg zur Schule, Filimon (15) spielt Fußball bei Eintracht Segeberg, Filimon (14) macht Musik. Mit ihren Gastgeschwistern scheinen sie sich gut zu verstehen, es wird viel gelacht.

 Norman Fitzner war anfangs etwas skeptisch, weil die beiden Filimons wohl viel länger in Blunk bleiben werden als er es von Austauschschülern kennt. „Das macht man ja nicht mal eben so.“ Doch er bereut die Entscheidung nicht, die beiden Jungs so lange zu begleiten, bis sie auf eigenen Füßen stehen. „Sie sind ja auch eine Bereicherung für die ganze Familie“, meinen die Eheleute übereinstimmend.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr zum Artikel
Sieben leicht Verletzte

Schlägerei mit sieben Verletzten in der Landesunterkunft Boostedt: Wie die Polizei berichtet, schlugen am Sonntagabend mehrere Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung aufeinander ein. Sieben Personen wurden leicht verletzt, zwei mussten ins Krankenhaus.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3